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OÖG-Vorsitzender Königswieser über die hohe Sicherheit in Oberösterreichs Spitälern und die Weiterentwicklung der Medizin

Alexandra Mittermayr, 11.05.2026 17:10

OÖ/LINZ. Dr. Tilman Königswieser ist neuer Vorsitzender der Geschäftsführung in der Oberösterreichischen Gesundheitsholding (OÖG). Der Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde und Gesundheitsmanager, zuletzt Ärztlicher Direktor des Salzkammergut-Klinikums, spricht im Tips-Interview über seine neue Position und Veränderungen.

Dr. Tilman Königswieser, Vorsitzender der Geschäftsführung in der OÖ Gesundheitsholding (Foto: OÖG)

Angesprochen auf seinen Wechsel an die Spitze der OÖG zeigt sich Königswieser sehr erfreut. Er sei mit offenen Armen sowohl von seinen beiden Co-Geschäftsführern als auch von der ganzen Belegschaft aufgenommen worden.

Tips: Wie werden Sie die OÖG künftig führen?

Königswieser:Ich freue mich, dass ich in dieser Position mithelfen kann, unseren Träger weiterhin gut aufzustellen. Ich arbeite gerne mit anderen und in Teams, übernehme Verantwortung und trage letztendlich auch Konsequenzen für Entscheidungen. Ich bin ein Kind dieses Unternehmens. Ende der 80er-Jahre habe ich in Kirchdorf in meinem Heimatkrankenhaus als Formulant begonnen. Ein Unternehmen, das den Leuten die Chance gibt, eine ganze Berufskarriere vom Formulanten – das ist der Lehrling in der Medizin – bis zum Geschäftsführer zu entwickeln, das ist schon ein gesundes Unternehmen.

Tips: Jetzt gab es hinsichtlich Führung und Kommunikation in der Vergangenheit einige Kritik.

Königswieser: Wir behandeln über zwei Millionen Patientinnen und Patienten und haben jetzt auch wieder sehr positive Rückmeldungen und Bewertungen bekommen. Das zeigt, dass wir sehr konsequent und korrekt arbeiten. Was ich gelernt habe: Missgeschicke passieren leider. Ich bekenne mich dazu, sehr offen damit umzugehen. Das haben die Angehörigen, die Patientinnen und Patienten verdient. Es ist immer wichtig, vorbeugend zu wirken und die Systeme möglichst sicher zu machen. Und wenn einmal etwas passiert, die richtigen Schlüsse zu ziehen, jedoch keine voreiligen Schlüsse.

Tips: Wie sicher ist aktuell unser Krankenhaussystem?

Königswieser: Es gibt eine große kanadische Studie, die sagt, auf einer Intensivstation mit acht Betten passieren je Patient am Tag 178 Handlungen, bei denen ein kleiner Fehler eine Nebenwirkung haben kann. Das sind im Jahr 520.000 Handlungen. Wenn ich eine 99,9-prozentige Sicherheit habe, habe ich trotzdem 520 Fehler. Bei davon fünf Prozent schweren Fehlern wären das 26. Oberösterreich hat über 200 Intensivbetten, dennoch kommen wir nicht auf diese Zahl. Das heißt, wir sind deutlich sicherer. Was mir wichtig ist: Fehler haben meistens eine Systemkomponente. Es ist nie ein Einzelner schuld. Wir arbeiten in Teams und Teammitglieder sind auch verpflichtet, auf den anderen aufzupassen und einzuschreiten. Wir versuchen, unsere Systeme noch sicherer zu machen, sind inzwischen wirklich auf einem Null-Level. Als Gesellschaft müssen wir akzeptieren, dass, so gut unsere Gesundheitssysteme sind, wir auch manchmal nicht helfen können. Jeder einzelne Fall ist eine Tragödie.

Tips: Welche Herausforderungen sehen Sie im Gesundheitssystem?

Königswieser: Die Medizin kann immer mehr, zum Beispiel in der Onkologie. Hier haben wir jährliche Kostensteigerungen von 20 Prozent. Wir haben jetzt Therapiemöglichkeiten, die wir vor drei, vier Jahren noch nicht gehabt haben. Therapiekosten von 100.000 bis zu 200.000 Euro pro Patient sind keine Seltenheit. Wir haben beispielsweise auch einen Patienten mit einer nicht-onkologischen Erkrankung mit kalkulierten Therapiekosten von bis zu 2,8 Millionen Euro im Jahr, das muss ein System aushalten.

Tips: Wie lange werden diese Kosten noch finanzierbar sein?

Königswieser: Ich hoffe, wir kommen möglichst spät in die Diskussion zwischen Individualwohl, also dem Wohl des einzelnen Patienten, und Gemeinwohl. Mein Credo aus meiner Zeit als Kinderarzt ist immer, zu hinterfragen, ob eine Untersuchung wirklich notwendig ist, um zur Diagnose zu kommen – ob ich einem Kind Blut abnehme oder es in die Röhre schiebe. Korrekter Ressourceneinsatz heißt, nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel zu tun. Und wir tendieren oft dazu, eher zu viel zu tun.

Die langen Wartezeiten bei nicht-akuten Operationen will der neue OÖG-Chef durch Effizienzsteigerungen und erweiterte Kapazitäten verkürzen.


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