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LINZ. Vor 30 Jahren war sexualisierte Gewalt noch weitgehend ein Tabuthema. Heute wird offener darüber gesprochen – doch sie ist immer noch unter uns. Der Verein PIA verbindet seit 1996 konkrete Hilfe für Betroffene mit Prävention

140 Personen befinden sich aktuell in Therapie, davon 128 Frauen. (Foto: New Africa/stock.adobe.com)
140 Personen befinden sich aktuell in Therapie, davon 128 Frauen. (Foto: New Africa/stock.adobe.com)

Wir sind stolz darauf, dass es uns nach 30 Jahren noch gibt. Am schönsten wäre es aber, wenn es PIA nicht geben müsste“, betont Gründerin und stellvertretende Obfrau Christa Pühringer. Doch trotz aller Fortschritte bleibt sexualisierte Gewalt Realität. „Sie passiert still und leise hinter Türen, mitten in unserer Gesellschaft, ohne dass wir es mitbekommen.“ Umso wichtiger ist es dem Verein, diese Botschaft weiterhin nach außen zu tragen. „Reden wir darüber, auch wenn es sprachlos macht“, so Pühringer.

Vieles hat sich verändert

Als der Verein 1996 gegründet wurde, stießen Menschen, die über sexualisierte Gewalt sprachen, häufig auf Zweifel oder Schweigen. Seither wurden Opferrechte gestärkt, Hilfsangebote ausgebaut und die Präventionsarbeit professionalisiert. Auch die öffentliche Debatte hat sich verändert: Neben einzelnen Taten rücken heute stärker die Fragen in den Blick, warum Gewalt unbemerkt bleiben konnte, ob Hinweise ernst genommen wurden und wer für den Schutz Betroffener verantwortlich ist.

Ein gestiegenes gesellschaftliches Bewusstsein bedeutet aber nicht, dass sexualisierte Gewalt verschwunden ist. Sie kann im familiären Umfeld ebenso geschehen wie in Einrichtungen und Vereinen. Betroffen sind Frauen und Mädchen, aber auch Männer und Buben. Scham und Schuldgefühle können es schwer machen, über das Erlebte zu sprechen. Die Französin Gisèle Pelicot, die sich bewusst für einen öffentlichen Prozess gegen ihre Vergewaltiger entschied, brachte es auf den Punkt: „Die Scham muss die Seite wechseln.“ Sie darf nicht bei jenen bleiben, denen Gewalt angetan wurde.

Kostenlose Therapiestunden

In 30 Jahren hat PIA rund 39.500 kostenlose Therapiestunden ermöglicht. Allein von 2016 bis 2025 stieg die jährliche Zahl von 1.618 auf 2.504 Stunden. Das ist ein Anstieg um rund 55 Prozent. Hinzu kamen etwa 9.500 Beratungen und Telefonate sowie 1.550 Onlineberatungen. Der Bedarf ist dauerhaft hoch: Derzeit sind 140 Menschen, davon 128 Frauen, in Therapie. Rund 30 warten auf einen Platz. Die Wartezeit beträgt bis zu einem Jahr.

Eine Therapie kann die Vergangenheit nicht ungeschehen machen. Sie kann Betroffene aber dabei unterstützen, ihre Lebensqualität zu erhöhen, Sicherheit und Selbstvertrauen zurückzugewinnen und das Erlebte so zu verarbeiten, dass wieder ein selbstbestimmtes Leben möglich wird. „Es gibt aber auch Betroffene, die das Trauma vielleicht nie überwinden werden“, betont Pühringer.

Prävention stärkt Kinder

Neben Beratung und Therapie bilden Prävention und sexuelle Bildung das zweite Standbein des Vereins. In 30 Jahren veranstaltete PIA rund 2.800 Workshops und erreichte damit etwa 50.000 Menschen, davon rund 36.700 Kinder und Jugendliche. Vor allem sie sollen lernen, ihren Körper und ihre Grenzen wahrzunehmen und zu wissen, an wen sie sich wenden können. Dabei darf die Verantwortung für ihren Schutz nicht auf sie selbst abgewälzt werden.

Allein im Schuljahr 2025/26 wurden 174 Workshops und Fortbildungen in Schulen angeboten. Dabei wurden 3.296 Kinder sowie 1.799 Eltern und Pädagogen erreicht. Doch auch hier kann der Verein nicht alle Anfragen abdecken. Ein Präventionsworkshop kostet den Verein rund 1.200 Euro. Schulen tragen davon 200 Euro. Den Rest muss PIA über Subventionen, Spenden und andere Unterstützung finanzieren. „Leider müssen wir jedes Jahr schauen, dass wir ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung haben“, betont Viktoria Grünberger, die Obfrau von PIA.

Charity-Jubiläumsabend:

Die 30-Jahr-Feier findet am Freitag, 9. Oktober, in der Spinnerei Traun statt – mit Einblicken in die Arbeit von PIA, Showeinlagen, einer Charity-Modenschau usw. Die Einnahmen fließen in die Arbeit von PIA. Programmbeginn ist um 19 Uhr, Get-together und Musik ab 18 Uhr. Karten: pia-linz.at

Kontakt Verein PIA:

0732 650 031, office@pia-linz.at, Kontaktformular über pia-linz.at

Notfallnummern:

Krisenhilfe: OÖ 0732 2177

Telefonseelsorge: 142

Frauenhelpline gegen Gewalt an Frauen: 0800 222555


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