Ehemaliger Stadtwerkstatt-Leiter Franz Xaver verstorben
LINZ. Franz Xaver, ehemaliger Leiter der Linzer Stadtwerkstatt, ist am Donnerstag im Alter von 70 Jahren gestorben.

Franz Xaver, geboren im oberösterreichischen Eferding, studierte Visuelle Kommunikation an der Akademie für Angewandte Kunst in Wien. Anschließend unterrichtete er dort bis 1992 Computersprachen, audiovisuelle Produktionen, Elektronik und Elektrotechnik.
An der Technischen Universität Graz lehrte er Kommunikationstheorie. Schon früh nahm er an zahlreichen Medienkunst-Ausstellungen im In- und Ausland teil. Xaver war von 2003 bis 2007 Leiter des Medienkunstlabors im Kunsthaus Graz. Von dort wechselte er 2008 in die Linzer Stadtwerkstatt, die er bis 2020 leitete.
Medienkünstler der ersten Stunde
Xaver war Medienkünstler der ersten Stunde. Er hatte künstlerische Verbindungen zur Stadtwerkstatt, die bis in die 1980er-Jahre zurückreichten. Stets war er als Kosmopolit unterwegs, „Living the Life“ war Zeit seines Lebens keine hohle Phrase. Er arbeitete mit zahlreichen Kollegen und Größen der Szene, in unterschiedlichsten Projektkonstellationen.
Als Punk im Geiste war es ihm ein Leichtes, zwischen abstraktem Denken und konkreter Planung zu wechseln. Als Informationstheoretiker orientierte er sich an den kosmischen Dimensionen der Physik und an den irrationalen Zahlensystemen der Mathematik. Als gnadenloser Do-it-yourself-Bastler hantierte er mit allem, was zwischen Elektronikbauteilen und Alltagsgegenständen aufzufinden war.
Prägende Gestalt
In der Stadtwerkstatt schuf er den Bereich der New Art Contexts und umfassende Infrastrukturen am Wasser. Er hat die Stadtwerkstatt mit seiner Kunst nach den Neuen Medien über Jahre und weit über Linz hinaus entscheidend mitgeprägt. Bis zum Schluss ging es ihm um autarke und autonome Arbeitsbereiche für Kunst und Kultur, um freie, unabhängige Blickwinkel auf die Informationsgesellschaft – und um digitale Spielwiesen, die neue Wege erkunden sollten. Bis zu seinem Tod war ihm die Stadtwerkstatt das allergrößte Anliegen, ihre Geschichte und ihr Stellenwert – gegen alte Kleingeistigkeit und neue Konservativismen aller Art.
„Franz Xaver war dort streitbar, wo Diskussionen aufschlussreiche Auseinandersetzungen erwarten ließen und manches Mal auch dort auf irisierende Weise irrational, wo allzu große Vernunft Ungeheuer zu gebären drohte. Franz Xaver war eine Kategorie für sich selbst – und ein Kosmos. Auch in Anbetracht seines Todes wollte er das Leben feiern. Um es in seinen Worten auszudrücken: Franz Xaver ist auf die andere Seite der Zeit gewechselt. Die Entropie hat ihn umfangen“, schreibt die Stadtwerkstatt in einem Nachruf.
Verabschiedung
Die öffentliche Verabschiedung findet am Freitag, 9. Oktober, 9 Uhr, im Urnenhain in Urfahr statt. Im Anschluss daran gibt es in der Stadtwerkstatt ab circa 11 Uhr eine Feier mit Essen und Getränken für alle, die kommen möchten.








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