Land- und Forstwirtschaft: Unfallgefahr im Sommer besonders hoch
OÖ. Ob im Stall, auf dem Feld oder im Wald: Im Durchschnitt kommt es täglich auf drei oö. Bauernhöfen zu einem Arbeitsunfall. Dabei ist der Sommer besonders gefährlich.

Im Vorjahr gab es 995 Arbeitsunfälle, elf davon endeten tödlich, wie die aktuelle Statistik der Sozialversicherungsanstalt der Bauern OÖ (SVB) zeigt. Grundsätzlich zeigt die Statistik über die Jahre einen starken Rückgang - noch vor zehn Jahren lag die Zahl der Unfälle bei 1361 - allerdings gab es von 2015 auf 2916 eine Steigerung um beachtliche sechs Prozent: von 939 auf 995 Arbeitsunfälle.
Über zwei Drittel der Unfälle betreffen Männer
Nimmt man die Österreich-Zahlen zum Vergleich (3783 Arbeitsunfälle, 52 tödlich), zeigt sich, dass Oberösterreich bei den Unfällen einen hohen Anteil hält. Zudem zeigt ein Blick in die Statistik, dass in sieben von zehn Fällen Männer betroffen sind und der und jeder vierte Unfall eine Person betrifft, die über 60 Jahre alt ist - bei den tödlichen Unfällen ist es sogar jeder zweite.
Sommer und Samstag als Gefahren-Momente
In den Sommermonaten ist Unfallhäufigkeit übrigens besonders hoch. Die Gründe liegen in der Arbeitsspitze rund um die Erntezeit, verstärkt durch Hektik und Wetterabhängigkeit. Auch die aufgrund der Hitze sinkende Konzentrationsfähigkeit kann zu Unfällen führen. Als „gefährlichster“ Tag gilt der Samstag - dies hängt sicher auch mit den zahlreichen Nebenerwerbsbauern zusammen, die ihre Arbeit am Wochenende unter besonderem Zeitdruck erledigen.
Vom Häcksler bis zum aggressiven Stier
Insgesamt ist die bäuerliche Arbeit eine der gefährlichsten Tätigkeiten überhaupt: Einerseits sind häufig Maschinen und Werkzeuge im Einsatz - von der Motorsäge bis zur Ballenpresse, vom Mähdrescher bis zum Häcksler, vom Traktor in Steillagen bis zur Seilwinde im unwegsamen Gelände. Andererseits geschehen immer wieder auch Unfälle mit den Tieren, und auch die häufige Arbeit im Freien - bei jeder Witterung - birgt Gefahren in sich.
Sicherheitsmaßnahmen greifen
Gründe für den allgemeinen erfreulichen Trend zu weniger Unfällen liegen in der verbesserten Sicherheitstechnik bei Maschinen, in einer laufenden Verbesserung baulicher Maßnahmen wie Absturzsicherungen, Schutzabdeckungen, moderne Elektroanlagen oder Geländer sowie auch in einem steigenden Sicherheitsbewusstsein. So ist „Sicherheit in der Landwirtschaft“ mittlerweile als Unterrichtsfach in Fachschulen, bei der Meisterausbildung und in der Erwachsenenbildung etabliert.
SVB bietet Beratungen und eine „Sicherheitsplakette“ an
Stark in diesem Bereich engagiert ist auch die Sozialversicherungsanstalt der Bauern (SVB): So finden jährlich 900 Sicherheitsberatungen vor Ort statt - mit kostenlosen und auf den Betrieb abgestimmten Tipps für mehr Sicherheit. Es gibt die Aktion „Sicherheitsplakette“ für Musterbetriebe und eine Zertifizierung.
Bei der erstmaligen Zuerkennung des Kinderbetreuungsgeldes findet ein kostenloser Sicherheitscheck betreffend Kindersicherheit statt.
Hilfe, wenn doch etwas passiert
Im Ernstfall, bei Arbeitsunfällen oder schwerer Erkrankung, werden die Kosten für Ersatzarbeitskräfte (durch Maschinenring vermittelt!) bezuschusst. Hier fallen für jährlich über 100.000 Einsatzstunden Zuschüsse von über einer Millionen Euro an.
Dazu gibt es Unterstützung für die berufliche, soziale und medizinische Rehabilitation wie REHA-Aufenthalte, Umschulungsmaßnahmen, Arbeitserleichterungen am Hof oder die behindertengerechte Adaptierung des PKW/ der Wohnung.
Bei einer Minderung der Erwerbsfähigkeit um mindestens 20 Prozent über ein Jahr nach Unfall werden auch Unfallrenten ausgezahlt. Derzeit finanziert die SVB rund 3.800 Unfallrenten und rund 570 Renten für Hinterbliebene nach Arbeitsunfällen. Alleine im Vorjahr kamen 102 Versehrten- sowie 19 Witwen- und Waisenrenten dazu.


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