Covid-19-Tests für den "Hausgebrauch": Ärztekammer sieht großes Fehlerpotential
OÖ. Bei immer mehr Anbietern sind Corona-Tests „für den Hausgebrauch“ erhältlich. Aber: Tatsächliche Sicherheit erhalte man nur durch professionell durchgeführte PCR-Tests, erläutert Gerhard Schobesberger, Fachgruppenvertreter für Medizinische und Chemische Labordiagnostik der Ärztekammer OÖ im Tips-Gespräch.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen PCR-Tests und Antikörpertests. „PCR-Test werden mittels Abstrich im Nasen- oder Mundrachen gemacht, hier weist man das Virus selbst nach, bzw. das genetische Material des Virus. Beim Antikörpertest über Blut weist man nach, ob das Immunsystem des Körpers mit dem Virus gekämpft und es abgewehrt hat“, erläutert Schobesberger.
Auch wenn es je nach Hersteller mittlerweile gute Antikörper-Tests gebe, „gilt die Einschränkung, dass Corona nicht immer Antikörper ausbildet, obwohl man mit Corona Kontakt hatte“, erläutert Schobesberger. „Hinzu kommt, dass wir nur sehr wenig über die Antikörper wissen. Wir wissen auch noch nicht, wie lange Antikörper bestehen bleiben – ob und wie lange man geschützt ist.“
Richtiger Abstrich äußerst schwierig
Sehr problematisch sieht Schobesberger auch PCR-Tests für den Hausgebrauch. „Für einen richtigen Abstrich muss man sehr tief in den Nasen-Rachenraum fahren. Für den normalen Anwender ist das äußerst schwierig, auch wegen dem Würgereiz.“ Genauso wie bei einem Test über eine Speichelprobe oder über die Gurgelmethode könne es sein, dass man hier zu wenig Virusmaterial erwische, was das Testergebnis beeinflusse. „Bei der Gurgelmethode muss man zwei Minuten tief gurgeln, was da rauskommt sind Hausnummern“, so Schobesberger.
Solche Tests werden offiziell auch von keiner Behörde anerkannt, etwa wenn man einen Negativ-Nachweis für eine Auslandsreise benötigt.
Strenge Standards
Sollte man einen privaten Covid-19-Test machen wollen, rät er, auf die dafür zugelassenen Labore in OÖ zurückzugreifen. Auch aussagekräftige Antikörpertests sind so möglich. Denn: Für aussagekräftige Tests gibt es ganz strenge Standards, mit Kontrollen und Zertifizierungen. „Wenn man diese Standards nicht einhält, kann man sich den Test auch gleich sparen.“ Zu groß sei die Möglichkeit der Kontamination des Probenmaterials, zudem könnten auch andere Coronaviren positiv anschlagen, so Schobesberger.
Bei zugelassenen Laboren kann man einen Termin vereinbaren. Ein Test inklusive etwa Grenzdokumenten kostet in Oberösterreich laut dem Fachgruppenvertreter für Medizinische und Chemische Labordiagnostik der Ärztekammer OÖ rund 130 Euro.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden