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Welttag der seelischen Gesundheit (10. Oktober): Wenn die Sucht das Leben dominiert

Nora Heindl, 06.10.2020 08:36

LINZ/OÖ. Suchterkrankungen wie Alkohol-, Medikamenten-, aber auch Spiel- oder Kaufabhängigkeit beeinträchtigen die Lebensqualität, des Betroffenen wie auch der Angehörigen. Anlässlich des Welttages der seelischen Gesundheit (10. Oktober) nehmen Experten die Sucht genauer unter die Lupe.

 (Foto: Dmytro Zinkevych/Shutterstock.com)
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Die Herausforderung besteht vor allen Dingen darin, tatsächliches Suchtverhalten zu identifizieren, denn: „Die Grenzen zwischen normalem Konsum zu übermäßigem Konsum bis hin zur Suchterkrankung sind fließend“, betont Kurosch Yazdi, Vorstand der Klinik für Psychiatrie mit Schwerpunkt Suchtmedizin und Leiter des Klinikzentrums Psychiatrie am Kepler Universitätsklinikum. „Häufig werden Suchtmittel – Substanzen oder auch bestimmte Verhaltensweisen beim Glücksspiel – benutzt, um kurzfristig seelischen Stress erträglicher zu machen“, erklärt der Experte.

Stress stellen zum Beispiel starke Arbeitsbelastung, konflikthafte familiäre Situationen, finanzielle Sorgen sowie Einsamkeit, Depression und Ängste dar – all diese Faktoren begünstigen das seelische Ungleichgewicht und können in eine Suchterkrankung münden. „Häufig erkennt der/die Betroffene die Tragweite des übermäßigen Konsums nicht“, warnt Yazdi. Er rät dem sozialen Umfeld dazu, das Thema wertschätzend, aber konkret anzusprechen.

Zur Prävention von Suchterkrankungen äußert sich Ulrike Kneidinger-Peherstorfer, Leiterin von Spiegel-Elternbildung, einem Geschäftsfeld des Katholischen Bildungswerks Oberösterreich. Sie hob die Bedeutung von Familienstrukturen hervor. „Positive Beziehungserfahrungen und dadurch eine sichere Bindung zu den Bezugspersonen bilden die Basis für die Entwicklung des Selbstwertgefühls, der Selbstwirksamkeit und des Selbstvertrauens“, so Kneidinger-Peherstorfer.

„Reden hilft!“

Auf das soziale Umfeld verwies auch Josef Hölzl, Referent für Beratung bei Beziehungleben.at und bei der Männerberatung der Diözese Linz. „Vor allem Angehörige bzw. Lebenspartner kommen in die Beratung, weil sie mit der Belastung eines von Sucht Betroffenen im familiären Umfeld nicht mehr leben können oder wollen“, schildert Hölzl.

Tatsächlich würden viele Menschen, die sich an die Beratungsstelle wenden, das erste Mal über ihre Probleme sprechen. „Reden hilft“, bekräftigte Hölzl. Darüber hinaus appelliert er an Betroffene, Rückhalt bei Freunden beziehungsweise der Familie zu suchen.

Herausforderung Corona-Krise

Besonders in Krisenzeiten sind Menschen mit einer Suchterkrankung gefordert, Rückfälle in die Sucht zu verhindern, unterstreicht Silvia Breitwieser, Leiterin der TelefonSeelsorge OÖ – Notruf 142. Seit März führten die Berater der TelefonSeelsorge OÖ viele Beratungsgespräche am Telefon, via Mail und Chat, in denen das Thema Sucht eine Rolle spielte.

Bei vielen sei das Suchtmittel damit assoziiert, in schwierigen Situationen Stress und negative Emotionen zu reduzieren – sei es der Griff zum Alkohol, Medikamenten oder Drogen oder das exzessive Spielen und Kaufen. „Suchtmittel sind aber ein schlechter Ratgeber bei Sorgen“, hob die Leiterin der TelefonSeelsorge hervor, denn diese „können nur kurzfristig Stress minimieren, führen mittel- und langfristig aber zu noch größeren Problemen“. Wesentlich sei, den Ursachen des jeweiligen Suchtverhaltens auf den Grund zu gehen. „Hinter jeder Sehnsucht steckt ein Suchen und ein Sehnen“, erklärte Breitwieser.

Aus diesem Grund sei es wichtig, sowohl eigene Risiko-, aber auch Schutzfaktoren gut zu kennen, ist Breitwieser überzeugt. „Für Betroffene von Suchterkrankungen und deren Angehörige kann dieses Wissen dafür genutzt werden, die eigene Krisenfestigkeit zu stärken und gut gerüstet durch die Krise zu kommen.“


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