Psychische Gesundheit ist den Oberösterreichern wichtig
OÖ. Am 10. Oktober ist der Welttag der psychischen Gesundheit. Das Thema hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, da immer mehr Menschen an psychischen Problemen beziehungsweise Erkrankungen leiden. Pro mente OÖ und das Marktforschungsinstitut IMAS International haben noch vor dem Corona-Lockdown untersucht, wie wichtig den Oberösterreichern die psychische Gesundheit ist – mit einem überraschendem Ergebnis .

Unter den Top drei Aspekten, die die oberösterreichische Bevölkerung für eine gut funktionierende Gesellschaft mehrheitlich als sehr wichtig erachtet, befinden sich der starke Zusammenhalt in den Familien (74%), leistbare Wohnungen (72%) und bereits an dritter Stelle die Verbesserung der psychischen Gesundheit und Förderung des seelischen Wohlbefindens (70%). Im Detail erachten rund sieben von zehn Oberösterreichern die Verbesserung der psychischen Gesundheit als sehr wichtig.
„Das Ergebnis zeigt, dass der Grad des Erfolgreich-seins einer Gesellschaft durchaus stark damit zusammenhängt, wie es um das seelische Wohlbefinden der Menschen steht. Das war zum Zeitpunkt der Umfrage (Anm. Februar/März 2020) durchaus ein überraschendes Ergebnis“, betont Paul Eiselsberg. Harte volkswirtschaftliche Fakten wie niedrige Arbeitslosenquote (60 Prozent), hohes Wirtschaftswachstum oder hohes Pro-Kopf-Einkommen (beide 44 Prozent) folgen erst danach.
„Wir sind bisher davon ausgegangen, dass nur Menschen, die selbst oder im nahen Umfeld von psychischem Leid betroffen sind, ein Bewusstsein dafür haben, wie wichtig das Thema für das Funktionieren eine Gesellschaft ist. Wir waren positiv überrascht, dass die Gesamtbevölkerung das so sieht. Es zeigt uns, dass die Oberösterreicher über das Thema Bescheid wissen, offen dafür sind und dass das Thema nicht mehr ganz so tabuisiert wird wie früher“, freut sich Kurosch Yazdi, Vorstandsvorsitzender von pro mente OÖ, und weiter: „Ich bin der Meinung, dass man in Zukunft das seelische Wohlbefinden generell mehr am Monitor haben sollte, wenn es darum geht, ob eine Gesellschaft erfolgreich ist oder nicht, und nicht nur die harten wirtschaftlichen Faktoren bestimmend sein sollten.“
Im Hinblick auf die vergangenen Monate ist sich Yazdi sicher, dass auch die Corona-Krise etwas mit den Menschen machen wird. Viele hätte die Krise psychische belastet, sei es aus Angst krank zu werden und womöglich zu sterben, die Sorge um die Kinder oder um den Arbeitsplatz. „Es gibt in diesem Zusammenhang viele gute Gründe, sich Sorgen zu machen“, so Yazdi. Das habe man auch bei den Anrufern beim Krisentelefon gemerkt. „Es haben sich viele gemeldet, die speziell wegen Corona neue Ängste und Sorgen entwickelt haben, die sie vorher von sich so nicht kannten.“
Psychische Probleme nehmen zu
Schon vor der Corona-Krise gaben 59 Prozent der Befragten an, den Eindruck zu haben, dass psychische Probleme und soziale Herausforderungen zunehmen werden. „Ein weiteres Fünftel ist von einer stabilen Entwicklung überzeugt. Nur sechs Prozent glauben diesbezüglich an eine Abnahme“, sagt Eiselsberg.
Hauptgrund für die Zunahme ist für viele mit großem Abstand der Druck und Stress in der Arbeit (40 Prozent), gefolgt von finanziellen Sorgen und der Suchtproblematik (beide 14 Prozent).
Von hoher Bedeutung ist für die Oberösterreicher deshalb auch, dass es Angebote gibt, um Menschen bei psychischen Problemen und sozialen Herausforderungen zu helfen. 58 Prozent erachten eine Hilfestellung als sehr wichtig, 35 als einigermaßen wichtig.
Rasche Hilfe bei psychischen Problemen hilft
„Ich denke, es ist wichtig, dass wir in Oberösterreich auf die eigene psychische Gesundheit achten. Auch wenn wir grundsätzlich im Ländervergleich eine gute psychosoziale Versorgung haben, müssen wir das Angebot weiter ausbauen, um weiterhin eine ausreichende psychosoziale Unterstützung gewährleisten zu können. Rasche professionelle Hilfe bei psychischen Problemen ist essentiell, um längere Krankenstände zu vermeiden, aber auch um das Leid der Betroffenen zu minimieren. Frühzeitige Präventionsmaßnahmen im psychosozialen Bereich können psychische Probleme und Erkrankungen verhindern“, sagt Kurosch Yazdi. Umso wichtiger sei es auch, dass die Menschen wissen, dass es Hilfe in psychischen Krisen gibt, wie etwa die Krisenhilfe, die 24 Stunden sieben Tage die Woche von Experten besetzt ist.
Wertschätzendes Umfeld rettet durch die Krise
Um trotz Belastung, psychisch halbwegs ausgeglichen zu bleiben, steht für Yazdi eines im Vordergrund: „Wir Menschen sind Rudeltiere. Das heißt, wir brauchen zum Erhalt unserer psychischen Gesundheit Menschen in unserem Umfeld, die uns wohlgesonnen sind, die wertschätzend mit uns umgehen, sei es Familie, Freunde oder auch Arbeitskollegen. Es geht um Menschen, mit denen ich reden kann, die mich nicht belächeln und vor denen ich keine Scham empfinde, die meinen Sorgen zuhören, ohne dass sie Lösungen parat haben oder jeden Quatsch akzeptieren müssen. Sie können auch kritisieren oder Grenzen setzen, wie man das bei Kindern macht, aber halt wertschätzend.“


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