Clearingstelle für kostenfreie Psychotherapie bietet maßgeschneiderte Unterstützung

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Nora  Heindl Nora Heindl, Tips Redaktion, 20.10.2020 11:52 Uhr

LINZ/OÖ. Wenn Unaufgearbeitetes auf der Seele brennt, eine Krisensituation vorliegt, eine psychische Erkrankung besteht oder Unsicherheit herrscht, wo für ein bestimmtes Problem geeignete Hilfe zu finden ist, ist die Clearingstelle für Psychotherapie eine wichtige Anlaufstelle geworden.

Vor zehn Jahren gegründet, ist die oö. Clearingstelle für kostenfreie Psychotherapie bis heute einzigartig in Österreich. Die von PROGES und der OÖ Gesellschaft für Psychotherapie geführte Einrichtung unterstützt Betroffene dabei, für ihr jeweiliges Anliegen so rasch wie möglich passende Unterstützung zu bekommen. „Es geht immer mehr darum, wie psychisch stabil man ist, um den Gegebenheiten des Lebens gerecht zu werden beziehungsweise die Herausforderungen des Lebens gut zu meistern. Leider gibt es immer mehr Menschen, die diese Stabilität, zum Teil auch phasenweise, nicht haben. All diese Menschen, die psychotherapeutischen Unterstützungsbedarf haben, sind in der Clearingstelle richtig“, erklärt PROGES-Geschäftsführerin Doris Polzer, und weiter: „Unsere hochengagierten und multidisziplinären Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen die Hilfesuchenden dabei, so schnell wie möglich zum jeweiligen Best Point of Service zu gelangen. Sie erhalten am Weg dieses effizienten Verfahrens, der über Erstberatung und Clearing bis hin zum Assessment führt, die passgenaue Unterstützung. In den vergangenen Jahren haben wir beständig an der Weiterentwicklung der Clearingstelle für Psychotherapie gearbeitet, um möglichst vielen Menschen möglichst schnell eine hochqualitative Sachleistungsversorgung zuteil werden zu lassen.“

Für Wolfgang Schimböck, Vorsitzendem der Oö. Gesellschaft für Psychotherapie, wurde mit der Clearingstelle eine wichtige Lücke geschlossen: „Psychotherapie darf nie nur für die Menschen da sein, die es sich leisten können. Mit der Clearingstelle haben wir in Oberösterreich erreicht, dass mehr Menschen in kürzerer Zeit kostenfreien Zugang zu psychotherapeutischen Angeboten erhalten.“

Beratung, Unterstützung und Aufklärungsarbeit

Wer in Oberösterreich psychotherapeutische Unterstützung benötigt, kann die Clearingstelle ganz einfach zu den Öffnungszeiten (siehe Infobox) unter der kostenlosen Telefon-Hotline 0800 20 25 33 oder über das Online- Anfrageformular unter www.clearingstelle.net erreichen.

Im telefonischen Erstgespräch klären die Experten den aktuellen Bedarf und die Psychotherapie-Indikation ab, sie beantworten Fragen zum Thema Psychotherapie und zu den Kosten, unterstützen bei der Suche nach einer geeigneten Psychotherapeutin oder einem geeigneten Psychotherapeuten und organisieren auch Therapieplätze für kostenfreie Psychotherapie in Wohnortnähe der Betroffenen.

Heidrun Eichberger-Heckmann, die für die Fachleitung Psychotherapie bei PROGES verantwortlich ist, betont: „Das Clearing ist eine ganz spezielle Leistung. Einerseits, indem unsere Expertinnen und Experten Hilfesuchende beraten, andererseits auch, indem sie sich mit den Bedürfnissen, Ängsten und Wünschen professionell auseinandersetzen. Neben der Beratung und der diagnostischen Einschätzung leisten die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten auch sehr viel krankheitsbezogene Aufklärungsarbeit. Oft sind Klientinnen und Klienten erleichtert, da sie über konkrete Behandlungsmöglichkeiten informiert werden.“

Zwei wichtige Phasen des Clearings

Das telefonische Clearing kann im Wesentlichen in zwei Phasen unterteilt werden.

In Phase 1 geht es darum, die Anliegen der Personen aufzunehmen, Symptome einzuschätzen, festzustellen, ob beziehungsweise welche Psychotherapie in Frage kommt, und mögliche Gefährdungsmomente abzuklären. Eine Aufnahme in die Warteliste für kostenfreie Einzel- und Gruppenpsychotherapie ist grundsätzlich immer möglich.

In Phase 2 erhalten Betroffene noch zusätzlich einen speziell für sie geeigneten, mehrstufigen Behandlungsfahrplan mit entsprechenden Kontaktadressen. Die dort aufgezeigten Möglichkeiten bieten ihnen auch abseits einer Psychotherapie Anknüpfungspunkte für wirksame Unterstützung, etwa über medizinisch-diagnostische, psychosoziale und arbeitsrehabilitative Zusatzangebote. So können sie die Wartezeit sinnvoll nutzen beziehungsweise ist in manchen Fällen eine Psychotherapie gar nicht unbedingt nötig, wenn es Alternativen gibt.

Zentrale Warteliste für Therapieplätze

Bei der Reihung auf der oö-weiten Warteliste werden alle erhobenen Informationen und Empfehlungen aus dem vergangenen Clearingprozess hinterlegt. Kinder und Jugendliche werden beispielsweise automatisch immer vorgereiht, weiters gibt es ein mehrstufiges System zur Einschätzung der Dringlichkeit und Vorreihung. Dringende Fälle kommen innerhalb von zwei bis drei Wochen in Behandlung, in Hotspots wie im Zentralraum liegt die Wartezeit für kostenfreie Psychotherapie normal bei etwa einem halben Jahr. Über ein von PROGES eingerichtetes CRM-System (Customer-Relationship- Management-System) werden die Klienten regelmäßig über ihren Wartelistenstatus informiert.

Qualifizierte Pool-Psychotherapeuten greifen dann auf die Warteliste zu und wählen Klienten entsprechend ihrer Ausbildung und den empfohlenen Behandlungsschwerpunkten auswählen.

Durch das zentrale Clearingsystem konnten die Wartezeiten für kostenfreie Psychotherapie für Oberösterreich und auch nach einzelnen Regionen aufgeschlüsselt werden. Dieser Gesamtüberblick verschaffte erstmals Klarheit über den tatsächlichen Bedarf in Oberösterreich. Speziell der Blick auf die einzelnen Regionen zeigte, wo die Wartezeiten besonders lange waren. Durch die Kontingentserhöhungen seitens der Sozialversicherungsträger 2018 und 2019 gelang es, die Wartezeiten in der kostenfreien Psychotherapie zu reduzieren.

Über das CRM-System kann das Team mit den Klienten in Kontakt bleiben und sie sogar während der Behandlungsphase bei der Terminvereinbarung unterstützen. Für viele Betroffene ist das eine zusätzliche Erleichterung. Auch neue Anbieter können, unabhängig von ihrem technischen Know-how, in dieses System eingebunden werden. Aktuell wurde mit pro mente OÖ eine technische Schnittstelle für die Warteliste entwickelt, die einen raschen Austausch mit anderen Datenbanksystemen ermöglicht.

Role Model sorgt für mehr Effizienz

Österreichweit ist die oberösterreichische Clearingstelle für kostenfreie Psychotherapie bis heute einzigartig. Nach nunmehr zehn Jahren verfügen die beteiligten Organisationen und Mitarbeiter über einen reichhaltigen Erfahrungsschatz und eine umfassende Expertise. Das sieht auch Iris Aigner vom Kostenträger ÖGK: „Das Modell wirkt, weil es für mehr Effizienz sorgt, unnötige Wege obsolet macht und Ressourcen bündelt. Wir haben dieses Erfolgsmodell immer unterstützt. Erfahrene und innovative Umsetzungspartner mit hochqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die Grundlage dieses Erfolgs. Durch die kontinuierliche Aufstockung des Kontingents konnten wir in Oberösterreich noch mehr Menschen in das Versorgungssystem bringen.“

Die Clearingstelle für Psychotherapie ist unter 0800/202533 oder per Mail an info@clearingstelle.net erreichbar.

Öffnungszeiten: Mo+Mi 8-16.30 Uhr, Di+Do 8-17.30 Uhr, Fr 8-13.30 Uhr

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