Anstellungsmodell für betreuende Angehörige

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Landesrätin Birgit Gerstorfer (Foto: Land OÖ/Denise Stinglmayr)
Nora  Heindl Nora Heindl, Tips Redaktion, 14.04.2021 14:08 Uhr

OÖ. In Oberösterreich werden acht von zehn pflegebedürftigen Menschen von Angehörigen zuhause betreut. Manche geben sogar ihren Beruf auf, um sich der Pflege ihrer Angehörigen widmen zu können. Mit dem Pilotprojekt „Anstellung betreuender Angehöriger“ soll ein Beitrag dazu geleistet werden, dass diese Personen weder auf ein Einkommen verzichten müssen, noch Pensionsjahre verlieren. Die ÖOVP zeigt sich überrascht, denn außer einer Presseunterlage würden zu dem Projekt noch keine Infos vorliegen.

„Angehörige zu pflegen erfordert sehr viel Zeit, Geduld und Energie. Das darf keineswegs als selbstverständlich angesehen werden. Betreuende Angehörige verdienen nicht nur Anerkennung, sondern brauchen vor allem beste Unterstützung“, betont Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer (SPOÖ). Diese soll unter anderem durch eine Anstellung betreuender Angehöriger gewährleistet sein. Im Rahmen des Pilotprojekts erhalten Personen im Erwerbsalter, die primär die Betreuung ihrer Angehörigen durchführen und daher keiner Arbeit nachgehen können, eine Anstellung. Sie befinden sich somit in einem Dienstverhältnis, müssen nicht auf ein Erwerbseinkommen verzichten, sind sozialversicherungs-rechtlich abgesichert und verlieren keine Pensionsjahre.

Auf Basis der derzeitigen Planungen ist bei 38 Wochenstunden von einem Bruttogehalt von rund 1.900 Euro auszugehen. Ein Teil des Gehalts wird aus dem Pflegegeld finanziert. Dienstgeber ist eine gemeinnützige Organisation, derzeit laufen Gespräche mit der FAB. 

Pilotphase mit 30 Angestellten

In einer ersten Pilotphase ab dem Sommer sollen 30 Personen angestellt werden. Das Angebot richtet sich zu Beginn an pflegende Angehörige von Menschen mit Beeinträchtigung. Gerstorfer verweist vor allem auf zahlreiche alleinerziehende Mütter von Kindern mit Beeinträchtigung. Die Anstellung ist ab Pflegestufe 3 möglich.

Das Modell soll laufend evaluiert und bei Erfolg entsprechend ausgeweitet werden, auch auf pflegebedürftige Senioren. „Die Anstellung von 30 Personen wird garantiert nicht reichen, aber es ist mal ein Anfang“, so die Landesrätin. Allein in Oberösterreich gäbe es gut 80.000 Pflegebedürftige, rund 20.000 davon werden in Heimen, durch mobile Dienste etc. betreut, blieben etwa 60.000 Menschen, die durch pflegende Angehörige betreut werden, wobei darin alle Pflegestufen enthalten seien.

Ausbildung zum Alltagsbegleiter als Voraussetzung

Ein Muss für die Anstellung ist die Ausbildung zum Alltagsbegleiter. Das Berufsbild soll noch heuer im Sozialberufegesetz des Landes Oberösterreich verankert werden. Dass es keine Einigkeit unter den Parteien geben könnte, kann sich Gerstorfer nicht vorstellen, es sei schließlich eine wertschätzende Form wie man pflegende Angehörige unterstützen kann.

Die Ausbildung selbst umfasst 152 Stunden Theorie und 80 Stunden praktische Ausbildung und muss innerhalb des ersten halben Jahres nach dem Anstellungszeitpunkt erfolgt sein. Der theoretische Teil ist innerhalb der ersten zwei Monate zu absolvieren. Die Ausbildung wird vom Land Oberösterreich finanziert. 

Landesrätin Gerstorfer sieht in dem Anstellungsmodell auch eine Attraktivierung der Betreuungs- und Pflegeberufe. So ist nach Beendigung der Betreuung des Angehörigen eine Beschäftigung im Alten- und Behindertenbereich möglich. Arbeitsplätze gäbe es genug. Die Ausbildung zum Alltagsbegleiter stellt einen nahtlosen Übergang zur Höherqualifizierung in andere Sozial- und Pflegeberufe sicher. 

Eigenes DemenzKompetenzZentrum für Oberösterreich

Ein Leuchtturmprojekt in der Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz soll ein eigenes DemenzKompetenzZentrum (DKZ) in Oberösterreich werden. In Form eines Alten- und Pflegeheims soll in einer optimalen Umgebung auf die besonderen Bedürfnisse von Personen mit Demenz eingegangen werden. Die von Birgit Gerstorfer im Oö. Sozialhilfegesetz realisierte Innovationsklausel bietet die notwendige gesetzliche Grundlage für den Einsatz von Mitarbeitern und neue räumliche Lösungen. Ein als Vorbild dienendes DKZ in Kärnten ist etwa als Achter angelegt, sodass die Gänge nie enden, was es für Menschen mit Demenz leichter macht.

Das Konzept für das DKZ ist bereits weit fortgeschritten, was es noch braucht ist einen Standort. Angedacht ist der Zentralraum. „Es braucht eine relativ große Fläche, denn Menschen mit Demenz haben einen großen Bewegungsdrang, dem wir mit einem entsprechenden Garten nachkommen wollen. Wir werden uns deshalb wahrscheinlich im Großraum Linz auf die Suche begeben“, erklärt Gerstorfer. Auch etwa um die Erreichbarkeit für die Angehörigen zu gewährleisten. Zur Verfügung stehen soll das DKZ dann allen Bezirken.

Das neue DemenzKompetenzZentrum soll neben der Betreuung von schwer demenzerkrankten Personen aber auch ein Forschungs- und Weiterbildungszentrum rund um das Thema Demenz werden und damit eine Anlaufstelle weit über den engeren Sozialbereich hinaus sein.

OÖVP begrüßt DemenzKompetenzZentrum, aber warnt vor Nachteilen des burgenländischen Anstellungsmodells

„Ich begrüße sehr, dass unser Vorschlag aufgegriffen wird und ein erstes neues Demenzzentrum eingerichtet werden soll. Es kann sich dabei jedoch nur um einen ersten Schritt handeln. Ziel muss sein, in jedem Bezirk ein Seniorenheim zu einem Demenz-Kompetenzzentrum aufzuwerten. Man kann schließlich von Angehörigen nicht erwarten, dass sie für den Besuch ihrer Liebsten laufend in den Zentralraum fahren müssen“, reagiert OÖVP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Hattmannsdorfer auf die von Landesrätin Gerstorfer vorgestellte Errichtung eines Demenzzentrums im Zentralraum.

Überrascht ist Hattmannsdorfer von der Ankündigung, pflegende Angehörige von Älteren nach dem burgenländischen Modell in Oberösterreich staatlich organisiert anzustellen: „Es überrascht sehr, dass ein so weitreichender Vorschlag ohne Beratungen und ohne Ankündigung vorgelegt wird. Noch dazu, wo sich herausgestellt hat, dass das burgenländische Modell zahlreiche Schwächen und Nachteile aufweist.„ So habe sich im Burgenland beispielsweise gezeigt, dass die Nachfrage deutlich geringer ist als angenommen. Zudem soll es im Modell Burgenland zahlreiche Fälle geben, in denen Menschen mit dem neuen Modell weniger Einkommen zur Verfügung haben als zuvor. „Im Burgenland zahlen sich die Betroffenen die eigene Anstellung zum Großteil mit dem eigenen Geld. Pflegende müssen etwas bis zu 90 Prozent des Pflegegeldes und einen Teil der Pension für die pflegenden Angehörigen zur Verfügung stellen. Dadurch wird erwiesenermaßen das Familieneinkommen oft geringer als aktuell“, zeigt Hattmannsdorfer auf. Für ihn ist klar, dass in Oberösterreich kein System geschaffen werden darf, das am Ende für Betroffene und Angehörige zu finanziellen Einbußen führen kann. „Statt einem Hüftschuss bei einer Pressekonferenz braucht es vielmehr eine einheitliche Umsetzung des auf Bundesebene bereits angekündigten Pflege-Daheim-Bonus. Zudem müssen auch rasch die Möglichkeiten zur Selbst- und Weiterversicherung für pflegende Angehörige ausgeweitet werden“, betont Hattmannsdorfer.

Bezüglich des Vorschlages eines Pilot-Projekts für die familiären Betreuungspersonen von Menschen mit Beeinträchtigung merkt Hattmannsdorfer an, außer der Presseunterlage von Landesrätin Gerstorfer mit dem Hinweis, dieses Startprojekt werde aus dem Sozialressort finanziert, lägen derzeit keinerlei näheren Informationen vor. Es seien daher umgehend Planungen darzulegen.

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