Vorsorge statt Panik: Haushalte sollten zwei Wochen autark sein können
OÖ. Corona-Pandemie, zwei Beinahe-Blackouts 2021 und Krieg in Europa: Die heile Welt bekommt Risse. Auch die Oberösterreicher sind sich verstärkt bewusst geworden, was Krisen für die Versorgungssicherheit bedeuten können – sei es im Fall eines Blackouts, aber auch bei Naturkatastrophen. Beim OÖ Zivilschutzverband gibt es aktuell einen Run auf Notfall-Ausrüstung und eine Welle an Anfragen. Die Experten stellen einmal mehr klar: „Keine Panik, aber Vorsorge ist wichtig.“

„Wir wissen: Eine Woche oder gar 14 Tage ohne Strom und mobile Kommunikation ist ein realistisches Szenario, darauf sollten wir vorbereitet sein. Wir wollen der Bevölkerung Sicherheit geben, indem wir informieren und Handlungsanleitung geben“, so Katastrophenschutz-Landesrätin Michaela Langer-Weninger. Sie sei froh darüber, dass sich die Menschen aktuell verstärkt Gedanken machen, wie sie vorsorgen können. „Es geht nicht um Panik, sondern um laufende Vorbereitung.“
„Früher wurden wir beim Thema Lebensmittel- und Trinkwasservorräte oft belächelt. Heute merken wir, dass das Thema deutlich an Bedeutung gewonnen hat“, unterstreicht OÖ Zivilschutz-Präsident Michael Hammer.
Weitere Notfallpläne erarbeitet
Der OÖ Zivilschutzverband, das Land OÖ und die Katastrophenschutzbehörden haben landesweite weitere Notfallpläne erarbeitet, sollte es etwa zu einem Blackout kommen. Diese Pläne werden aktuell finalisiert und in Folge den Gemeinden in OÖ – den wesentlichen Ansprechpartnern - zur Verfügung gestellt.
Dabei gehe es nicht nur um aktuelle mögliche Bedrohungen wie einen atomaren Zwischenfall oder auch technische Katastrophenfälle wie ein Blackout, auch für starke Unwetter und Naturkatastrophen müsse man gerüstet sein. Mit den gemeinsamen Notfallplänen, die die Gemeinden auf ihre jeweilige Situation anpassen können, solle sichergestellt sein, dass im Ernstfall „jeder weiß, wo er hingreifen muss und was zu machen ist“, so Langer-Weniger.
Ziel: für zwei Wochen autarke Haushalte
„Unser Zugang ist es, permanent zu informieren und zu beraten, aber keine Angst und Panik zu verbreiten“, so Hammer. Das große Ziel sei es, so viele Haushalte in OÖ wie möglich für zumindest zwei Wochen autark zu schaffen, unterstreicht Langer-Weninger. Das allerdings schaffen aktuell nur die wenigsten. Laut aktueller IMAS-Umfrage glauben die befragten Personen im Durchschnitt, knapp sechs Tage ohne Strom und Wasser durchzukommen. Immerhin ist aber das Interesse groß: 95 Prozent finden es wichtig, ausreichendes Wissen zur Bewältigung einer Katastrophe zu haben.
OÖ Zivilschutz-Geschäftsführer Josef Lindner sowie Präsidiumsmitglied und Perger Bezirkshauptmann Werner Kreisl unterstreichen: „Die Familie, der Haushalt muss für den Ernstfall selbst vorgesorgt haben. Dem Staat und den Behörden ist es im Fall etwa eines Blackouts nicht möglich, einzelne mit Wasser und Lebensmittel zu versorgen.“
„Familiennotfallplan ernst nehmen“
Geraten wird von Lindner auch, sich als Familie in ruhigen Zeiten damit auseinanderzusetzen, wer was mache, wenn es tatsächlich zu einem Katastrophenfall kommen sollte, „ohne Panik, aber um Bewusstsein zu schaffen.“ Kreisl: „Je besser man vorgesorgt hat, umso stressfreier ist es, wenn tatsächlich etwas passiert.“ Man brauche sich nur mal selbst vorstellen, was zehn Minuten schon ohne Strom bedeuten würden, was dann alles nicht funktioniere.
„Stabsmitarbeiter“ vor Ort
Gestartet wird auch wieder mit der Basisausbildung in der Katastrophenschutzarbeit für Mitarbeiter auf Gemeindeebene und Feuerwehren vor Ort. Ziel sei es, am Ende des Jahres 3.000 neu ausgebildete bzw. wieder auf den neuesten Stand gebrachte „Stabsmitarbeiter“ im Netzwerk zu haben.
Informieren, um nicht falsch zu reagieren
Der Zivilschutzverband OÖ leistet mit Aufklärung, gibt Informationen, veranstaltet Vorträge und vieles mehr. Online sind kostenlose Broschüren mit allen Informationen und Tipps erhältlich - auch zu Szenarien wie einem atomaren Zwischenfall. Hier sei es etwa wichtig zu wissen, was die Sirenen bedeuten. „Das ist eine Schwachstelle in der Bevölkerung“, so Lindner. Wichtigster Punkt in diesem Fall: nicht im Freien sein. „Das Auto ist kein Schutz, der Wintergarten kein so guter wie der Keller. Alle, die sich nicht damit auseinandersetzen, werden falsch reagieren“, motiviert er, sich einzulesen.
Beim Shop des Zivilschutzverbandes sind Grundausstattungen, technische Hilfsmittel wie Notfallradios und vieles mehr erhältlich.
Das Land OÖ unterstützt die Arbeit des Zivilschutzverbandes auch finanziell, das Budget wird aufgestockt, von aktuell 0,13 Cent pro Einwohner auf 0,17 Cent.


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