„Jetzt ist es uns wirklich geglückt, das freut uns natürlich umso mehr“
LINZ. Viktoria Schwarz und Ana Lehaci gehören zu den weltbesten Flachwasser-Kanutinnen. Beide waren bereits in den unterschiedlichsten Konstellationen bei den Olympischen Spielen als Teilnehmer am Start. Bei den Sommerspielen „Tokio 2020“, die ab 23. Juli 2021 stattfinden, sind sie jedoch zum ersten Mal als gemeinsames Team dabei. Über diese Premiere, ihren Trainingsalltag, ihre Freundschaft und wie sie überhaupt zu dieser Sportart gekommen sind, sprechen sie im Doppelinterview mit Tips.

Tips: Warum haben Sie sich als Kind für diese Sportart entschieden?
Viktoria Schwarz: Ich komme aus einer sehr sportlichen Familie und meine Eltern waren sehr dahinter, dass wir Kinder – ich bin mit drei Brüdern aufgewachsen – Sport machen. So sind wir jedes Wochenende zu Straßenläufen gefahren. Ich war in der Leichtathletik, beim Turnen und Kajakfahren gleichzeitig aktiv und nachdem ich aber als Kind so viel gerannt bin, wollte ich dann einfach eine Sportart im Sitzen machen. Daher bin ich beim Kajak geblieben.
Ana Lehaci: Mir wurde diese Sportart quasi in die Wiege gelegt, da Mama und Papa genauso Kajakfahrer waren. Mein Papa ist Bundestrainer. Ich bin in das Ganze reingerutscht.
Tips: Wie sieht ein typischer Trainingstag bei Ihnen aus?
Schwarz und Lehaci: Wir sind beim Bundesheer angestellt, daher trainieren wir dreimal am Tag, sechsmal in der Woche. Der Sonntag ist unser freier Tag. Zwei Trainingseinheiten absolvieren wir am Wasser und eine in der Kraftkammer. Dazu kommt die Regeneration in Form von lockerem Auslaufen, Ausradeln, Gymnastik und 30 Minuten täglichem Dehnen.
Tips: Welche Rolle spielen technische Details in Ihrer Sportart?
Lehaci: Als Kajak-Fahrer braucht man einen guten Gleichgewichtssinn, Kraft, Ausdauer – da muss alles mitspielen. Dadurch, dass das Boot so instabil ist, muss die Technik reibungslos funktionieren, damit das Boot stabil bleibt. Technik ist eigentlich das Wichtigste im Kanu-Sport.
Tips: Sie haben sich einen Ernährungswissenschaftler zugelegt, um Ihre Ernährung umzustellen - warum?
Schwarz: Wir wollten im Hinblick auf die olympischen Spiele alles richtigmachen. Wir haben gewusst, dass in der Ernährung noch einiges aufzuholen ist. Christian Putscher ist ein super Ernährungsberater, der hat uns einige Tipps gegeben, die wir umsetzen. Ich glaube, dass es wichtig ist, sich auch in der Ernährung professionell aufzustellen.
Tips: Was waren Ihre größten Fehler puncto Ernährung?
Schwarz: Mein Problem war, dass ich nach dem Training immer einen Hungerast hatte und da ist es einfach schon zu spät. Um deine Leistung abrufen zu können, musst du deine Speicher immer gefüllt haben. Deswegen ist es wichtig, sofort nach dem Training wieder etwas zu essen. Das habe ich früher nicht gemacht. Dadurch kann sich der Körper besser regenerieren.
Tips: Ana, Sie waren im Einer-Kajak lange Zeit sehr gut unterwegs – warum der Wechsel auf Zweier?
Lehaci: Ich war bei den Junioren sehr gut unterwegs. Dann kam der Übergang zur allgemeinen Klasse. Da bin ich dann vier Jahre lang im Einzel gestartet und habe eine EM-Bronze-Medaille sowie sechs Weltcup-Medaillen geholt und drei WM-Finals absolviert. Ab 2013 habe ich mich dann dazu entschieden, mit der Viki ins Boot zu steigen. Weil ich das Gefühl hatte, dass es mir im Team gemeinsam mehr Spaß macht, Erfolge zu erpaddeln. Das war eigentlich der Grund, mich für Zweier-Kajak zu entscheiden.
Tips: Sie bilden nun schon seit vielen Jahren ein Team im Zweier-Kajak. Wenn man so viel Zeit miteinander verbringt, gibt es da ab und an auch mal Reibereien?
Schwarz und Lehaci: Die Ana und ich sind ziemlich ehrlich und sehr direkt zueinander – wenn es ein Problem gibt, sprechen wir das sofort an. Deswegen können wir 24 Stunden aufeinander picken und wir streiten nicht miteinander, weil wir immer alles direkt ansprechen. Deswegen gibt es keine Probleme.
Tips: Ergänzen Sie sich einfach sehr gut oder sind Sie sich grundsätzlich sehr ähnlich?
Schwarz: Ich glaube, wir sind uns grundsätzlich sehr ähnlich, wir sind beide sehr zielstrebige Menschen. Wir sind immer motiviert und wissen, dass harte Arbeit und Disziplin dazugehört, um die Ziele zu erreichen. Dadurch tun wir uns leicht, als Team zu harmonieren. Ich würde uns zudem beide als sehr lustig bezeichnen.
Tips: Sie verstehen sich sehr gut, sind Sie auch Freunde?
Schwarz und Lehaci: Ja, wir sind sogar sehr gute Freunde. Das erleichtert sportlich vieles.
Tips: Würden Sie gemeinsam auf Urlaub fahren?
Schwarz: Sind wir schon öfters, daran sieht man, dass wir eine sehr gute Freundschaft haben. Wir können viel Zeit miteinander verbringen.
Lehaci: 2017 sind wir gemeinsam nach der Saison nach Malta gefahren, da hat uns eh jeder belächelt. Wir picken 24 Stunden beieinander und fahren dann auch noch gemeinsam auf Urlaub, haha. Aber wir können das sehr gut trennen.
Tips: Viktoria, was schätzen Sie an Ana?
Schwarz: Man kann sich auf die Ana immer zu 100 % verlassen und sie ist sehr lustig. Langweilig wird es auf jeden Fall nicht mit ihr.
Tips: Ana, was schätzen Sie an Viktoria?
Lehaci: Ich schätze an ihr, dass sie sehr ehrlich ist. Aber auch, dass sie sehr zielstrebig ist und weiß was sie will. Sie nimmt sich kein Blatt vor den Mund, spricht Dinge direkt an. Zudem kann ich mich 100%ig auf sie verlassen. Das ist das Wichtigste.
Tips: Viktoria, Sie sitzen im Boot hinter Ana und sehen daher im Gegensatz zu ihr alle ihre Fehler – ist diese Einseitigkeit über die Jahre ab und an zu einem Problem geworden?
Schwarz: Ich kann der Ana auf jeden Fall von hinten viel mehr Tipps geben. Das ist natürlich für die Ana wahrscheinlich manchmal anstrengend – gerade wenn man müde ist vom harten Trainingsalltag –, aber wir wollen halt das Beste. Und deshalb korrigiere ich sie. Ich habe natürlich auch sehr viel Erfahrung durch die Zeit mit meinen anderen Partnerinnen zuvor.
Tips: Sie haben beide die Olympischen Spiele schon hautnah als Teilnehmer erlebt, heuer nehmen Sie jedoch zum ersten Mal als gemeinsames Team teil – ist die Vorfreude da nochmal besonders groß?
Schwarz: Leider ist es uns ja in Rio 2016 nicht gemeinsam geglückt, weil ich eine Verletzung hatte. Seit Rio arbeiten wir darauf hin. Jetzt ist es uns wirklich geglückt, das freut uns natürlich umso mehr. Sich mit einer guten Freundin den Erfolg zu teilen ist umso schöner. Auf Tokio freuen wir uns daher ganz besonders.
Tips: Was ist Ihr gemeinsames Ziel für die Olympischen Spiele in Tokio?
Schwarz und Lehaci: Das Maximum herauszuholen, das bestmögliche Rennen zu fahren. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir ins Finale kommen. Aber da muss alles funktionieren. Bei den Olympischen Spielen gibt es diesbezüglich immer eigene Regeln – da gewinnt manchmal nicht der Favorit, sondern derjenige, der die Nerven behält.
Tips: Wie fühlt es sich an, sein Land bei den Olympischen Spielen zu vertreten?
Schwarz und Lehaci: Es ist ein sehr besonderes Gefühl. Man muss sich vorstellen: Es gibt sehr wenige Olympia-Sportler in einem Land. Da dazuzugehören, ist einfach eine große Ehre.


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