Hohe Arbeitslosenzahlen, aber auch gute Jobaussichten in Linz
LINZ. Ende Februar gab es in Linz-Stadt 10.165 Arbeitslose und 2.225 offene Stellen. Das bedeutet in beiden Bereichen neue Höchststände bei den Februar-Werten.

Durch die massive Zunahme der Bevölkerung und dem Anstieg der Erwerbsquote stiegen in den vergangenen Jahren die Linzer Arbeitslosenzahlen beinahe sprunghaft an und haben sich seit 2009 mehr als verdoppelt. Im Jänner 2016 erreichten die Arbeitslosenzahlen für Linz-Stadt mit 10.457 Arbeitslosen und einer Arbeitslosenquote von 11,3 Prozent den höchsten Stand der vergangenen Jahrzehnte. Im Februar gab es einen Rückgang auf 10.165 Arbeitslose. Nach der saisonal höheren Winterarbeitslosigkeit sollten die Arbeitslosenzahlen in den nächsten Monaten weiter rückläufig sein. Trotz des massiven Anstiegs liegt die Stadt Linz im Vergleich der Landeshauptstädte nunmehr im Mittelfeld.
Niedrige Qualifikation als Problem
Von den 12.429 Linzer auf Jobsuche haben 7.383 Personen und damit knapp 60 Prozent, maximal einen Pflichtschulabschluss. Im oberösterreichischen Durchschnitt liegt dieser Anteil bei nur rund 50 Prozent. Knapp 2.900 Personen beziehungsweise 23 Prozent haben eine abgeschlossene Lehrausbildung. Der Rest verteilt sich auf Personen mit höherer Bildung. Auch wenn in diesem Bereich ebenfalls die Arbeitslosenzahlen gestiegen sind, zeigt sich, dass diese in der Regel viel rascher wieder einen Job finden. Das Kernproblem der im Vergleich zur oberösterreichischen Entwicklung überdurchschnittlich hohen Linzer Arbeitslosenzahlen, liegt in großer Anzahl von arbeitslosen Personen mit geringer Qualifikation.
Der Ausländeranteil an den Linzer Jobsuchenden beträgt Ende Februar 38,1 Prozent. Bei der Gruppe von Jobsuchenden mit maximal einem Pflichtschulabschluss beträgt der Ausländeranteil 47,4 Prozent.
Ein besonderes Augenmerk gilt auch der Tatsache, dass von den 2.245 Linzer Jugendlichen (unter 24 Jahre), die arbeitslos (1.298) oder in Schulungen (947) sind, ebenfalls zwei Drittel bzw. 1.507 Jugendliche, nur maximal einen Pflichtschulabschluss haben. Im Vorjahr hat der Linzer Gemeinderat auf Initiative des Wirtschaftsressorts gemeinsam mit dem Sozial- und Bildungsressort die Finanzierung für ein Maßnahmenpaket (zusätzliche Sprachkurse und Lernunterstützung, „Learnfit“, Berufsinformation, Potenzialanalyse) beschlossen, mit dem die Stadt Linz heuer einen Beitrag gegen die Jugendarbeitslosigkeit im Ausmaß von 200.000 Euro leistet.
Techniker gesucht
In den vergangenen sechs Jahren fanden aber auch zusätzlich 4.700 Linzer (+ 6 Prozent) einen Job. „Trotz Rekordarbeitslosigkeit suchen Linzer Unternehmen dringend qualifizierte Arbeitskräfte. Seit dem zweiten Halbjahr 2015 gibt es einen starken Anstieg bei den offenen Stellen. Vor allem in den Metall- und Elektroberufen und in den technischen Berufen herrscht eine große Nachfrage mit zum Teil mehr offenen Stellen als Arbeitslosen“, weist Wirtschaftsstadträtin Susanne Wegscheider auf starke Impulse aus der Linzer Wirtschaft hin. Für 597 sofort verfügbare offene Stellen sind im AMS-Bezirk nur 424 Techniker (358 Männer und nur 66 Frauen) arbeitssuchend gemeldet. Das ist eine Stellenandrangsziffer von 0,7. Bei der Untergruppe „Techniker für Maschinenbau und Elektronik kommen auf 297 offene Stellen nur 83 Stellensuchende, womit eine Stellenandrangsziffer von 0,3 gegeben ist.
Beste Jobaussichten gibt es auch bei den Metall- und Elektroberufen. Mit 536 offenen Stellen bei nur 815 Stellensuchenden - davon nur 24 Frauen - kommen nur rund 1,5 Bewerber auf eine offene Stelle. Besonders gesucht sind Schmiede, Schlosser, Werkzeugmacher. Einen besonderen Mangel gibt es auch an Elektriker. 216 offene Stellen stehen nur 178 Stellensuchenden gegenüber.
Viele offene Lehrstellen
Positive Aussichten gibt es auch vom Linzer Lehrstellenmarkt zu vermelden. Im AMS-Bezirk Linz waren Ende Februar 108 Lehrstellensuchende und 158 sofort verfügbare offene Lehrstellen gemeldet. Weitere 924 zu vergebende Lehrstellen haben die Betriebe in Linz und Urfahr-Umgebung für heuer bereits dem AMS zur Besetzung gemeldet. „Wer heuer noch eine Lehrausbildung beginnen will, sollte sich unbedingt jetzt beim AMS melden, um Kontakte mit gewünschten Lehrbetrieben aufzunehmen“, rät Stadträtin Wegscheider allen Jugendlichen und Eltern.
In den Metall- und Elektroberufen stehen 21 Lehrstellensuchenden 29 sofort verfügbare offene Lehrplätze gegenüber. Weitere 350 (!) Ausbildungs-plätze sind dem AMS bereits gemeldet. Das zeigt, wie sehr sich die Betriebe für die Ausbildung neuer Fachkräfte in diesem Bereich engagieren.
Einen ausgeprägten Lehrlingsmangel gibt es bei den Fremdenverkehrsberufen. Für 56 sofort verfügbare offene Lehrstellen sind beim AMS nur 6 Lehrstellensuchende gemeldet. Auch bei dem in der Vergangenheit als überrannt gegoltenen „Modelehrberuf“ Friseur/Friseurin, zeigt sich nicht nur am Linzer Arbeitsmarkt eine große Auswahl an offenen Stellen für ausgelernte Fachkräfte. Auch beim Nachwuchs haben es die Linzer Friseurbetriebe nicht mehr so leicht, Lehrlinge zu finden. Aktuell stehen 13 sofort verfügbaren Lehrstellen nur 7 gemeldete BewerberInnen gegenüber.
Mit Aktivitäten wie der Linzer Lehrlingscard, der Linzer Lehrlingsmesse oder den Powergirls, versucht das Wirtschaftsressort der Stadt Linz gemeinsam mit Partnern, die Attraktivität und das Image der Lehrlingsausbildung hervorzuheben und Lehrbetriebe zu unterstützen.
Wie wichtig die Bewusstseinsbildung für die duale Ausbildung bei SchülerInnen und Eltern im urbanen Bereich und insbesondere bei Familien mit Migrationshintergrund ist, zeigt die überdurchschnittlich hohe Zahl an arbeitslosen Linzer Jugendlichen ohne Lehrabschluss und ohne weitere schulische Bildung. Eine Berufslaufbahn ohne abgeschlossene Lehrausbildung oder höhere Schule führt meist in eine „Karriere“ aus Gelegenheits- und Hilfsarbeiterjobs in Abwechslung mit immer wiederkehrender Arbeitslosigkeit.


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