Anregungen aus deutschen Kliniken
HAMBURG/OÖ. Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) besuchte mit einer oö. Delegation mehrere deutsche Gesundheitseinrichtungen, um sich Anregungen mit nach Hause zu nehmen - speziell im Hinblick auf die neue Universitätsklinik in Linz.

„Ich glaube, dass Sie da eine große Chance haben. Sie können da von vorne losplanen – das ist ein Riesenvorteil“, bezog sich Burkhard Göke, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der UniklinikHamburg-Eppendorf, auf die neue Universitätsklinik in Linz, als er die oberösterreichische Delegation empfing. Göke weiß, wovon er spricht: Vor zehn Jahren noch war die Hamburger Uniklinik hoch defizitär und im Qualitätsranking weit hinten. Doch das Ruder konnte herumgerissen, die Klinik neu positioniert werden: weg von „Wir können und machen alles“ hin zu „Wirwissen, wer es am besten kann – was wir machen, machen wir besser als andere“. Ein ähnliches Leitmotiv kann sich Pühringer auch für die Uniklinik in Linz vorstellen. Er stellt zudem fest, das ein Forschungsstandort Linz „auch ein ganz großer wirtschaftlicher Erfolg sein“ kann.
Versorgungskette mit Reha
Auch die Asklepios Krankenhäuser in Hamburg legten eine ähnliche Kehrtwende hin: 2004 wurden der hoch defizitäre Landesbetrieb Krankenhäuser Hamburg zu der Asklepios Kliniken Hamburg GmbH. Die Stadt Hamburg behielt nur noch eine Sperrminorität von 25,1 Prozent. Veränderungen kamen: Die Verweildauer der Patienten wurde stark reduziert. Um dies möglich zu machen, setzt man auf angeschlossene Rehakliniken. Dieses Schema soll auch in Oberösterreich umgesetzt werden. Schritte in diese Richtung wurden schon getan: Die gespag ist genau aus diesen Gründen schon an den Reha-Zentren am Gmundnerberg und in Enns beteiligt. „Eine weitere Reha-Einrichtung ist derzeit in Verhandlung“, so gespag-Vorstandssprecher Karl Lehner.
Auch die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten ist ein wichtiger Punkt der Hamburger, der durch eine Finanzierung aus einer Hand möglich gemacht wird. „Solange wir keine gemeinsame Finanzierung haben, wird es ein Verschiebeband bleiben“, so Landeshauptmann Pühringer. Hier hakt auch das System der medizinische Versorgungszentren (MVZ) ein: Dort werden niedergelassene Kassenordinationen von den Krankenhausträgern mitbetrieben bzw. sind in den Räumlichkeiten der Kliniken angesiedelt - wie zum Beispiel auch in der Asklepios Klinik Hamburg Altona. Solche MVZ oder Gesundheitszentren hat sich auch die gespag schon als Vorbild genommen und will diese in bzw. in der Nähe ihrer Spitalsstandorte zur Absicherung der regionalen Versorgung etablieren - wie zum Beispiel in Schärding.
Auch nicht unerwähnt sollen allerdings die Schwachstellen: So waren sich die politische und die fachliche Delegation einig, dass die bauliche Ausstattung im Vergleich zu Oberösterreich nicht Schritt halten kann. „Der Zustand unserer Häuser ist baulich und Ausstattungs-mäßig denen in Deutschland überlegen“, stellte auch Landeshauptmann Pühringer fest. Zudem stellte Cornelia Prüfer-Storcks, die Hamburger Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz, bei einem Empfang im Rathaus fest:“Die Pflege hatte eine starke Arbeitsverdichtung.“
Praxisorientierte Ausbildung
Auf dem Programm standen aber nicht nur die Krankenhäuser selbst, sondern auch die Ausbildung der künftigen Ärzte. Besonders Eindruck machte dabei die Asklepios Medical School, eine private Bildungseinrichtung, die aus einer Kooperation des Krankenhausträgers Asklepios und der Budapester Semmelweis Universität entstanden ist. Hier zeigten sich die politischen Vertreter aus Oberösterreich sehr angetan vom Modell der Privatschule. FPÖ-Landtagsabgeordnete Brigitte Povysil zeigte sich begeistert von der Finanzierungsmöglichkeit der Studiengebühren (circa 15.000 Euro pro Jahr): Um diese zurückzuzahlen, wird auf zehn Jahre gedeckelt ein gewisser Prozentsatz des Einkommens bezahlt. Ulrike Schwarz, Landtagsabgeordnete der Grünen, empfand besonders die geringe Anzahl der Studenten pro Kurs als besonders gelungen. Eine Besonderheit, die man sich auch für das Kepler Universitätsklinikum in Linz vorstellen könne, ist, Studierende schon vor Abschluss des Studiums auch im niedergelassenen Bereich Praxis sammeln zu lassen.
Vorbild aus München
In München stand ein Besuch im kbo-Kinderzentrum am Programm. Das Sozialpädiatrische Zentrum, die Ambulanz, ist die größte spezialisierte Diagnostik- und Therapieambulanz in Deutschland und behandelt mehr als 11.000 Kinder im Jahr. Ein Konzept, das es – wie auch Meinrad Lukas, Rektor der JKU Linz, feststellte – in dieser Form in Oberösterreich noch nicht gibt, das jedoch beispielhaft ist. „In Österreich gibt es nichts vergleichbares - hier wird unglaubliches geleistet“, stellt der Rektor der JKU fest, zu der auch die neue medizinische Fakultät in Linz gehört.


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