„Man ist den Jungen Ehrlichkeit schuldig“
LINZ. Felix Eypeltauer sitzt mit 24 Jahren bereits im Linzer Gemeinderat, Claudia Gamon ist mit 27 Jahren Abgeordnete zum Nationalrat. Mit Tips sprach das NEOS-Duo über die Herausforderung, Politik für junge Menschen interessant zu gestalten und ihre ersten Erfahrungen am glatten Polit-Parkett.

Gleich vorweg: Die Frage, ob“s eigentlich „Spaß macht“, beantworten beide Jung-Politiker mit einem deutlichen „Ja“: „Wenn man sein Hobby, ich bin sehr politisch, sozusagen zum Beruf machen kann und viele Menschen trifft im ganzen Land, ist das cool“, berichtet die gebürtige Vorarlbergerin Claudia Gamon. Auch für Felix Eypeltauer ist die Arbeit in einer „Mini-Fraktion“ wie der NEOS-Gemeinderatsfraktion mit drei Mitgliedern nicht zu ernüchternd: „Wir haben etwa mit der Durchsetzung der Zukunftswerkstatt gesehen, dass man auch hier etwas bewegen kann.“
Zweifel der älteren Kollegen haben beide rasch ausgeräumt: „Wenn du als Junger arbeitest und deine Sachen engagiert verfolgst, merken rasch die letzten Zweifler, dass du genauso arbeiten kannst wie alle anderen.“ Die politischen Gremien sind überaltert, die „junge Perspektive“ fehlt im Nationalrat oder Gemeinderat in vielen Bereichen. „Deshalb ist unsere Botschaft an die Jungen: Seid mutig, bringt euch ein, ihr könnt es genauso gut.“
Bürgerbeteiligung im Fokus
Die Politik sieht Claudia Gamon dabei in der Bringschuld jungen Leuten gegenüber: „Es liegt auch in unserer Verantwortung, Politik verständlich für junge Menschen zu machen, ihnen das auch über Kanäle zu transportieren, die diese bedienen und in ihrer Sprache zu sprechen.“ Die NEOS-Konzepte basieren intern als auch in der politischen Arbeit auf (Bürger-)Beteiligung: „In Linz quasi ein rotes Tuch für die Stadtregierung“, so Eypeltauer. „Dabei ist der beste Alltagsexperte in einer Stadt der Bürger selbst, die Jungen, die den Großteil ihrer Freizeit im öffentlichen Raum verbringen. Warum fragt man die nicht öfter nach ihren Ideen und Visionen?“
An Beispielen wie der Eisenbahnbrücken-Befragung lässt der 24-jährige Linzer kein gutes Haar: „Da wurde eine Ja-Nein-Frage gestellt, ohne dass zuvor die Faktenlage geklärt war. So kann man das nicht Volksbefragung nennen, geschweige denn sinnvolle Bürgerbeteiligung.“
Auch Pensionen „junges Thema“
Beide engagieren sich auch für ein zentrales Thema der Neos, die Zukunft der Pensionen und eine nötige Pensions-Reform. Kein „junges“ Thema? Mitnichten, wie die beiden betonen: „Viele freuen sich, dass sie jemand vertritt, für eine Pensions-Reform einzutreten. Bei dem Nationalratsantrag war ich etwa die einzige unter 30-Jährige, die zu dem Thema gesprochen hat“, so Gamon. „Im Nationalrat kämpfen wir gegen eine Maschinerie, die sagt, es passe eh alles, die Pensionen seien sicher, wir haben eh Wachstum – wer da 1 und 1 zusammenrechnet, weiß, dass sich das nicht so leicht ausgehen wird. Man ist den Jungen auch Ehrlichkeit schuldig in der Debatte und in der Politik.“


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