Zwei Kandidaten buhlen um jede Stimme
Exakt 6.399.572 Österreicher sind heute noch einmal aufgerufen, ihre Stimme abzugeben, wenn Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen bei der Wiederholung der Stichwahl als neuer Bundespräsident hervorgehen wollen. Tips bat beide Kandidaten vor dem entscheidenden Wahlgang zum Gespräch über ihre Schwerpunkte. Und hier findest du die aktuellen Meldungen aus deiner Region.

1. Nach der Präsidentschaftswahl werde ich am ersten Tag im Amt…
HOFER: …mein Büro beziehen und die Bundesregierung zu einem Gespräch zu mir bitten. Es stehen einige Aufgaben an, die gelöst werden müssen.
VAN DER BELLEN: Ich werde mich ab dem ersten Tag bemühen, auf jene Wähler zuzugehen, die mich nicht gewählt haben. Ich werde mich mit der Regierung zusammensetzen, um sie zu Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit anzuspornen. Und ich hoffe sehr, den Freunden meiner Frau aus Peuerbach die Hofburg zeigen zu können. Das haben sie sich gewünscht.
2. Welches vorrangige Problem bzw. welches bundesweite Anliegen ist es, das Sie in Ihrem Wirken mit höchster Priorität angehen/lösen wollen und warum?
HOFER: Es ist wichtig, dass die Arbeit der Bundesregierung Fahrt aufnimmt. Wir brauchen in Österreich Maßnahmen zur Senkung der höchsten Arbeitslosenrate seit dem Zweiten Weltkrieg, auch die Wirtschaft muss wieder angekurbelt werden. Es müssen dringend Reformen in der Verwaltung und im Gesundheitsbereich angegangen werden, um unser Land wieder nach vorne zu bringen.
VAN DER BELLEN: Mehr als 100.000 Kinder leben in Österreich in Armut. Das ist ein unhaltbarer Zustand. Als Bundespräsident will ich daher unermüdlich dafür eintreten, dass allen Kindern ein guter Start in ein geglücktes Leben ermöglicht wird. Ich will, dass wir gemeinsam an einer Zukunft arbeiten, in der wir die Ängste und Sorgen, die uns alle beschäftigen, mit Verstand, Mut und Zuversicht überwinden.
3. Wie zufrieden sind Sie mit der Bundesregierung und in welcher Form würde diese Ihr Wirken als Präsident bis zur Wahl 2018 „spüren“?
HOFER: Die Regierungsarbeit war in letzter Zeit – bis auf kleine Reformschritte bei der Gewerbeordnung – durch Stillstand gekennzeichnet. Ich werde als Bundespräsident in engem Kontakt und ständigem Austausch mit der Bundesregierung stehen, um wichtige Maßnahmen einzufordern.
VAN DER BELLEN: Ich werde alle Mitglieder der Bundesregierung mit Nachdruck daran erinnern, dass es ihre Aufgabe ist, dem Land und den Menschen zu dienen und keiner Partei. Österreich hat so viele Stärken und Talente. Nützen wir diese.
4. Welche Maßnahmen sind auf Bundesebene besonders wichtig, um den zuletzt stockenden Wirtschafts- und Jobmotor in diesem Land weiter am Laufen zu halten?
HOFER: Der Wirtschaftsstandort Österreich leidet seit geraumer Zeit unter der großen Steuerlast und muss sich zunehmend gegen Konkurrenz aus anderen Teilen unseres Kontinents und der Welt beweisen. Um unsere Heimat auch künftig als attraktiven Standort halten zu können, muss die steuerliche Last gesenkt und Anreize zur Ankurbelung der Wirtschaft gesetzt werden.
VAN DER BELLEN: Jeder einzelne Arbeitslose ist für mich einer zu viel. Unternehmen, die Jobs schaffen wollen, beklagen die vielen Hürden. Ich werde mich aktiv dafür einsetzen, diese zu beseitigen. Und ich will wie Heinz Fischer bei Auslandsreisen Türen für unsere Wirtschaft öffnen. Ich werde helfen, Aufträge nach Hause zu bringen und tausende Arbeitsplätze zu schaffen.
5. Warum ist für Sie das Präsidentschafts-Amt nach wie vor notwendig und welche Eigenschaft bringen Sie persönlich mit ein?
HOFER: Der Bundespräsident stellt einen Ausgleich im Machtgefüge zwischen Regierung, Parlament und auch den Landeshauptleuten dar. Da der Bundespräsident direkt von der Bevölkerung gewählt wird, hat sein Wort auch großes Gewicht. Ich werde das Amt sehr verantwortungsvoll und besonnen ausüben.
VAN DER BELLEN: Wir brauchen einen Bundespräsidenten, der sein Amt überparteilich ausübt und von der Regierung Zusammenarbeit einfordert. Ich will als Bundespräsident unser Land würdig in der Welt vertreten und nach innen verbinden. Nur gemeinsam sind wir in Österreich stark und erfolgreich.
ZUR PERSON NORBERT HOFER:
Norbert Hofer wurde am 2. März 1971 in Vorau geboren und ist in Pinkafeld aufgewachsen. Nach der Matura an der Höheren Technischen Bundeslehranstalt für Flugtechnik in Eisenstadt war er als Systemingenieur bei der österreichischen Fluglinie Lauda Air beschäftigt. Sein Hobby, der Flugsport, wurde ihm im Jahr 2003 zum Verhängnis. Er stürzte ab und zog sich schwere Wirbelsäulenverletzungen zu. Hofer leidet seitdem an einem inkompletten Querschnittssyndrom. Nach der Nationalratswahl im Oktober 2006 zog er als Abgeordneter in den Nationalrat ein. 2005 wurde Hofer erstmals zum Vizeparteiobmann der Freiheitlichen Partei Österreichs gewählt. Bis jetzt ist er als Dritter Präsident des Nationalrates politisch tätig. Hofer hat seinen Hauptwohnsitz nach wie vor im Südburgenland, er ist verheiratet und hat mit Ehefrau Verena vier Kinder.
ZUR PERSON ALEXANDER VAN DER BELLEN:
Alexander Van der Bellen wurde am 18. Jänner 1944 in Wien geboren. Seine Mutter ist gebürtige Estin, der Vater gebürtiger Russe mit niederländischen Vorfahren. Nach mehrmaliger Flucht vor den Sowjets findet die Familie in Österreich eine neue Heimat, zunächst in Wien, dann in Tirol. Der langjährige Universitäts-Professor und Dekan bzw. Stellvertretender Dekan der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien (1990–1994) war von 1997 an elf Jahre lang grüner Bundessprecher (seit 1999 auch Obmann des Grünen Klubs), bis die Funktionen im Jahr 2008 auf Eva Glawischnig übergingen. Seit dem Jahr 2012 war er als Abgeordneter zum Wiener Landtag und Mitglied des Wiener Gemeinderates im politischen Einsatz. Er ist mit der gebürtigen Peuerbacherin Doris Schmidauer verheiratet.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden