Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

Online Redaktion, 03.01.2018 15:03

LINZ. (APA) Integrationslandesrat Rudi Anschober (Grüne) ortet im Koalitionsübereinkommen der neuen Bundesregierung etliche Unklarheiten in Sachen Integration und befürchtet „integrationszerstörende Maßnahmen“ - etwa in der Abkehr von der Dezentralisierung. Diese diene nämlich nicht nur der Eingliederung, sondern spare auch Geld. Zudem sei die Finanzierung der Sprachkurse offen.

Integrationslandesrat Rudi Anschober Foto: Weihbold
Integrationslandesrat Rudi Anschober Foto: Weihbold

Als Vorsitzender der Integrationsreferentenkonferenz wolle Anschober die Länder an einen Tisch bringen und möglichst rasch das Gespräch mit den zuständigen Ministerien suchen. „Ich will den Dialog“, so Anschober, „von mir gibt es keine Vorverurteilung“. Dennoch sieht er „keine einzige Integrationshürde beseitigt“ und befürchtet hinter so mancher Formulierung im Koalitionspakt Maßnahmen, die den „oberösterreichischen Weg“ in Sachen Integration, der vor allem auf dezentrale Unterbringung setzt, gefährden könnten. Zu Spitzenzeiten gab es in 83 Prozent der oö. Gemeinden Asyl-Quartiere, so der Landesrat. Die durchschnittlich Belegung pro Quartier liege bei 20 bis 25 Personen.

Einsparungen durch Privatverzug

Anschober fürchtet etwa um den sogenannten Privatverzug: In Oberösterreich seien derzeit rund 2.500 Asylwerber privat bei Familien, in Wohnungen oder in Wohngemeinschaften untergebracht.

Dadurch spare man pro Jahr 8,5 Millionen Euro, rechnete er vor. Die 300 Asylwerber, die in OÖ aktuell eine Lehre, für die sich keine Österreicher gemeldet haben, absolvieren, würden die Grundversorgung um 1,2 Millionen Euro entlasten. Eine Arbeitsmarktintegration in Mangelberufen - ab dem sechsten Monat Aufenthalt, wie Anschober vorschlägt - würde noch mehr Einsparungen bringen, kalkuliert mit 1.200 Asylwerbern 21 Millionen Euro, so der Landesrat.

Potentielle Hürden

Kritisch sieht Anschober das geplante Umstellen von Geld- auf Sachleistungen, denn das schränke die Selbstständigkeit und den Kontakt zur Mehrheitsbevölkerung ein. Auch dem Zusammenfassen der Kinder in Flüchtlingsklassen steht er skeptisch gegenüber. Vor allem abseits des Zentralraums wisse er auch nicht, wie das gehen solle - etwa, wenn es in einer Gemeinde 25 Asylwerber, davon vier Kinder, gebe: „Sollen wir dann einen Schulbus organisieren?“.

Handlungsbedarf bei Sprachkursen

Dringenden Handlungsbedarf sieht Anschober bei den Sprachkursen, die in OÖ bisher rund 20.000 Teilnehmer absolviert haben: Die Kofinanzierung des Bundes sei mit Jahreswechsel ausgelaufen, man könne derzeit keine neuen Kurse mehr anbieten. „Wir wissen bis heute nicht, ob oder wie es weitergeht.“

Integration fördern

Für heuer will Anschober in OÖ die Integration bereits länger im Land befindlicher ethnischer Gruppen mit Integrationsdefiziten - vor allem Tschetschenen und Türken - forcieren. Weitere Schwerpunkte sollen die Sprachausbildung, die Integration am Arbeitsmarkt sowie am Wohnungsmarkt sein. Hier könnte sich der Landesrat vorstellen, dass man etwa die mobilen Quartiere, die zu Spitzenzeiten als Asylunterkünfte dienten, nun als günstige Wohnungen für Asylberechtigte heranzieht. Auch ein Fonds, aus dem man sich das nötige Geld für die Kaution einer Wohnung, die häufig eine Hürde darstelle, ausborgen könne, sei eine Möglichkeit.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden


Weitere Beiträge

Christiane Frauscher wird neue Wirtschaftslandesrätin in Oberösterreich

Christiane Frauscher wird neue Wirtschaftslandesrätin in Oberösterreich

LINZ. Die Innviertlerin Christiane Frauscher folgt Markus Achleitner nach, der nach acht Jahren in der Landesregierung in die Privatwirtschaft ...

Tips - total regionalLeitner Birgit
Landesrat Achleitner macht Platz und bereitet die Übergabe vor

Landesrat Achleitner macht Platz und bereitet die Übergabe vor

LINZ. Markus Achleitner verlässt die oberösterreichische Landesregierung und kehrt in die Privatwirtschaft zurück. Am Freitag, 16. Oktober ...

Tips - total regionalLeitner Birgit
Landesrat Achleitner vor Ablöse 

Landesrat Achleitner vor Ablöse 

LINZ. Seit Donnerstagabend häufen sich die Gerüchte um eine Ablöse von Landesrat Markus Achleitner (ÖVP). Heute Freitag um 10 Uhr tritt er ...

Tips - total regionalNora Heindl
JKU Linz bestellt fünf Vizerektoren für neue Amtszeit wieder

JKU Linz bestellt fünf Vizerektoren für neue Amtszeit wieder

LINZ. Die Johannes Kepler Universität setzt auf ihr bisheriges Führungsteam. Die fünf Vizerektoren wurden für die nächste Amtszeit wiederbestellt. ...

Tips - total regionalLeitner Birgit
Wellnessoase Hummelhof in Linz wird für zehn Millionen Euro modernisiert

Wellnessoase Hummelhof in Linz wird für zehn Millionen Euro modernisiert

LINZ. Die Wellnessoase Hummelhof in Linz wird umfassend saniert - Tips hat berichtet. Zehn Millionen Euro werden dafür von der Linz AG in die ...

Tips - total regionalBrandstetter Olivia
Vorläufiger Stopp für Rindertransporte über Linzer Flughafen

Vorläufiger Stopp für Rindertransporte über Linzer Flughafen

LINZ/HÖRSCHING/WIEN. Nachdem Transporte von Rindern aus Ungarn über den Linzer Flughafen nach Turkmenistan für Aufregung sorgten, hat das ...

Tips - total regionalOnline Redaktion
Weitere Beiträge