Linzer Flughafen-Chef: „Wir wollen nicht ins Low Coster-Eck“
LINZ/OÖ. Im Tips-Talk erzählt der Geschäftsführer des frisch in Linz Airport umbenannten Linzer Flughafens, Norbert Draskovits, über die Standort-Herausforderungen und Zukunftsaussichten in Hörsching.

Tips: Der Flughafen Linz hat gerade einen neuen Namen bekommen. Aus Blue Danube Airport wurde Linz Airport. Wie wird sich diese Namensänderung auswirken?
Norbert Draskovits: Wir versuchen, unsere gesamte Positionierung nach einem Motto zu organisieren, um es für die Kunden einfacher, schneller und komfortabler zu machen. Zudem ist die Marke nun deutlich klarer und hat einen modernen Touch.
Tips: Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung der Passagierzahlen, seit Sie die Geschäftsführung übernommen haben?
Draskovits: Wirklich gestalterisch eingreifen kann man vor allem im Ferienflugbereich, wo die Veranstalter mit uns die Flugpläne gestalten. Da bin ich sehr zufrieden, weil wir in dem Bereich die Anzahl der Destinationen steigern konnten. Wir haben jetzt insgesamt 29 Abflüge in den Ferien mit der Mittelmeer-Region im Sommer und werden noch ein bis zwei neue Destinationen dazubekommen. In diesem Bereich haben wir sicher das beste Produkt in allen Bundesländer-Airports. Im Linienbereich ist es ungleich schwerer in der Sandwich-Position zwischen den großen Flughäfen wie Wien und München.
Tips: Warum gibt es in Flughäfen wie Graz und Salzburg ein deutlich höheres Angebot?
Draskovits: Die Grazer haben einen geografischen Vorteil, sie liegen südlich der Alpen und haben viele Verbindungen zu Hauptdestinationen, wo der Business-Verkehr hingeht, wie München oder Stuttgart. Bei Salzburg muss man wissen, dass sie in erster Linie vom Incoming-Verkehr, also vom touristischen Verkehr, leben, durch die Touristen in der Stadt und den Skiing-Tourismus. Das fehlt uns in Linz und in Graz komplett.
Tips: Angesprochen auf den Frachtbereich: Ist dieser grundsätzlich zufriedenstellend?
Draskovits: Es gibt im gesamten deutschsprachigen Raum 44 Flughäfen und von diesen sind wir im Frachtbereich an 11. Stelle, also deutlich besser als im Passagier-Ranking, größer als zum Beispiel Hamburg. Dementsprechend haben wir auch eine große Logistik bei uns, von den sechs Terminals sind fünf für die Fracht. Dies hängt auch mit der starken Exportorientiertheit der oberösterreichischen Industrie zusammen.
Tips: Es laufen gerade große Umgestaltungen und Bauarbeiten am Flughafen. Was wird dadurch besser?
Draskovits: Dazu gibt es ein Motto: Es muss einfacher, schneller und komfortabler werden. Die Prozesse für den Kunden müssen schneller werden, wir müssen mehr Qualität bieten, sowohl am Gebäude als auch in der Serviceleistung von uns oder unseren Partnern. Die Asphaltierung des Parkdecks wird etwa in den nächsten Tagen fertig, es gibt im Gebäude ein helleres Beleuchtungs-System und wir haben auch die Sicherheitsstraße neu aufgestellt, damit der Passagier nicht so lange Wartezeiten hat. Ab 1. Oktober bekommen wir dann auch einen neuen Caterer. Jedes Monat gibt es hier wieder etwas Neues.
Tips: Wenn Sie budgetmäßig alle Optionen offen hätten, um mehr Flüge nach Linz zu bekommen, wie würden Sie das angehen?
Draskovits: Das ist keine budgetäre Sache. Eine Destination muss sich von sich aus rechnen. Die Schwierigkeit derzeit ist, dass die Low Coster massiv in die großen Städte drängen und begeben. Wir wollen uns aber bewusst nicht in das Low Coster-Eck hinein begeben, wir haben jahrelang Profit gemacht und wollen das auch weiterhin so haben. Deshalb muss es weiter einen gesunden Mix zwischen traditionellen Airlines, Low Costern, Ferienfliegern und Incoming-Fliegern geben.
Tips: Wo wird der Linz Airport in fünf bis zehn Jahren stehen?
Draskovits: Wir waren vor zehn Jahren auf einem Niveau von 800.000 Passagieren. Ich kann mir vorstellen, dass wir diese Zahl wieder erreichen werden, gut auf alle Segmente verteilt.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden