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LINZ. Am „Tag danach“ zeigt sich der Linzer Bürgermeister Klaus Luger enttäuscht über das Wahlergebnis der SPÖ und fordert tiefgreifende Re-Strukturierungen seiner Partei. „Wir sind in einer ernsten Krisensituation.“ An das Antreten mit einer eigenen Liste 2021 denkt er jedoch nicht.

Für Klaus Luger steht in Linz 2021 eine Gemeinderatswahl incl. Bürgermeister-Direktwahl an. Foto: Weihbold

Es gäbe nichts zu beschönigen, stelle der Linzer Stadtchef am Montag nach der Wahl fest: „Das österreichweite Ergebnis der SPÖ ist Ausdruck einer Krisensituation, in der wir uns jetzt befinden. Das war bereits ein sehr ernstes Zeichen. Für mich ist auch völlig klar, dass es kein Auftrag ist, mitzuregieren, wenn man so stark verliert“, so Luger.

„Veralteten“ Parteiapparat neu denken

Luger ortet einen dringenden Bedarf zur Re-Strukturierung des „veralteten“ Parteiapparates: „Man kann noch so oft betonen, wir haben die besseren Programme und Inhalte, wenn wie bei relevanten Bevölkerungsgruppen zunehmend das Vertrauen verlieren.“

Überrascht habe ihn das Ergebnis eher weniger, weiß der Bürgermeister: „Ich habe im Wahlkampf ja auch meinen Beitrag geleistet und war in den Stadtteilen und auf der Landstraße unterwegs. Da hat man dann auch vielfach die Antwort „Ja eh, aber…“ gehört. Man spricht uns die Glaubwürdigkeit nicht mehr zu, wir müssen auch professioneller kommunizieren.“

„Fridays for Future“-Bewegung als Vorbild

Ein Beispiel dafür ist für Luger die „Fridays For Future“-Bewegung: „Wie hier junge Menschen schaffen, ganz ohne die klassischen Partei-Apparate andere junge Menschen für eine Idee zu begeistern, dagegen ist meine Partei regelrecht old school.“

Derzeit sei die SPÖ noch eine Mitgliederpartei, aber: „Wenn ich, Jahrgang 1960, irgendwo bei der SPÖ zu Gast bin, bin ganz selten einer der Älteren, sondern eher unter den Jüngeren, wir haben uns hier auch von den jüngeren Menschen entfernt. Man kann etwa in Linz wo in den Ortsparteien mitmachen und sich kommunalpolitisch engagieren, das interessiert derzeit viele gar nicht.“

„Weg nicht auf ausgetrampelten Pfaden“

An Pamela Rendi-Wagner als Parteichefin hält Luger fest, ihre Aussage „Dieser Weg geht weiter“ müsse allerdings noch umformuliert werden. Luger: „Dass der Weg weitergehen soll ist klar, aber sicher nicht auf ausgetrampelten Pfaden.“

Keine eigene Liste für 2021 geplant

Auch ein Beispiel für Bevölkerungsgruppen, die man „verloren“ habe, nennt Luger im Gespräch mit Tips: „Wenn ich etwa in der Tabakfabrik bin, treffe ich viele junge, durchaus erfolgreiche Menschen, die mit vielen ihren Werten bei der Sozialdemokratie andocken könnten, ich orte hohe soziale Verantwortung bei den Startups. Ich weiß aber, was die wählen und das ist nicht die SPÖ.“

Dass die Linzer SPÖ noch das beste Ergebnis aller Landeshauptstädte inclusive Wien einfuhr, tröstet Luger nur wenig: „Ich würde es als das am wenigsten schlechte Ergebnis bezeichnen.“ Eine eigene Liste oder Bewegung für die Landtags- und Gemeinderatswahlen 2021 ist für ihn jedoch (noch) kein Thema: „Wir sind weiter Teil der Sozialdemokratie, inhaltlich sind wir natürlich in manchen Punkten anders aufgestellt als die Landespartei, das wird sich auch nicht ändern.“

„Bin gespannt auf das Verhalten der Grünen“

Es gibt im vorliegenden Wahlergebnis für Luger einen klaren konservativen Auftrag, dieses Land zu regieren. „Die Österreicher haben gestern einen konservativen Weg gestärkt. Jeder der sich auf diesen Weg mitbegibt, wird seine Identität verlieren. Die Frage ist: Wer ist bereit, den Ermöglicher der totalen konservativen Wende zu machen und die SPÖ kann sich sicher nicht dieser Linie unterordnen. Das bringt auch die SPD in Deutschland gerade um. Ich bin auf das Verhalten der Grünen gespannt. Am einfachsten ging es bisher eben mit der FPÖ, aber die sind jetzt abgesprungen.“


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