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Klimawandel, Schweinepest oder Tierwohldebatten - Herausforderungen für Oberösterreichs Bauern

Wolfgang Schobesberger, 29.01.2020 16:08

LINZ/OÖ. Oberösterreichs Bauern leiden unter fehlender Planungssicherheit und manchmal kaum nachvollziehbaren Regelungen. Nun droht auch die Afrikanische Schweinepest nach Österreich zu schwappen. Landwirtschaftslandesrat Max Hiegelsberger lotet mit „Zukunft Landwirtschaft 2030“ die dringendsten Anliegen der Landwirte aus.

Agrarlandesrat Max Hiegelsberger will wissen was die junge Generation bei den Landwirten von der Zukunft erwartet Foto: vowe

Tips: Man hat immer wieder den Eindruck, die heimischen Landwirte seien verunsichert und unzufrieden. Woran liegt das?

Max Hiegelsberger: Es ist immer dann schwierig für die Landwirte, wenn sie in manchen Regelwerken aufgrund ihrer Erfahrung keinen Sinn mehr erkennen können. Wir haben jetzt die Zahlen und es stellt sich heraus, dass man in der freien Abferkelung bis zu 50 Prozent Erdrückungsverluste hat. Und es stellt sich für den Landwirt dann die Frage, ob das Ferkel auch einen Wert hat. Und dann können die Landwirte nicht mehr nachvollziehen, warum solche Regelwerke stattfinden.

Kupier-Verbot und Ferkelkastration

Tips: Diskutiert werden derzeit auch ein Kupier-Verbot und verpflichtende Narkose bei der Ferkelkastration. Wäre hier eine gesetzliche Vorschrift eine Lösung?

Hiegelsberger: Sehr gerne, wir als Landwirtschaft würden das sofort machen, aber der Handel ist bisher nicht bereit, die Mehrkosten zu tragen. Wenn wir in Österreich gewisse Produktionen verändern wollen, dann wird die Landwirtschaft mitziehen, aber das geht nicht zum Nulltarif. Da braucht es im Gesamtsegment ein Commitment, dass man das will.

Tips: Unsicherheit birgt auch das künftige EU-Budget. Sollten die Beiträge nicht erhöht werden, wird das Auswirkungen auf das Agrarbudget haben.

Hiegelsberger: Das ist deshalb besonders schwierig, weil da auch alle Umweltagenden drinnen sind. Unsere Bauern wären von Kürzungen besonders betroffen, weil sie keine so großen Flächen haben, aber sehr viel im Bereich Umweltschutz machen. Genau in diesem Bereich würde aber das Budget am meisten gekürzt. Aber es gibt ein Commitment des Bundeskanzlers, dass das österreichweit ausgeglichen wird. Das ist auch wichtig, denn sonst gefährden wir genau jene Betriebe, die wir gesellschaftlich unterstützen möchten.

50 Prozent Ertragsverlust bei Weizen

Tips: Auch der Klimawandel wird die heimische Landwirtschaft vor Herausforderungen stellen. Experten erwarten etwa bei den gängigen Weizensorten einen Ertragsrückgang von bis zu 50 Prozent.

Hiegelsberger: Oberösterreich beteiligt sich hier seit zwei Jahren an einem österreichweiten Forschungsprojekt, um klimafitte Sorten auf den Markt zu bringen. Das ist der Teil, der züchtungstechnisch möglich ist. Sehr viel schwieriger ist das Thema Grünland. Hier wird man sich mit der Bewirtschaftung auf die Änderungen einstellen müssen. In manchen Bereichen wird es zukünftig wohl ohne Bewässerung nicht gehen.

Tips: Derzeit lotet das Agrarressort die Wünsche der Bauern, besonders der jungen Leute, aus. Was brauchen die Bauern?

Hiegelsberger: Der Landwirt wünscht sich, wie viele andere Gruppen auch, Planungssicherheit. Wir haben in den letzten Jahren erlebt, dass man, wenn man etwa in ein Stallgebäude investiert, nicht die normalen Abschreibedaten dahinterlegen kann, weil nach kurzer Zeit wieder neue Anforderungen gestellt werden. Das stellt die Betriebe vor Probleme und finanzielle Herausforderungen. Zweiter wichtiger Faktor ist der politische Rahmen. Auch unsere Berufsgruppe muss sich darauf verlassen können, dass dort, wo Weichenstellungen gesetzt wurden, man auch auf eine gewisse Laufzeit vertrauen kann.

Tips: Auch für die jungen Menschen in der Landwirtschaft gewinnt Work-Life-Balance an Bedeutung.

Hiegelsberger: So wie sich die Gesellschaft in Bezug auf Arbeit und Freizeit verändert, so ist das natürlich auch bei der Jugend und den jungen Leuten auf den Bauernhöfen. Die wollen auch einen Anteil ihrer Zeit als Freizeit mit ihren Freunden verbringen. Das muss man in der Gesamtplanung berücksichtigen. Man muss das etwa bei den Investitionen mitdenken, weil die Bereitschaft, 2/3 des Tages in Arbeit zu investieren, enden wollend ist.

Schweinepest

Tips: Neben den alltäglichen Herausforderungen droht nun auch noch die Gefahr, dass die Schweinepest Österreich erreicht. Wie bereitet man sich darauf vor?

Hiegelsberger: Wir versuchen uns zu schützen und vorzubereiten. Es gibt jetzt schon Fälle in Polen, die bereits 21 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt sind. Deshalb ein Appell an all die Leute im Jagdbereich und jene, die Kontakt mit Fernfahrern aus betroffenen Ländern haben, immer zu bedenken und darauf hinzuweisen, dass das eine besondere Gefahr in sich trägt. Sollte es aber tatsächlich zu einem Fall kommen, dann sind wir vorbereitet und wissen, wie die Handlungsketten abzulaufen haben.


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