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„Jetzt ist die wichtigste Aufgabe als Bank, die Firmen mit Liquidität zu versorgen“

Online Redaktion, 31.03.2020 19:34

LINZ/OÖ. Seit Februar 2015 ist Christoph Wurm Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Volkskreditbank AG (VKB). Die derzeit alles in den Schatten stellende Coronakrise ist wohl die herausfordernste Zeit, durch die er die VKB führen muss. Im Interview mit Chefredakteur Josef Gruber erzählt er, wie die Banken ihre Kunden jetzt unterstützen und was das für eine Regionalbank aus Oberösterreich heißt.

Foto: VKB-Bank/Wakolbinger
Foto: VKB-Bank/Wakolbinger

Tips Chefredakteur Josef Gruber: Die Corona Krise trifft die Wirtschaft und damit auch die Banken massiv. Was sind für die VKB die größten Herausforderungen?

Generaldirektor Christoph Wurm: Die größte Herausforderung war zu Beginn die Gesundheit der Kunden und Mitarbeiter sicherzustellen und dabei den Bankbetrieb aufrecht zu halten. Als Bank haben wir ja auch einen Versorgungsauftrag zu erfüllen. Jetzt ist die wichtigste Aufgabe, die Unternehmen mit Liquidität zu versorgen und ihnen in dieser schwierigen Zeit beizustehen. Zum Glück ist das Ausleihen von Geld jetzt günstig, da die Zinssätze niedrig sind.

Tips: Wie viele Betriebe werden in massive Turbulenzen oder gar in die Insolvenz schlittern?

Wurm: Das hängt von der Länge und Intensität des Herunterfahrens der Wirtschaft ab. Es ist aber noch zu früh, darüber Aussagen zu treffen. Es wird stark davon abhängen, wie es den Banken mit Unterstützung der Regierung gelingt, den Unternehmen Liquidität zur Verfügung zu stellen. Dafür wird ja gerade gesorgt. Damit wird es hoffentlich den meisten möglich sein, am Ende der Krise ihr Unternehmen wieder hoch zu fahren.

Tips: Gibt es dazu von der Regierung schon konkrete Unterstützungsmodelle?

Wurm: Es gibt dazu das in den Medien viel diskutierte Modell der Kurzarbeit. Viele Unternehmen haben ihre Anträge beim AMS schon eingebracht. Es gibt auch die Förderprogramme mit gesicherten Überbrückungsfinanzierungen.

Tips: Kritik am Kurzarbeitszeitmodell kommt von Betrieben, dass sie die Gehälter vorfinanzieren müssen. Wie können die Banken hier helfen?

Wurm: Viele Betriebe haben bisher nur Anträge ohne konkrete Angaben beim AMS gestellt. Damit gibt es auch noch keine Zusicherungen mit exakten Beträgen. Solange diese Schreiben des AMS nicht vorliegen, können auch keine Vorfinanzierungen durchgeführt werden.

Tips: Haben Sie eine Erklärung, warum die Leute in Krisensituationen Unmengen an Klopapier kaufen und die Bankomaten plündern?

Wurm: Das ist die Sorge darüber, dass die Versorgung nicht gut funktionieren würde. Ich kann zusichern, insbesondere im Finanzbereich, dass die Versorgung ausreichend gesichert ist. Bargeld sowohl in den Banken als auch bei den Bankomaten ist ausreichend vorhanden. In den ersten Tagen wurde in etwa die dreifache Menge Geld behoben. Das hat sich inzwischen wieder auf ein normales Maß eingependelt.

Tips: Wie kann Privatpersonen bei Verdienstausfall geholfen werden?

Wurm: Bei Arbeitslosigkeit oder Verdienstminderung durch Kurzarbeit gibt es zwei Notwendigkeiten. Zunächst gemeinsam mit den Kunden die neue Einnahmen- und Ausgaben-Situation betrachten und zu schauen, wie überbrückt werden kann, indem beispielsweise bei Ausgaben gespart wird. Grundbedürfnisse wie das Wohnen müssen jedenfalls sichergestellt sein. Dazu bieten wir Stundungsmodelle über mehrere Monate an.

Tips: Die Börsen sind massiv ins Minus gerutscht, auch wenn sie sich inzwischen wieder etwas erholt haben. Soll man jetzt wieder in Aktien investieren?

Wurm: Wir wissen alle nicht, wie sich die Börsen weiter entwickeln werden. Das hängt von den wirtschaftlichen Folgen dieser Pandemie ab. Deshalb gilt der Rat wie sonst. Die Strategie ist für jeden Einzelnen, je nach Veranlagungshorizont, frei verfügbarem Vermögen, Wirtschaftskompetenz und Risikobereitschaft, in einem Gespräch mit den Betreuer individuell zu finden.

Tips: Hat die VKB als rein oberösterreichische Regionalbank andere Herausforderungen als Großbanken?

Wurm: Wir sind den Menschen und der Region besonders verbunden. Daher werden wir den Menschen in dieser besonderen Situation mit unserer Verantwortung beistehen und gemeinsam Lösungen suchen.

Tips: Auf welche Dauer der Krise stellt sich die VKB ein?

Wurm: Wir orientieren uns an den Vorgaben der Regierung, die das Herunterfahren der Wirtschaft für vier Wochen vorordnet hat, um das Gesundheitssystem zu stabilisieren. Wir hoffen doch sehr, dass dann die Wirtschaft wieder hochgefahren wird, um die Folgen so klein wie möglich zu halten.

Tips: Wie wird die Zeit nach der Krise aussehen, ähnlich wie vorher oder ganz anders?

Wurm: Nach so gravierenden Vorfällen kommt es immer zu Veränderungen. Ich bin aber überzeugt, dass wir die guten Einrichtungen erhalten und danach trachten werden, das fortzuführen, was das Leben in Oberösterreich so lebenswert gemacht hat. Wir werden zusammenhelfen, damit die Unternehmen ihre Tätigkeit fortsetzen können.

Tips: Wie hat sich der Kundenkontakt verändert?

Wurm: Wir müssen jetzt das Telefon und noch stärker die digitalen Möglichkeiten zum Suchen nach Lösungen nutzen und den direkten Kontakt zum Schutz der Menschen reduzieren.

Tips: Stimmt es, dass Senioren trotz Appellen der Politik in letzter Zeit oft in die Banken gekommen sind?

Wurm: Auch und besonders Ältere sollten wirklich nur dann in die Bank kommen, wenn es unbedingt notwendig ist. Das hat sich aber schon stark gebessert.

Tips: Wie viele Bankmitarbeiter sind im Homeoffice?

Wurm: Die Aufrechterhaltung des Bankbetriebs steht im Vordergrund. Wir haben die Öffnungszeiten teilweise angepasst. Dennoch brauchen wir den größeren Teil der Mitarbeiter in den Filialen, in etwa 40 Prozent arbeiten zu Hause.


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