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OÖ. Die Debatte über den Klimawandel und die dafür verantwortlichen Einflussfaktoren läuft seit Jahren. Ob Industrie, Verkehr, Energiewirtschaft oder Landwirtschaft - alle produzieren klimaschädliche Treibhausgase. Oft müsse die Kuh als negatives Beispiel herhalten, dabei seien etwa Verkehr, Industrie und auch die Digitalisierung viel größere Umweltsünder. Der OÖ Bauernbund hat den aktuellen wissenschaftlichen Stand der Dinge zusammengetragen.

 (Foto: SGr/Shutterstock.com)
(Foto: SGr/Shutterstock.com)

„Auch wenn die Kuh manches Mal als plakatives Beispiel herhalten müsse – Kühe seien keine Klimakiller“, heißt es vom Bauernbund. Das dies fälschlicherweise immer wieder behauptet werden, liege an einer nicht korrekten Aussendung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2006. Eine FAO Studie kam zu dem irrtümlichen Schluss, dass die Viehwirtschaft weltweit für 18 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich sei. Dies wurde zwar später revidiert und für den Bereich der Kühe mit vier Prozent ausgewiesen, die Falschmeldung war aber schon im Umlauf.

Die Kuh dient dem Klimaschutz

Während des Verdauungsprozesses des Rindes wird Methan gebildet. Aber: Kühe würden dabei Lebensmittel für die menschliche Ernährung erzeugen. Wiederkäuer sind die einzigen Tiere, die in der Lage sind das Gras auf der Wiese zu verdauen und in Eiweiß, in Milch und Fleisch umzuwandeln. „Wir brauchen die Rinder. Sie garantieren unsere Ernährungssicherheit. Nur durch sie kann das Grünland und unser von allen so geschätztes Landschaftsbild auch künftig erhalten werden“, so Bauernbund-Landesobmann Max Hiegelsberger.

Landwirtschaft senkt Emissionen, Luftverkehr wird nicht erfasst

Der CO2-Fußabdruck bei Milchprodukten ist seit den 1990iger Jahren um rund 30 Prozent gesunken. Der weltweiten Milchproduktion wird etwa drei Prozent aller Treibhausgase zugerechnet. Das Umweltbundesamt stellte in seiner jährlichen Nahzeitprognose fest, dass die Emissionen 2019 gegenüber dem Jahr 2018 um rund 1,8 Prozent gestiegen sind. Laut OÖ Bauernbund konnte in Österreich die Landwirtschaft als einziger Sektor die Treibhausgasemissionen reduzieren, nämlich um 1,3 Prozent.

Im Gegensatz werden die Auswirkungen des Flugverkehrs bislang noch gar nicht erhoben. 2013 hat die International Civil Aviation Organization die Entwicklung einer globalen marktbasierten Maßnahme zur Eindämmung der klimaschädlichen Gase aus dem Flugverkehr beschlossen, die wahrscheinlich ab 2021 wirksam werden wird. Die Europäische Union verabschiedete als Reaktion darauf zwei Verordnungen, sodass nur Flüge innerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes in den Emissionshandel miteinbezogen werden. „Hier tut sich eine gewisse Art von Scheinheiligkeit auf. Einerseits spricht man über die schädlichen Emissionen aus der Landwirtschaft, andererseits werden von der EU nicht einmal die Emissionen aus dem internationalen Flugverkehr erhoben. Diese Vorgehensweise ist für mich absolut nicht nachvollziehbar“, so Hiegelsberger.

Lebensmittel-Herkunft bestimmt die Höhe der Emissionen

Die Landwirtschaft produziert für die Bevölkerung Lebensmittel. Egal, ob durch den Anbau von Feldfrüchten oder bei der Erzeugung von Milch und Fleisch, solange Lebensmittel erzeugt werden, wird es Emissionen geben. „Das Achten auf die Herkunft regionaler Lebensmittel wird den Konsumenten immer wichtiger und das ist auch gut so. Denn bedenkt man, dass ein Kilogramm brasilianisches Rindfleisch 80 Kilogramm CO2 und das österreichische nur 14 Kilogramm verursacht müsste jedem klar sein, zu welchem Produkt er greifen soll“, appelliert der Bauernbund-Obmann.

Weltklimarat stellt Einfluss der Rinder infrage

Laut Weltklimarat sind die Zusammenhänge aus dem System zwischen Luft, Boden, Gras und Tier bislang noch nicht ausreichend bekannt. Unbestritten ist, dass Rinder Methangas produzieren. Die Menge an Methan pro Nahrungsmitteleinheit variiere bei den Berechnungen jedoch stark, so Peer Ederer, Leiter des Global Food and Agribusiness Network. Außerdem würden in den Argumentationen stets globale Durchschnitte verwendet. Eine europäische Kuh produziert jedoch pro Liter Milch oder Kilogramm Fleisch viel weniger Methan als eine afrikanische. Auch die Bedeutung der Bodenbakterien sei noch nicht zur Gänze untersucht. Denn durch Rinder auf der Weide wird eine Bodenschicht mit Bakterien geschaffen, die sich von Methan ernähren. Sie wandeln dieses in unschädliche Eiweißstoffe um. „Es gibt Schätzungen, dass die Bakterien den gesamten Methanausstoß der Rinder kompensieren könnten, was in Veröffentlichungen komplett ignoriert wird“, so Peer Ederer. Außerdem wird CO2 von kultiviertem Grasland gespeichert.

Energiefresser

Tatsächlichen Klimasünder seien in anderen Bereichen, wie etwa dem Verkehr und der Industrie, zu finden. Auch die fortschreitende Digitalisierung dürfe nicht außer Acht gelassen werden. Der „Wissenschaftliche Beirat der Deutschen Bundesregierung“ warnt etwa davor, dass die Digitalisierung die Klimakatastrophe zusätzlich verstärken würde. „Das Internet ist eine 'CO2-Schleuder' geworden“, so Wirtschaftswissenschafter Ralph Hintemann vom Berliner Borderstep Institut. Es verbraucht beinahe so viel Energie wie der globale Luftverkehr und emittiert in etwa auch die gleiche Menge CO2. „Jede Nutzung einer App läuft über Rechenzentren“, erklärt Hintemann. Der Betrieb und die Kühlung von Rechenzentren verschlingen extrem viel Energie. Einer Studie des chinesischen IT-Giganten Huawei zufolge, werden die Rechenzentren im Jahre 2030 acht Prozent der globalen Stromproduktion benötigen.

Corona-Krise führte zu stärkstem Emissionsrückgang seit dem 2. Weltkrieg

Während des Corona-Lockdowns lagen die globalen täglichen CO2-Emissionen um rund 17 Prozent unter denen des Vorjahres, zeigt eine Studie des Global Carbon Project der Universität Stanford. In absoluten Zahlen sind das 17 Millionen Tonnen.

Aufschlüsselung nach Sektoren:

  • 43 Prozent Straßen- und Schienenfahrzeuge
  • 43 Prozent Industrie und Kraftwerke
  • 10 Prozent Luftverkehr
  • 4 Prozent Sonstige

Die Wissenschafter analysierten insgesamt 69 Länder, die zusammen für 97 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sind.

Land- und Forstwirtschaft anpassen

Die Land- und Forstwirtschaft sei jener Sektor, der als Erstes und am schwersten von klimawandelbedingten Veränderungen betroffen ist. Zehn Prozent der österreichischen Treibhausgase werden ihr angelastet, allerdings stehe dem die fünffache Menge an CO2 gegenüber, die über die Fotosynthese gebunden werde, so Hiegelsberger. Zusätzlich sei sie der einzige Wirtschaftssektor, dem es möglich sei, CO2 durch den Humusaufbau im Boden zu speichern. „Die Landwirtschaft ist dabei ihre Produktionsmethoden an die veränderten Gegebenheiten, wie etwa durch Sortenwahl, Bodenbearbeitung etc. anzupassen. Doch nicht nur sie ist von der Klimakrise betroffen, sondern die gesamte Gesellschaft. Wir können nur gemeinsam an einem Strang ziehen und bewusst dagegen steuern“, mahnt Hiegelsberger.


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