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LINZ/OÖ. Seit 10. August ist Klaus Kumpfmüller neuer Generaldirektor der Hypo Oberösterreich. Tips sprach mit dem Nachfolger des 2019 überraschend verstorbenen Andreas Mitterlehner über seinen Start in einer Zeit, die stark von der Corona-Pandemie geprägt ist.

Klaus Kumpfmüller: „Konjunkturimpulse sollen Pleitewelle im nächsten Jahr abwenden“ (Foto: HERMANN WAKOLBINGER / HYPO OÖ)

von JOSEF GRUBER und JÜRGEN AFFENZELLER

Tips: Ihr Einstieg war doppelt schwierig, einerseits nach dem plötzlichen Ableben Ihres Vorgängers und dem Wegfall der üblichen Übergabe, dann kam auch noch die Corona-Pandemie. Wie geht es Ihnen jetzt, sind Sie schon angekommen?

Klaus Kumpfmüller: Ich bin sehr rasch und gut angekommen. Nachdem ich sechs Monate lang eine Cooling-off-Periode einzuhalten hatte, war ich schon sehr bereit für die Arbeit. Für mich ist es eine Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte, ich arbeitete ja bis 2011 hier neun Jahre lang.

Tips: Hat Sie die Aufgabe oder die Heimatverbundenheit zurück nach Oberösterreich gebracht?

Kumpfmüller: Beides. Ich war neun Jahre lang Wochenpendler in Wien mit der Familie in Leonding, das ist natürlich ein Faktor, zurückzukehren. Hinzu kam, dass die Führung einer so traditionsreichen Bank immer eine sehr reizvolle Aufgabe ist.

Tips: Wie schwierig ist es eigentlich, sowohl im Eigentum des Landes Oberösterreich (knapp über 50 Prozent) als auch der Raiffeisen Landesbank (39 Prozent) zu stehen, die ja zudem auch noch ein Mitbewerber ist?

Kumpfmüller: Das ist gar nicht schwierig, solche Eigentümer kann man sich als Bank nur wünschen. Auf der einen Seite gibt es mit dem Land Oberösterreich einen stabilen Mehrheits-Aktionär mit bester Bonität, auf der anderen Seite einen industriellen strategischen Partner, wo es sehr viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit gibt, etwa bei der IT-Infrastruktur, das bringt einen gewaltigen Vorteil für uns mit. Natürlich gibt es aber auch eine Konkurrenz-Situation, wenn es um die Kundenseite geht.

Tips: Die Banken sehen bekanntlich am besten, wie es der Wirtschaft wirklich geht. Was erwarten Sie für die nächsten sechs bis 12 Monate?

Kumpfmüller: Die öffentliche Hand hat bekanntlich einige Hilfspakete in Angriff genommen. Sicherlich, damit werden auch Unternehmen, die vielleicht nicht so nachhaltige Geschäftsmodelle haben, am Leben erhalten. Laufen diese Hilfen oder die Kurzarbeit aus, besteht sicher das Drohpotential von Firmenpleiten. Gerade deswegen schnürt die Politik Konjunkturpakete, die den Konsum anregen und so die Wirtschaft wieder ankurbeln. Die Hoffnung dabei ist, dass diese Impulse die Wirtschaft wieder rasch in Schwung kriegen und so eine Pleitewelle im nächsten Jahr abgewendet werden kann.

Tips: Wie lange wird es dauern, bis etwa Fluglinien und die Reisebranche wieder so funktionieren können wie vorher?

Kumpfmüller: Ich glaube gar nicht, dass es hier wieder so wird, es kann auch nicht nachhaltig sein, wenn ich um 19 Euro nach Madrid und wieder retour fliegen kann oder schnell auf ein Wochenende nach New York reise. Das waren Auswüchse, die nicht nachhaltig funktionieren können. Es wird aber wieder Kongresse, Messen und ähnliches geben, wenn die gesundheitliche Bedrohung zurückgeht und es die Impfung gibt. Die zwischenmenschliche Kommunikation und das persönliche Zusammenkommen bleiben wichtige Faktoren.

Tips: Corona setzte der Hypo auch in der Bilanz zu, im ersten Halbjahr gab es ein Ergebnis vor Steuern in Höhe von minus vier Millionen Euro. Welche Prognose wagen Sie bis Jahresende?

Kumpfmüller: Wir haben eine Prognose für ein positives Jahresergebnis. Das erste Halbjahr war geprägt von Verwerfungen auf internationalen Finanzmärkten, was uns Bewertungsverluste verursacht hat. Das hat nichts mit dem operativen Bankgeschäft zu tun, da waren wir sehr gut unterwegs. Wir haben im Kundengeschäft Steigerungen in fast allen Bereichen zu verzeichnen.

Tips: Die Zinsen im Sinkflug, die Verschuldung steigt – wie lange kann das die heimische Volkswirtschaft noch verkraften?

Kumpfmüller: Österreich ist sehr gut aufgestellt, die Verschuldung sowohl der Unternehmer als auch der Haushalte sind in Relation zum internationalen Vergleich niedrig, das betrifft auch die öffentliche Verschuldung. Wir haben also genügend Feuerkraft, dass wir diese Krisensituation trotz der aktuellen Neuverschuldung der öffentlichen Hand meistern können.

Zur Person: Der gebürtige Schärdinger (50) lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Leonding. Kumpfmüller war zuletzt Vorstandsmitglied der Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA).

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