Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt
tips.at als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen

Arbeitsklima Index zeigt: Arbeitslos zu werden, hat nachhaltige negative Folgen

Nora Heindl, 14.12.2020 11:43

LINZ/Ö. Im März sind in Österreich 120.000 Menschen arbeitslos geworden. Eine Auswertung des Österreichischen Arbeitsklima Index der AK OÖ zeigt: Sie haben mehr verloren als nur ihren Job, nämlich auch ihre beruflichen Perspektiven, ihre finanzielle Unabhängigkeit und oftmals ihre psychische Gesundheit. „Für ein menschenwürdiges Leben in der Arbeitslosigkeit braucht es dringend eine bessere finanzielle Absicherung jener Menschen, die ihren Job verloren haben“, sagt AK-Präsident Johann Kalliauer.

 (Foto: Boyloso/Shutterstock.com)
(Foto: Boyloso/Shutterstock.com)

Wer in Österreich seinen Job verliert, verliert fast die Hälfte seines Einkommens. Acht von zehn Arbeitslosen sagen, dass sie vom Arbeitslosengeld kaum oder gar nicht leben können. Sie sind daher in hohem Ausmaß auf finanzielle Zuwendungen aus dem privaten Umfeld oder von der öffentlichen Hand angewiesen. Ein Viertel erhält Geld vom Lebenspartner, ein Zehntel von den Eltern oder Großeltern. Rund die Hälfte der Arbeitslosen hat jedoch keinen Zugang zu zusätzlichen Finanzmitteln. Sie sind einzig und alleine auf das Arbeitslosengeld angewiesen.

Wenig Hoffnung auf Besserung

Arbeitslosigkeit hat aber nicht nur finanzielle Auswirkungen. Studien zeigen: Rund die Hälfte aller Beschäftigten, die arbeitslos waren, berichten noch fünf Jahre danach von negativen Folgen, die ihre psychische Gesundheit, die Wohn- oder die Beziehungssituation betreffen. Nur 54 Prozent der Arbeitslosen sind mit ihrem Leben zufrieden – unter den Personen in Kurzarbeit oder regulärer Beschäftigung sind es jeweils mehr als 80 Prozent.

Erschwerend kommt dazu, dass Arbeitslose derzeit wenig Hoffnung auf Besserung ihrer Lage haben. 44 Prozent glauben, dass sie die aktuelle Krise heftiger trifft als andere, knapp die Hälfte fühlt sich durch die Krise in der Existenz bedroht. Mehr als die Hälfte glaubt, wegen der Corona-Krise schlechte Chancen auf einen neuen Job zu haben. Der Arbeitsklima Index belegt, dass ihr Pessimismus begründet ist: Eine Unterbrechung der Erwerbskarriere hat langfristige negative Auswirkungen: geringere Einkommen, schlechtere Aufstiegschancen, oft wieder nur unsichere und befristete Beschäftigungsverhältnisse.

Finanzielle Absicherung für Arbeitslose

„In den vergangenen Monaten haben zehntausende Beschäftigte völlig unerwartet und unverschuldet ihren Arbeitsplatz verloren. Die allermeisten bemühen sich redlich, rasch wieder eine neue Beschäftigung zu finden. Angesichts der derzeitigen schwierigen Lage auf dem Arbeitsmarkt wird das nicht allen Corona-Arbeitslosen gelingen“, sagt AK-Präsident Johann Kalliauer und fordert eine echte finanzielle Absicherung für Arbeitslose: „Wer seinen Job verliert, verliert in Österreich fast die Hälfte seines zuletzt bezogenen Nettoeinkommens. Darum ist es höchst an der Zeit, die Nettoersatzrate von derzeit 55 auf mindestens 70 Prozent zu erhöhen.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden