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OÖ. Der erste Lockdown des Jahres 2020 aufgrund der Corona-Krise hat die Lebensmittelversorgung ins Zentrum gerückt. Sorgen um die ausreichende Versorgung und Hamsterkäufe wurden zu bestimmenden Themen. Welche langfristigen Änderungen des Einkaufsverhaltens dies zur Folge hatte, zeigt die Roll-AMA Auswertung der Agrar Markt Austria auf. „Bio-Lebensmittel legten entscheidend zu, ebenso Convenience-Produkte und lang haltbare Lebensmittel“, so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger (Archivfoto) (Foto: Land OÖ/Sabrina Liedl)
Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger (Archivfoto) (Foto: Land OÖ/Sabrina Liedl)

„Corona hat einen maßgeblichen Einfluss auf das Einkaufsverhalten und verstärkt bestehende Trends wie gestiegenes Gesundheitsbewusstsein und Sicherheitsdenken“, so Hiegelsberger.

Starkes Wachstum bei Lebensmittel

Die Roll-AMA Auswertung für das Jahr 2020 zeigt ein starkes Wachstum des Gesamtmarktes. Die Lebensmittelbeschaffung in den ersten drei Quartalen in Österreich macht demnach 5,7 Milliarden Euro aus. Dies bedeutet ein Wachstum von 14,1 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019.

„Die teilweise Schließung der Gastronomie und der Außer-Haus Verpflegung schlagen hier voll durch. Aus Sicht der landwirtschaftlichen Direktvermarktung ist auch die starke Performance abseits des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) erwähnenswert. Im zweiten Quartal erreichte der Lebensmittelabsatz abseits des Lebensmitteleinzelhandels einen Marktanteil von 9,8 Prozent, im Vergleich zu 8,6 Prozent im zweiten Quartal 2019. Das klingt nicht nach besonders viel, ist aber ein Unterschied von 68 Millionen Euro in nur einem Quartal“, so Hiegelsberger.

Regionaler Einkauf: kaum nachhaltige Verhaltensänderung

Aber: Das erhöhte Interesse der Menschen an Bezugsquellen in ihrer Nähe habe auch schnell wieder nachgelassen und sich im dritten Quartal im langjährigen Schnitt eingependelt. „Nachhaltige Verhaltensänderungen der Bevölkerung sind zumindest in diesem Punkt nicht zu bemerken. Daran ändert auch der große Zuspruch zur starken Versorgungsleistung der Landwirtschaft während des ersten Lockdowns wenig“.

Rekordjahr für Bio-Lebensmittel

Der Bioanteil am gesamten Lebensmitteleinkauf hat im dritten Quartal mit 10,3 Prozent wertmäßig und 10,4 Prozent mengenmäßig bisher unerreichte Rekordwerte erreicht. Das Umsatzwachstum im Vergleich zu 2019 betrug 21 Prozent. Besonders stark haben die Bioanteile bei Kartoffeln, Fruchtjoghurt und Fleisch zugelegt, das Wachstum erstreckt sich aber über alle Warengruppen. „Der Biomarkt hat sich im laufenden Jahr besonders dynamisch entwickelt. Das bezeugt die hohe Wertschätzung der Menschen für die starke heimische Bio-Landwirtschaft. Die Bioanteile in den verschiedenen Warengruppen sind recht unterschiedlich, von mehr als 20 Prozent bei der Trinkmilch bis 3,3 Prozent bei Wurst und Schinken. Hier ist also noch viel Luft nach oben und nur wenn sich die Anteile weiter steigern, können auch weitere heimische Bauernhöfe ihren Betrieb umstellen“, wünscht sich der Agrar-Landesrat.

Eigenversorgung im Fokus

Brandaktuell wurde die Empfehlung des Katastrophenschutzes dieses Jahr vor allem im Frühjahr, Lebensmittel für zwei Wochen im Haus zu haben. „Eine vermehrte Nachfrage nach lang haltenden Lebensmitteln wie Nudel und in Dosen abgefülltem Obst und Gemüse oder Tiefkühl-Lebensmitteln war die Folge. Diese Segmente haben sich auch übers ganze Jahr hinweg betrachtet gut entwickelt“, so Hiegelsberger.

Ein mehr als sattes Wachstum von 17 Prozent weisen aber auch Convenience-Gerichte, also (überwiegend) verzehrfertige Speisen aus dem Lebensmittelhandel in den ersten drei Quartalen 2020 auf. Fertige Teige haben als Spitzenreiter sogar um 23 Prozent zugelegt. Als Ersatz für die Gastronomie oder die Verpflegung am Arbeitsplatz wurde also vermehrt zu Fertiggerichten gegriffen. Neben dem populären eigenhändigen Schwingen des Kochlöffels ist auch das eine Folge des Corona-Jahres 2020.

2.800 Haushalte erfasst

Die Roll-AMA wird in Zusammenarbeit mit GfK und KeyQUEST Marktforschung durchgeführt. Es handelt sich um ein Haushaltspanel, bei dem 2.800 österreichische Haushalte Aufzeichnungen über ihre Lebensmitteleinkäufe führen. Erfasst werden Fleisch und Geflügel, Wurst, Milch und Milchprodukte, Käse, Obst, Gemüse, Eier, Erdäpfel, Tiefkühlprodukte, Fertiggerichte, aber nicht Brot und Gebäck. Die Einkaufsmengen und Ausgaben dieser repräsentativ ausgewählten Haushalte werden auf die Gesamtzahl der österreichischen Privathaushalte hochgerechnet und daraus diverse Kennzahlen berechnet. Die Daten geben somit Auskunft über die Einkäufe, die für den Haushalt getätigt werden. Nicht enthalten sind Individualeinkäufe sowie der Außer-Haus-Konsum.


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