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Online Redaktion, 11.05.2022 20:09

LINZ. Die Tabakfabrik, das ehemalige Postverteilerzentrum, das Nestlé-Areal die drei Areale haben eines gemeinsam: Sie haben die industrielle Vergangenheit von Linz geprägt und sollen nun mit neuem Leben gefüllt werden. Dies geht mit so einigen Kontroversen einher. Wie dies nachhaltig und erfolgreich gelingen kann, zeigt ein Blick in die Schweiz unter anderem in die Stadt Winterthur.

In einer alten Industriehalle hat die neue FH für Gesundheit Platz gefunden. (Foto: Stadler)
  1 / 6   In einer alten Industriehalle hat die neue FH für Gesundheit Platz gefunden. (Foto: Stadler)

Regelmäßig sorgen in Linz Bauprojekte für Aufregung, sei es das Projekt Quadrill bei der Tabakfabrik oder die Hochhäuser, die auf dem ehemaligen Nestlé-Gelände entstehen sollen. Doch Linz ist nicht alleine mit dieser Problematik. „Winterthur ist vielleicht das Linz der Schweiz“, so Andreas Sonderegger, Co-Leiter des Instituts Konstruktives Entwerfen der ZHAW School of Architecture. Die Stadt ist mit knapp 115.000 Einwohnern die sechstgrößte Stadt der Schweiz. Was die beiden Städte verbindet, ist ihre industrielle Prägung.

Geschichte fortschreiben

Das Unternehmen „Gebrüder Sulzer, Giesserei in Winterthur“ wurde 1834 gegründet und prägte als großes Industriegebiet Winterthur nachhaltig. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann eine Wachstumsphase: Im Werk Oberwinterthur wurde rege gebaut, wodurch sich die Fläche des Fabrikareals innerhalb eines Vierteljahrhunderts verdreifachte. 1961 übernahm Sulzer die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM). Insgesamt hatte das Unternehmen in den 60er-Jahren rund 30.000 Mitarbeiter, rund 10.000 am Areal in Winterthur. Die Ölkrise der Siebzigerjahre leitete das Ende des Aufschwungs ein. Ende der 80er-Jahre schloss Sulzer den Standort in Winterthur. Nun war die Stadt mit einem rund 20 Hektar großen, leerstehenden Industriegebiet konfrontiert – also einem Gebiet größer als die danebengelegene Altstadt. Ein erster Anlauf, das Areal mit einem Großprojekt zu entwickeln, scheiterte am Widerstand der Bevölkerung. Was folgte sind verschiedene Zwischennutzungen und die Erstellung eines Konzeptes für das Areal für eine behutsame Entwicklung. „Die Identität ist das Wichtige. Die Gebäude sind eine Geschichte, die sich jetzt fortschreibt“, betont der Winterthurer Stadtbaumeister Jens Andersen.

Material wiederverwenden

Eine der Zwischennutzungen war die ZAHW School of Architecture, die bereits 1990/91 in die ehemalige Kesselschmiede einzog – und blieb. „Es war eigentlich als Provisorium gedacht“, erzählt ZAHW-Direktorin Oya Atalay Franck. Dementsprechend auch das Motto beim ursprünglichen Umbau der riesigen Industriehalle zur Fachhochschule: „Einfach nicht viel bauen, nur das machen, was notwendig ist.“ Dementsprechend wurden auch viele Materialien recycelt und wiederverwendet. Diese Mentalität des Weiterverwendens von Baustoffen, das Nutzen des Bestandes und von nachhaltigen Baumaterialien zieht sich auch über das weitere Areal.

Von der Schweiz lernen

„Wir können da von der Schweiz lernen, von dem leidvollen Weg. Den haben wir zum Glück in Oberösterreich nicht“, betont Wirtschafts- und Raumordnungslandesrat Markus Achleitner. „Wir müssen auch so weit kommen, dass wir bei Altbeständen Ausnahmen nutzen.“ Ein Beispiel: Ist die vorgeschriebene Deckenhöhe 3,20 Meter, wird sich bei 2,80 Meter „trotzdem niemand den Schädel anhauen. Wir müssen das genehmigungsfähig machen“.


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