Gegenseitige Rücksicht als große Herausforderung
LINZ. Konflikte im dichten Linzer Verkehrsalltag sind nichts Neues. Die gegenseitige Rücksichtnahme lässt oft zu wünschen übrig. Mit neuen Verkehrsregelungen und einem Umdenken in der Mobilitätsplanung könnte sich das ändern.

Mit der Neufassung der österreichischen Straßenverkehrsordnung, die am 1. Oktober in Kraft treten soll gibt es einige Änderungen, die vor allem für Radfahrende und Fußgänger Verbesserungen bringen sollen. In Linz wird das Rechtsabbiegen bei Rot für Radfahrer durch die städtische Mobilitätsplanung bereits vorbereitet. Dafür wurden rund ein Dutzend Kreuzungen ausgewählt, die als Testlauf dienen sollen. Gestartet werden soll in Linz an der Kreuzung Landstraße/Bürgerstraße.
Umdenken in der Planung
Die Abteilung Mobilitätsplanung im Linzer Magistrat hat mit Roman Minke seit 1. Juni einen neuen Leiter und die Stadt Linz mit Vizebürgermeister Martin Hajart (ÖVP) seit März 2022 einen neuen Mobilitätsreferenten. Dieser kündigte an, in seinem ersten Jahr in der Stadtspitze vorhandene Handlungsspielräume für die Begleitung der Mobilitätswende nutzen, die als wesentliche Schwerpunkte das Fahrrad, eine verstärkte Bürgerbeteiligung und die Förderung sonstiger nachhaltiger Mobilitätsformen zum Ziel hat.
„Infrastruktur für alle Verkehrsbedürfnisse“
Auch Roman Minke scheint es ein Anliegen zu sein, die Verteilung des Verkehrsraumes neu zu denken: „Durch ein geändertes Mobilitätsverhalten hat sich mittlerweile die Anforderung an die Infrastruktur deutlich verändert. Das Ziel ist, dass der bestehende Flächenkonflikt nicht zwischen den Verkehrsteilnehmenden ausgetragen wird, sondern langfristig ausreichend Infrastruktur für alle Verkehrsbedürfnisse zur Verfügung steht. Die Neuverteilung des öffentlichen Raumes ist jedoch ein zwingendes Erfordernis in diesem Vorhaben“, so der Leiter der Abteilung für Mobilitätsplanung der Stadt Linz.
Mobilitätserhebung 2022 als Datengrundlage
Genau diese Denkweise fordert auch die Radlobby Linz ein. Für die Verbesserung der gegenseitige Rücksichtnahme müsse eine Infrastruktur geschaffen werden, so deren Sprecher Thomas Hofer. Räume müssten besser definiert werden und die Verbesserungen für die einen nicht auf Kosten anderer gehen. Hier scheinen sich also alle einig zu ein.
Eine gute Datengrundlage für die unterschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen Verkehrsteilnehmer soll die Mobilitätserhebung 2022 schaffen. Die Ergebnisse der landesweiten Befragung im Oktober bilden die Basis für zukünftige Infrastruktur-, Verkehrs- und Mobilitätsplanungen. Aber auch eine noch so sorgfältige Planung kann nur als Grundlage dienen, für den Umgang miteinander sind letztlich dennoch die Verkehrsteilnehmer verantwortlich. Mit dem „Rücksichtnahmegebot“ ist dies seit 2011 auch gesetzlich verankert. Passend dazu erschien die kostenlose Broschüre für einen respektvollen Umgang im Straßenverkehr, die anhand von Beispielen erklärt, wie man Konfliktsituationen im Verkehrsalltag lösen kann.
Es wird wohl eine Mischung aus beidem brauchen: eine zukunftsorientierte Mobilitätsplanung, die auf einer aussagekräftigen Datengrundlage beruht und Verkehrsteilnehmende, die im Straßenverkehr mehr Gelassenheit üben und gegenseitig mehr Rücksicht aufeinander nehmen.


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