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Busspur unterm Lentos soll für Schiffstourismus verbreitert werden

Nora Heindl, 28.11.2023 13:22

LINZ. Busse, die zu den Anlegestellen unterhalb des Lentos fahren und (Tages-)Touristen von den Schiffen abholen, sollen mehr Platz bekommen, nur zum Halten, nicht zum Parken: So das Vorhaben von Vizebürgermeister Martin Hajart (VP). Für die WGD Donau OÖ Tourismus GmbH bedeutet das mehr Sicherheit, Kritik kommt von den Grünen, der FPÖ und LinzPlus.

Rendering (Foto: atelier dede)
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Im Verkehrsausschuss am kommenden Montag, 4. Dezember, steht der Antrag auf der Agenda, eine Sitzstufe zu entfernen und dadurch die Fahrbahn um 60 cm zu verbreitern. „Das ist eine Maßnahme zur Förderung des Tourismus“, erklärt Hajart. Denn der Schifffahrtstourismus locke viele Gäste in die Stadt. Heuer legten 1.410 Schiffe an, der in Linz zuordenbare Umsatz beträgt 17,26 Millionen Euro: „Die Zahlen belegen deutlich, welchen Wert der Schifffahrtstourismus für Linz hat“, sagt Hajart: „Deshalb müssen wir auch darauf schauen, dass die Zu- und Abfahrtswege für die Busse möglichst sicher sind – die Verbreiterung der Straße ist deshalb sinnvoll.“

Konkret geht es um eine Fläche von insgesamt 66 Quadratmetern – der Streifen ist rund 60 Zentimeter breit und rund 95 Meter lang, die durch Entfernen einer Sitzstufe zusätzlich als Verkehrsfläche zur Verfügung stehen soll. „Dadurch haben Busse dann mehr Platz“, weiß Hajart, der ergänzt: „Das erleichtert die Zufahrt sowie das Aus- und Einsteigen.“

Kritik, dass dieser der Stadt außer viel Ärger, Lärm und Müll nichts bringe, lässt er nicht gelten. „Es stimmt nicht, dass Schifffahrtstouristen kein Geld in der Stadt ausgeben. Diese Touristen sind genauso wichtig für Linz wie alle anderen“, sagt Hajart. Passagiere, die in Linz bleiben, kommen auf durchschnittlich 23 Euro pro Person pro Tag, Passagiere mit Tagesausflug zeitbedingt auf 14 Euro pro Person pro Tag.

Gleichzeitig legt Hajart auch einen Vorschlag der Linzer Volkspartei vor, wie die Donaulände vor dem Lentos für die freizeitsuchenden Linzer aufgewertet werden könnte: „Durch mehr Bäume, Steingärten, Sitzgelegenheiten und einem Weg würde die Attraktivität deutlich steigen, wie entsprechende Visualisierungen zeigen.“

Verbreiterung der Fahrbahn bringt mehr Sicherheit

Nach jahrelangen Bemühungen freut sich die WGD Donau Oberösterreich Tourismus GmbH, dass am kommenden Montag der Antrag auf eine Verbreiterung der Fahrbahn beim Verkehrsausschuss der Stadt Linz gestellt wird. Das Vorbeifahren oder -bewegen an kurz anhaltenden Fahrzeugen (Pkw, Busse und Lkw) zum Ein- und Ausstieg von Gästen, zur Lieferung von Waren oder zum Pflegen der Länden werde dadurch deutlich verbessert.

Die Umbauarbeiten werden nach Vorliegen aller Genehmigungen durch die WGD Donau Oberösterreich Tourismus GmbH realisiert. Die bestehende Sitzstufe bleibe mit einer Breite von 40 cm erhalten. Es werden keine Veränderungen am Grünstreifen vorgenommen. „Wir wissen, dass die Donaulände in Linz ein beliebtes Naherholungsgebiet ist und wollen den Erholungsraum selbstverständlich erhalten, aber es ist uns auch ein großes Anliegen die Sicherheit aller Nutzer der Fahrbahn zwischen Lentos und Schifffahrtslände sicherzustellen“, so Geschäftsführerin Petra Riffert.

Aufenthaltsqualität darf nicht für den Kreuzfahrttourismus geopfert werden 

„Dieses als Tourismus-Förderungs-Maßnahme angepriesene Vorhaben ist nichts anderes als ein Eingriff in eines der zentralsten Naherholungsgebiete in unserer Stadt. Dass die Aufenthaltsqualität der Bürger einmal mehr unter dem Schifffahrtstourismus leiden soll, ist nicht einzusehen“, spricht sich Klubobmann Helge Langer klar gegen die Pläne aus.  

Gerade an heißen Tagen sei davon auszugehen, dass die Busse zumeist mit eingeschalteter Klimaanlage und laufendem Motor auf die Schiffs-Touristen warten. „Dass sich das auf die Luft- und Aufenthaltsqualität negativ auswirkt, ist völlig klar. Schließlich wird sich niemand an die Donau setzen, um auf parkende Busse, statt auf den Fluss zu schauen und Abgase, statt Frischluft einzuatmen“, fordert der Grüne Klubobmann das Vorhaben noch einmal zu überdenken.

Warum die Busse unbedingt im Bereich des Lentos halten müssen und dafür nun auch noch mehr Platz geschaffen werden soll, sei auch insofern völlig unverständlich, da es ja bereits nahegelegene Haltemöglichkeiten gäbe, wo die Gäste ein- und aussteigen können, zum Beispiel bei der Oberbank. Zudem haben die Grünen bereits im Vorjahr vorgeschlagen, untertags die Umkehrschleife vor dem Brucknerhaus zu nutzen, da dort während des Tages – also in der Zeit, in der die Passagiere zumeist abgeholt und wieder zurückgebracht werden – kaum Veranstaltungen stattfinden.

„Skandalöser Umbau für Busse wird nun offenbar durchgezogen“

Gemeinderat Lorenz Potocnik (LinzPlus): „Das ist grotesk und macht mich wirklich fassungslos und wütend. Kann diese Stadt endlich einmal aufhören grob zu pfuschen und anfangen professionell zu planen sowie die selbst gesteckten Ziele ernst zu nehmen?“

Tourismus-Referentin Doris Lang-Mayrhofer könne noch so oft betonen, dass dort nicht geparkt wird, die Realität sehe komplett anders aus. Busse würden stundenlang stehen, immer mit laufenden Motoren, im Winter um zu heizen, im Sommer für die Klimaanlage. Keiner sanktioniere oder regle das. „Ich habe es in den letzten Monaten selbst erlebt, dass dort fünf Busse hintereinander mit laufenden Motoren stehen. Defacto wird also ein Busparkplatz beim Lentos und vor einem Aufenthaltsbereich geplant“, so Potocnik.

Für ihn richtig wäre, die Busse oben auf der Unteren Donaulände parken zu lassen, die Gäste müssten die zwei Hundert Meter zu Fuß gehen. Für Menschen mit Gehbehinderung könne ein eigenes Shuttle betrieben werden.

FPÖ fordert mehr Augenmaß in Linzer Planungs- und Verkehrspolitik

„Wir wollen doch nicht wirklich unser innerstädtische Naherholungsgebiet zerstören und zu einem Busbahnhof ausbauen?“ kritisiert FP-Stadtrat Michael Raml die Pläne. Die Freiheitlichen werden dem Umbau nicht zustimmen und plädieren für eine pragmatische Lösung im Sinne aller: „Es gibt genug Busparkplätze direkt gegenüber der Schiffsanlegestelle vor der Oberbank. Der kurze Fußweg von nur zwei Schiffslängen ist Touristen zumutbar. Dort stören Busse nicht, das Stadtbild wird nicht beeinträchtigt und man müsste auch nicht für viel Geld in den Grünraum eingreifen.“

Sicherheitsstadtrat Raml fordert generell mehr Augenmaß in der städtischen Planungs- und Verkehrspolitik. „Einerseits vernichten SPÖ, ÖVP und Grüne unzählige dringend benötigte Parkplätze für Bewohner und Kunden in der Innenstadt um sündhaft teure Bäume zu pflanzen. Gleichzeitig soll ein Busparkplatz direkt neben den Grünflächen an der Donaulände entstehen. Beide Maßnahmen sind überschießend. Wir brauchen wieder mehr Augenmaß und Hausverstand in der städtischen Planungs- und Verkehrspolitik!“


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