„Meine Mitarbeiterinnen haben Angst“: Linzer KiK-Filiale kämpft mit Drogenhandel und Übergriffen
LINZ. Teils aggressive Übergriffe, die Verkaufsfläche als Toilette, Drogenhandel vor der Eingangstür und sogar im Geschäft: Solchen Vorfälle sind für die Mitarbeiterinnen der KiK-Filiale in der südlichen Landstraße trauriger Alltag.

Viele Seiten füllen bereits die schriftlichen Aufzeichnungen der vergangenen beiden Monate, die in der KiK-Filiale gegenüber dem Volksgarten zu unglaublichen Vorfällen geführt werden. „Wir hatten zum Beispiel eine Dame nur in Unterhose und Daunenjacke, die ins Geschäft kam, um sich vor einem Regal zu erleichtern – und dann – sich bedankend nach dem 'Toilettenbesuch' – das Geschäft wieder verließ“, schildert Klara Geringer, KiK-Verkaufsleiterin Österreich, beim Lokalaugenschein von Tips gemeinsam mit Vizebürgermeister Martin Hajart (ÖVP).
Diebstahl, körperlicher Angriff
Fast täglich würden die Mitarbeiterinnen getragene Schuhe und verschmutzte Kleidung im Geschäft finden. Mit neuer Kleidung – die Sicherung herausgezwickt – wird das Geschäft verlassen. Die Teamleiterin der Filiale, Karyna Shkliaruk, wurde zudem körperlich angegriffen, zeigt ein Bild mit deutlich erkennbaren Würgemalen. Diese massiven Probleme verursachen suchtkranke Personen, „die vor der Filiale schlafen, leben, wohnen, einfach nicht mehr Herr ihrer eigenen Sinne sind und denen sämtliche Konsequenzen egal sind“, so Geringer. Für das Team ist die Situation sehr belastend. „Es ist echt schwierig, meine Mitarbeiterinnen zu motivieren, ich hatte mehr als zehn Kündigungen, weil sie einfach Angst hatten. Wir wissen nicht, was uns erwartet“, schildert Shkliaruk.
So können die Mitarbeiterinnen auch nicht nur regelmäßig beobachten, wie vor der Filiale auf offener Straße gedealt werde. Auch das Geschäft selbst wird für den Drogenhandel genutzt. „Da werden Sackerl in Waren versteckt, der Nächste kommt dann schon hinterher, um es sich zu holen“, so Klara Geringer, selbst gebürtige Linzerin.
Security im Einsatz
Helfen kann sich das Unternehmen nur mit eigener Security, die täglich ab Mittag im Einsatz ist. „Wir tragen ja nicht nur unseren Mitarbeiterinnen, sondern auch unseren Kunden gegenüber Verantwortung“, so Geringer. Das verursacht natürlich zusätzliche hohe Kosten, rund 10.000 Euro monatlich. Linz sei die einzige KiK-Filiale in Österreich, wo es in dieser Form Security brauche.
Dauerbrenner Hauptbahnhof
Vizebürgermeister Hajart beobachtet eine „zunehmende Verwahrlosung“ der Innenstadt. Für ihn hat auch die Situation vor dem Hauptbahnhof „ein hinnehmbares Ausmaß überschritten: Der Bahnhof und der Volksgarten mit der südlichen Landstraße sind der erste Eindruck für Ankommende. Es geht um ein gutes Erscheinungsbild, aber auch darum, dass sich die Menschen sicher und wohl fühlen.“ Er bekräftigt seine Forderung nach einem Alkoholverbot beim Hauptbahnhof sowie nach konsequenten Kontrollen. Angesichts einer Tendenz hin zu härteren Drogen brauche es auch stärkeres gesundheits- und sozialpolitisches Engagement für Suchtkranke.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden