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100-Jahr-Jubiläum: „Zu Beginn galt eine Obfrau für die Imker-Ortsgruppe in Maria Anzbach als Experiment“

Michaela Aichinger, 25.08.2018 08:30

MARIA ANZBACH. Die Imker-Ortsgruppe feiert Mitte September ihr 100-jähriges Bestandsjubiläum. Tips stattete aus diesem Anlass Obfrau Christine Simek einen Besuch ab.

Die Maria Anzbacherin Christine Simek ist die einzige Imker-Obfrau im Bezirk. Foto: mai
Die Maria Anzbacherin Christine Simek ist die einzige Imker-Obfrau im Bezirk. Foto: mai

15 Mitglieder, Tendenz steigend, vereint die Imker-Ortsgruppe Maria Anzbach 100 Jahre nach ihrer Gründung 1918. „Der niedrigste Mitgliederstand war 2007 mit acht Personen. Jetzt geht es wieder bergauf. Mich freut besonders, dass der Frauenanteil bei uns 40 Prozent beträgt. Im Landesverband sind es nur 20 Prozent“, unterstreicht Simek, die 2011 zur Obfrau gewählt wurde.

Einzige Obfrau im Bezirk

Somit ist die Ortsgruppe Maria Anzbach die einzige im Bezirk, die von einer Obfrau geleitet wird. „2011 galt es noch als Experiment, eine Frau zu wählen. Jetzt ist das kein Problem mehr. Ich bin gerne und immer für meine Mitglieder da. Sie schätzen das. Heuer hatte ich drei Neuzugänge“, betont Simek. Lange Jahre habe der Frauenanteil bei null Prozent gelegen. „Marie Theres Waldherr war die erste Frau, die der Ortsgruppe beitrat“, erklärt die Obfrau.

Eine bewegte Geschichte

Gegründet wurde die Ortsgruppe durch den Grabenseer Schulleiter und Wanderlehrer Karl Gaar. 27 Imker aus Anzbach und den umliegenden Gemeinden wie Neulengbach, Johannesberg und Eichgraben, das damals noch eine Katastralgemeinde von Anzbach war, meldeten ihren Beitritt. 1923 kam es zur Abspaltung von Eichgraben. Da die Mehrheit der Imker aus dieser Gemeinde stammte, ließ das Interesse am Vereinsleben in Anzbach stark nach, sodass sich der Verein der Anzbacher Imker mangels Mitglieder 1927 auflösen musste. „1937 wurde der Imkerverein nach zehnjähriger Pause durch den legendären Schuldirektor Anton Biegenzahn mit 20 Mitgliedern neu gegründet. Er führte die Ortsgruppe bis zu seinem Tod 1981 44 Jahre und war somit der längstdienende Obmann“, erinnert Simek.

Viele Herausforderungen

Die Ortsgruppe war und ist immer wieder mit Problemen konfrontiert. „1989 gab es den ersten Varroaverdacht, der zu massiven Völkerzusammenbrüchen durch die Varroatose [Anm. d. Red.: brutschädigende, parasitäre Bienenkrankheit“ führte“, berichtet Simek. Zudem sei in der Nachbargemeinde Asperhofen im Jahr 2000 die Amerikanische Faulbrut aufgetreten.

Hybridbienen & Paraffinwerte

„Ein Problem, das uns bis heute begleitet, sind zum Teil illegal importierte Hybridbienen wie beispielsweise die „Buckfastbiene“. Paart sich eine solche Biene mit einer Carnica-Biene, so können aggressive Bienen daraus entstehen“, kritisiert Simek, die sich zudem für EU-weite Richtlinien im Bereich des Bienenwachses für Mittelwände im Bienenstock einsetzt. „2018 sickerte durch, dass das Bienenwachs für die Mittelwände bereits so viel Paraffin [Anm. d. Red.: Abfallprodukt aus der Erdölindustrie“ enthält, dass es parfümiert und eingefärbt werden muss. Die Folge ist eine Schwächung der Bienenvölker. Nach einer Mail-Anfrage an das Gesundheitsministerium über den Grenzwert für Paraffin in den Mittelwänden sowie eine Kennzeichnungspflicht kam prompt die Antwort, dass das Problem EU-weit bekannt sei, es aber keine Richtlinien gebe. Die Angelegenheit wird vom Ministerium in der EU vorgetragen“, berichtet Simek.

Geringe Honigernte

„Heuer im Frühjahr hat alles auf einmal geblüht und die Bienen sind mit dem Honigsammeln nicht nachgekommen. Dann kam Regen, dann Hitze und Trockenheit. Resultat ist, dass die Pflanzen zu wenig „honigen“. Das heißt, dass der Nektar nicht so flüssig ist, wie er sein sollte“, erklärt Simek die geringe Honigernte im heurigen Jahr. Besorgniserregend sind für die Obfrau aber immer noch die Bienenverluste, die man sich als Imker nicht erklären kann: „Das ist das Schlimmste, das nervt richtig“. Betrug die Anzahl der Bienenvölker 1963 in der Ortsgruppe Anzbach noch 218 Stück, so gibt es derzeit laut Simek etwa 37.

Jubiläumsfeierlichkeiten

Trotz der zahlreichen Herausforderungen, mit denen die Ortsgruppe konfrontiert ist, darf zum 100. Geburtstag eine Feier nicht fehlen. So wird am 16. September um 9 Uhr gemeinsam mit dem Kirchenchor eine Festmesse in der Wallfahrtskirche zelebriert. Danach geht im Gemeindeamt ein Festakt mit Josef Gfatter, dem zweiten Landesvizepräsidenten des Niederösterreichischen Imkerverbandes, und mit der Bürgermeisterin Karin Winter (ÖVP) über die Bühne. „Den   Abschluss bildet ein gemütliches Beisammensein mit Kaffee und Kuchen“, lädt Simek alle Interessierten zum Festakt ein.

Jubiläumsfest

Sonntag, 16. September, 9 Uhr

Wallfahrtskirche Maria Anzbach

Infos: Tel. 02772/55044


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