Landflucht ist vor allem im Süden des Bezirks ein Thema
STEYR-Land. In Oberösterreich gibt es viele starke Gemeinden und Regionen. Doch auch hier macht die Landflucht nicht Halt. Trotz Bevölkerungswachstum verliert ein Drittel der Gemeinden Einwohner. Als Regionalmedium greift Tips das Thema Landflucht im März auf und gibt einen Überblick über die Situation im Bezirk.

Die Einwohnerzahl im Bezirk Steyr-Land ist in den letzten Jahren stetig leicht auf rund 60.000 gestiegen. Vor allem die Gemeinden rund um Steyr verzeichnen einen Zuwachs. Betrachtet man die sogenannten Wanderungssalden (Zu- und Abwanderung), sticht Bad Hall hervor. Zwischen 2010 und 2016 hat die Kurstadt auf diesem Weg 651 Gemeindebürger gewonnen.
Attraktiver Wohnraum
„Dafür gibt es mehrere Faktoren. In den letzten Jahren wurde viel attraktiver Wohnraum in zentraler Lage geschaffen. Außerdem haben meine Vorgänger vieles richtig gemacht. Zum Beispiel mit der Neugestaltung des Stadtplatzes oder mit der Landesgartenschau“, sagt Bürgermeister Bernhard Ruf (ÖVP). Große Unternehmen wie Agru oder die Eurothermen bieten zudem viele Arbeitsplätze. Auch 70 Plätze für Asylwerber und die Altenheime haben sich positiv auf den Wanderungssaldo der Kurstadt ausgewirkt. Aktuell hat Bad Hall 5200 Einwohner, Tendenz steigend.
An der 10.000er-Marke
Die einwohnerstärkste Gemeinde im Bezirk ist Sierning, auch hier hat man im Zeitraum zwischen 2010 und 2016 eine deutlich positive Wanderungsbilanz. „Es sind rund 300 Wohnungen dazugekommen, das wirkt sich natürlich direkt aus. Es sind viele junge Familien dazugekommen. Unsere Hauptzuzugsgemeinde ist mit Abstand Steyr“, sagt Bürgermeister Manfred Kalchmair (SPÖ). Laut Prognose wird die Marktgemeinde in fünf Jahren die 10.000-Einwohner-Marke überschreiten. Ein großes Wachstum wird in Sierning allerdings gar nicht angestrebt, weil man sonst massiv investieren müsste, etwa in die Schulinfrastruktur.
Neunmal negativer Saldo
Elf Gemeinden in Steyr-Land haben zwischen 2010 und 2016 einen positiven Wanderungssaldo, neun einen negativen. Die größte Abwanderung musste Maria Neustift hinnehmen (-95). Weil die Einwohnerzahl seit rund 30 Jahren konstant bei etwa 1600 liegt, macht sich Bürgermeister Martin Haider (ÖVP) keine großen Sorgen. Die Geburtenbilanz ist hier nämlich positiv, auch wenn die klassischen Großfamilien auch in Maria Neustift schon selten geworden sind. Mit mehreren Maßnahmen wird der Abwanderung entgegengewirkt. „In den letzten Jahren sind vier Mehrparteienhäuser im Ort gebaut worden. Außerdem werden aktuell 50 Baugründe zu einem leistbaren Preis erschlossen“, erzählt Haider.
Studenten wandern ab
Hauptgrund für die negative Wanderungsbilanz sei, dass viele Studenten den Ort verlassen. „Einige kommen mit der Familie zurück, weil sie die Ruhe und das Vereinsleben bei uns schätzen. Viele kommen aber nicht zurück, weil die entsprechenden Arbeitsplätze fehlen“, weiß Haider. Dass Senioren in ein Altersheim in eine andere Gemeinde gehen, ist in Maria Neustift äußerst selten. Zur Entlastung der pflegenden Angehörigen kümmern sich zweimal in der Woche Ehrenamtliche im Haus der Dorfgemeinschaft um die Senioren.
Steyr hat Wende geschafft
In den Jahren 2010 bis 2012 war die Wanderungsbilanz der Stadt Steyr stets negativ, 2013 ist der Umschwung gelungen. Seitdem ist der Saldo immer positiv gewesen. Kumuliert ergibt sich in den Jahren 2010 bis 2016 ein Plus von 241 Menschen. Verstärkter Wohnbau und das Bemühen, dass Studenten ihren Hauptwohnsitz in Steyr behalten, wirken sich positiv aus.


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