Cybermobbing und Online-Sucht – ein Mattighofner Polizist klärt auf
MATTIGHOFEN. Mit dem neuen Schuljahr startete die Polizei bundesweit das neue Präventionsprogramm „Under 18“ für Jugendliche ab 13 Jahren. Der Präventionsbeamte Klaus Erkner aus Mattighofen war nicht nur an dessen Entwicklung beteiligt, sondern ist selbst seit 20 Jahren in Schulen unterwegs, um mit Kindern und Jugendlichen gewalt- und suchtrelevante Themen aufzuarbeiten. Dabei spielt das Internet eine immer größere Rolle. Tips gab er einen kleinen Einblick in seine Arbeit.

Tips: Wie sind Sie zum Präventionsbeamten geworden?
Klaus Erkner: Das hat sich damals so ergeben. Ich war in der Kriminaldienstgruppe und Prävention wurde immer mehr zum Thema. Also hab ich die entsprechenden Ausbildungen und Kurse gemacht. Bei den ersten großen Projekten wurde ich als Projektentwickler eingeladen. Dabei hab ich vor allem Unterrichtsmethodiken ausgearbeitet. Mittlerweile schule ich Präventionsbeamte in ganz Österreich.
Tips: Wie kann man sich Ihre Arbeit an den Schulen denn genau vorstellen?
Erkner: In jede Klasse komme ich zwischen zwei- und viermal. Dabei mache ich in erster Linie Workshops, in denen gewalt- und suchtrelevante Themenbereiche aufgearbeitet werden. Ich bin kein Fan vom Berieseln lassen. Die Jugendlichen sollen selbst recherchieren, so bleiben die Inhalte bei ihnen auch hängen. Und dabei erkennen sie auch, dass das Smartphone nicht nur zum Zocken da ist, sondern auch, um an Wissen zu gelangen. Meist wird ihnen schon in der Vorstellungsrunde bewusst, wie viel Zeit sie eigentlich online verbringen. Das steht oft in keinem Verhältnis mehr zu den anderen Freizeitaktivitäten.Wichtig ist es, dass die Jugendlichen verstehen, dass sie in ihrer Online-Zeit selbst viel bewirken können und verschiedenen Einflüssen ausgesetzt sind. Sie sollen in den Workshops auch ein gewisses Unrechtsbewusstsein lernen. Meinungsfreiheit ist super, aber sie darf nicht soweit gehen, dass ich andere damit beleidige oder diskriminiere. Sie sollen Grenzen erkennen und die Rechte anderer respektieren. Etwa dass man keine Fotos von Personen ohne deren Einverständnis online stellt.
Tips: Sie machen das mittlerweile seit 20 Jahren. Was hat sich seither verändert?
Erkner: Die Schwerpunkte haben sich massiv geändert. Online war in den Anfangszeiten noch ein Randthema. Das Thema Mobbing ist zwar nicht mehr oder weniger geworden, das hat es immer schon gegeben, aber die Form hat sich mittlerweile geändert. Das Internet bietet dazu mehr Möglichkeiten und ein größeres Publikum. Und wer es geschickt macht, bleibt auch noch anonym. Dabei sollte man nicht denken, in ländlichen Gegenden ist man von so etwas nicht betroffen, denn das Internet ist überall.
Tips: Welchen Gefahren im Internet sind Jugendliche neben Cybermobbing noch ausgesetzt?
Erkner: Das wäre etwa ein unbedachter Umgang mit persönlichen Fotos. Das sogenannte „Sexting“ ist ein Phänomen, wo Jugendliche erotische Fotos und Videos untereinander verschicken und sich damit angreifbar machen. Beim „Grooming“ erschleichen sich Erwachsene mit Fake-Profilen das Vertrauen der Kinder und Jugendlichen, um sexuelle Kontakte anzubahnen. Auch Abzocke ist für Jugendliche eine Gefahr. Viele Apps und Spiele scheinen auf den ersten Blick kostenlos. Doch wenn man weiter kommen und besser werden will, muss man Dinge dazukaufen.
Tips: Und wie kann man Kinder und Jugendliche davor schützen?
Erkner: Von Handy- und Internetverboten halte ich wenig. Das Freizeitverhalten hat sich nunmal verändert und das ist ein Teil davon. Viel sinnvoller ist es, ihnen den richtigen Umgang mit dem Medium und mögliche Einflüsse näherzubringen. Dies müsste auch noch mehr in den schulischen Bereich eingebunden werden, wobei es bereits viele Schulen gibt, die dem gegenüber aufgeschlossen sind. Auch die Präventionsarbeit der Polizei wird von den Schulen gut angenommen. Aber auch die Eltern sind gefordert, ein wenig moderner zu sein und ihren Kindern nicht nur das Medium zu überlassen, sondern es gemeinsam mit ihnen zu entdecken und zu erforschen. Welche Eltern wissen schon, wie etwa ein Online-Spiel funktioniert?
Kurzum: Jugendliche sollten ihren Weg gehen und selbst entdecken, aber sich von Erwachsenen ein paar Wegweiser mitgeben lassen. Die Erwachsenen wiederum sollten sich für die Themen der Jugend interessieren, damit sie diese Wegweiser zur Verfügung stellen können.
Tips: Ist das auch Ihr Erfolgsrezept, wie Sie die jungen Leute am besten erreichen?
Erkner: Als Präventionsbeamter muss man sich natürlich mit der Welt der Jugendlichen auseinandersetzen. Ich zeige ihnen, dass ich weiß, wovon ich rede und stehe nicht allem grundsätzlich negativ gegenüber – und das wird sehr gut angenommen. Ich bin aber trotzdem noch Polizist und mache auch auf die rechtlichen Themen aufmerksam. Schließlich müssen Jugendliche ab 14 Jahren strafrechtliche Konsequenzen selbst tragen.


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