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Mahnmal zum Gedenken an die 1.300 Euthanasie-Opfer der Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling enthüllt

Thomas Lettner, 13.05.2019 10:44

MAUER. Im Festsaal des Landesklinikums Mauer wurde am 8. Mai, dem 74. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht, der Abschluss des Sparkling Science-Projekts „Geschlossene Anstalt? Die Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling in der NS-Zeit und im kollektiven Gedächtnis“ präsentiert.

  1 / 3   Künstler Florian Nährer bei seiner Ansprache. Das Mahnmal trägt den Namen „Himmelstreppe“ und besteht aus übereinander geschichteten alten Grabsteinen. Fotos: Thomas Lettner

Zwei Jahre lang haben Schüler der ersten und zweiten Klasse des Aufbaulehrgangs Wirtschaft (ALW) der Fachschule Amstetten über die Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling und die darin begangenen Euthanasie-Verbrechen geforscht. Angeleitet von einem Projektteam des Injoest (Institut für jüdische Geschichte Österreichs) und Lehrer Erwin Eigenthaler setzte man sich zunächst mit dem Konstrukt von „Behinderung“ und dem Berufs- und Menschenbild der Pflege in der NS-Zeit auseinander. Die Schüler forschten darauf in im NÖ Landesarchiv aufbewahrten Krankengeschichten. Auch Exkursionen wie ins Schloss Hartheim, Lesungen und Workshops waren Teil des Projekts.

Biographien von Tätern und Opfern

In weiterer Folge führten die Schüler neun Video- und Audiointerviews mit Nachkommen ehemaliger Opfer und Täter durch und erstellten zu den darin beschriebenen Personen sechs Biographien. So entstanden Lebensgeschichten zu drei Opfern und zwei Tätern. „Mir ging ein Interview so nahe, dass ich nachts nicht schlafen konnte. Im Gespräch mit den anderen Schülern und Lehrern lernt man aber, sich zu distanzieren“, berichtete eine Schülerin.

Film ab Herbst

Aus Teilen der Videointerviews bastelten einige Schüler einen Film, vom dem ein kurzer Ausschnitt präsentiert wurde. Der fertige Film wird heuer im Herbst wahrscheinlich im Cineplexx Amstetten gezeigt. Im September ist ein Citizen Science-Projekt gemeinsam mit der Krankenpflegeschule des Landesklinikums Mauer geplant, in dem inhaltlich an die Forschungsergebnisse angeknüpft wird.

Mahnmal aus Grabsteinen

Im Anschluss an die Abschlusspräsentation wurde im Garten der Krankenpflegeschule ein Mahnmal im Gedenken an die 1.300 ermordeten Patienten der Heil- und Pflegeanstalt enthüllt. Das Mahnmal des Künstlers Florian Nährer trägt den Namen „Himmelstreppe“, besteht aus übereinander geschichteten alten Grabsteinen und ist der Jakobsleiter aus dem Alten Testament nachempfunden. Der Künstler erklärte, dass er selbst einen geistig beeinträchtigen Sohn habe und ihn deshalb das Schicksal der Patienten von damals sehr berühre. Das Mahnmal sei auch eine Anspielung an das Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“, das von vier Tieren handelt, die ihren Besitzern aufgrund ihres Alters nicht mehr nützlich sind und getötet werden sollen.


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