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MAUTERN. Der SC Mautern (aktuell auf Platz 2 in der 1. Klasse NW-Mitte) ist wie auch viele andere Fußballvereine völlig unvermutet von der Corona-Krise getroffen worden. Der Obmann des Traditionsclubs, Daniel Paustian, ortet neben der finanziell angespannten Situation auch zunehmend eine Funktionärs- und Spielerkrise und damit eine Existenzfrage für jeden Verein. Als Lösungsweg erscheint ihm ein Schulterschluss innerhalb der Vereine und über deren Grenzen hinweg.

Daniel Paustian, Obmann des SC Mautern, nimmt in einem Interview Stellung zur Corona-Krise. Foto: SC Mautern

Wie erlebt der SC Mautern aktuell die Corona-Krise?

Paustian: Der SC Mautern ist – wie auch viele andere Fußballvereine – massiv von der Pandemie betroffen. Neben der großen Unsicherheit - wie und wann der sportliche Betrieb wieder weitergehen kann - sind es die grundlegenden Veränderungen, die Corona bewirkt hat und uns beschäftigen. Neben den finanziellen Herausforderungen sind es gesellschaftliche Umbrüche, die wir stark zu spüren bekommen.

Wie auch bei vielen Vereinen wird die Last der Vereinsarbeit auf wenige Personen verteilt, die oft Überdurchschnittliches leisten. Manche haben seit längerem damit geliebäugelt, ihre Vereinstätigkeiten zu reduzieren oder ganz aufzuhören. Aber auch auf der Spielerseite haben sich bei manchen die Prioritäten verschoben, Spieler stellen den Fußball nun plötzlich nicht mehr in den absoluten Fokus, andere Dinge gewinnen an Bedeutung. Das alles geht auf Kosten des Fußballs und in der Folge auf die Gesellschaft.

Wenn man so will wird, bedingt durch Corona, aus der Finanz- auch eine Funktionärs- und Spielerkrise und damit eine Existenzfrage für jeden Verein. Ich weiß, dass es etlichen Vereinen ebenso geht, in die Öffentlichkeit gehen damit aber wenige. Alle sind unverschuldet in diese Situation gekommen, jetzt gilt es mit einer ehrlichen Kommunikation das Beste daraus zu machen. Denn jede Krise eröffnet neue Chancen.

Was unternimmt der SC Mautern, um durch die finanziellen Einbrüche abzufedern?

Paustian: Unser finanzielles Fundament basiert vorrangig auf Einnahmen durch den Kantinenbetrieb aus den Heimspielen und unseren Veranstaltungen, damit decken wir die Hälfte unseres Bedarfes. Der Rest kommt aus Beiträgen und von Sponsoren. Diese unterstützenden Partner sind ebenfalls stark gebeutelt, der Großteil steht jedoch auch dieser schwierigen Zeit zu uns - das gibt uns Mut und Zuversicht für´s Weitermachen.

Wir verfügen über ein tolles Stadion, für die Pflege und Erhalt sind allerdings Jahr für Jahr mehr als 20.000 Euro aufzubringen. In Zeiten wie diesen ein Riesenbrocken, der nur schwer zu stemmen ist. Wir haben nun einen umfangreichen Maßnahmenplan erstellt, nach dem wir regelmäßig vor allem gastronomische Angebote, aber auch gesellschaftliche Schwerpunkte planen. Natürlich alles innerhalb der vorgegebenen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Damit sind wir zuversichtlich, dass vor allem auch die Mauterner Bevölkerung den Verein als wertvollen Bestandteil des Stadtlebens anerkennt und auch unsere Angebote abseits des Spielbetriebs annimmt.

Alleine wird man jedoch die Krise nur schwer meistern  können, auch wir sind auf Hilfe, unter anderem unserer Stadtgemeinde, angewiesen. Von Seiten des Landesverbands bzw. Bundes erwarte ich mir keine allzu große Unterstützung. Wichtig ist für mich dennoch, dass wir die ausgezeichnete Nachwuchsarbeit weiter fortführen und sogar ausbauen können. 

Stichwort Nachwuchs: Mautern ist mit acht Nachwuchsteams Spitzenreiter im Bezirk...

Paustian: Unsere Jugend ist das Herzstück des Vereins. Wir betreiben Teams zwischen acht und 14 Jahren und eine Bambini-Gruppe und sind mit unserem Ausbildungskonzept und unseren 21 ausgebildeten Nachwuchstrainern sehr erfolgreich. Zusätzlich organisieren wir normalerweise Großveranstaltungen - wie den Sparkasse Römer-Cup mit 700 Kindern und das jährliche Brasil Camp. Beide Events können heuer coronabedingt leider nicht stattfinden und fehlen uns natürlich sowohl wirtschaftlich aber auch sportlich.

Trotzdem werden wir unseren eingeschlagenen Weg der absoluten Nachwuchs-Priorität weitergehen. Unser Jugendleiter Alexander Stadler hat hier schon das nächste Projekt im Visier - das derzeit gestoppte UEFA Grass Roots Projekt für Mädchen. Als mittelfristiges Ziel ist auch eine Damenmannschaft in Vorbereitung.

Unser Wachstum bringt uns aber auch an Grenzen, trotz des großen Stadions sind Trainingsflächen rar, daher wird mit der Stadt über eine Flutlichtbeleuchtung für den Hauptplatz gesprochen. In diesen Zeiten ein auch für die Stadt schwieriges Unterfangen, wir sind aber zuversichtlich auch diesen Entwicklungsschritt machen zu können. Es wäre ein enormer Impuls für den Verein.

Der SC Mautern feiert 2021 sein 100-jähriges Bestehen, was ist geplant?

Paustian: Wir haben uns im Vorfeld schon zahlreiche Aktivitäten überlegt, die Corona-Pandemie zwingt uns jedoch, den Fokus auf die aktuelle Situation zu lenken. Momentan haben wir alle Hände voll zu tun, den Verein durch die Krise zu bringen, was nur gemeinsam möglich ist. Damit meine ich einen gemeinsamen Schulterschluss - von Spielern, Funktionären und Sponsoren, aber auch seitens der Stadtgemeinde und der Bevölkerung unserer Heimatstadt Mautern. Auch über sinnvolle Kooperationen mit anderen Vereinen und Organisationen werden wir aktiv nachdenken.

Ich denke, dass es keine Tabus mehr geben darf. Corona hat alles verändert, auch den SC Mautern. Für uns steht fest: 100 Jahre SC Mautern sind noch nicht genug. Wir wissen natürlich gerade jetzt noch nicht, in welcher Form wir die Feierlichkeiten begehen können, doch wir werden sicherlich ein würdiges Jubiläum ausrichten und das nächste erfolgreiche Jahrhundert der Vereinsgeschichte beginnen.


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