Auf den grünen Punkt gebracht: alles um den ersten Mai
Bezirk Melk. Es ist wieder so weit. Der traditionelle Maibaum wurde in allen Ortschaften aufgestellt. Oftmals passiert dieser Brauchtum noch händisch, wobei die Kameraden der örtlichen Feuerwehr kräftig in die Hände spucken und das mehrere hundert Kilo schwere Holz ausschließlich durch Manneskraft in die Höhe bringen.

Heuer musste vielerorts der Kran zu Hilfe gezogen werden. Starker Wind und Regenschauer waren der Grund, warum das ausschließlich händische Aufstellen des Brauchtumsbaumes nicht möglich war. So auch in Nöchling, wo auch ein Maibaumkraxeln geplant war. Dieses wird nun, sofern es der Wettergott zulässt, Freitag 27. Mai um 18 Uhr nachgeholt. Glück hatten hingegen die Leibener. Sie konnten das traditionelle Maibaumaufstellen wie gewohnt feiern. Die Bewirtung erfolgte im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Leiben. Da es übrigens Brauch ist, dass der Traditionsbaum am 1. Mai immer von einer Institution oder einer Privatperson gespendet wird, wurde auch in Leiben der Maibaum von Alfred Rupp gespendet.
Brauchtumsbaum am 1. Mai und seine Ursprünge
Die Wurzeln des Maibaumes sind bis heute noch nicht restlos geklärt. Häufig werden germanische Riten genannt. Die Germanen verehrten Waldgottheiten, denen sie in verschiedenen Baumriten huldigten. Sogar Menhire, Obelisken bis hin zum schamanischen Symbolen im eurasischen und amerikanischen Raum werden als Kultpfähle im Zusammenhang mit Maibäumen betrachtet. Eine durchgängige Tradition zum heutigen Maibaum lässt sich allerdings nicht herstellen. Eine untergegangene Maibaumtradition in Rom dokumentiert ein Gemälde aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Es zeigt einen Maibaum auf dem Kapitolsplatz, an dessen blankem Stamm junge Männer hochklettern. Im 13. Jahrhundert trat an Stelle des Maibaums ein christlicher Pfingsbaum. Erst iim Jahr 1224 wird wieder von einem sogenannten Maibaum gesprochen. Dem folgt ein Bericht über eine seit 1520 in Franken und Schwaben gepflegte Sitte des Maibaumaufstellens auf dem Dorfplatz. Aus dem Jahr 1531 stammt eine Rechnung für einen Maibaum in Bayern, 1550 folgt die erste Abbildung eines Maibaumes. In Österreich wird er 1466 erstmals erwähnt; im 17. Jahrhundert jedoch zeitweise verboten. Offiziell zugelassen wurde er erst wieder 1827 durch König Ludwig I. in einer sittenpolizeilichen Verordnung, da es sich um „an sich unschädliche und wohl zu gönnende Vergnügungen“ des Landvolkes handele. In seiner heutigen hohen Form mit belassener grüner Spitze und Kranz geschmückt ist der Maibaum seit dem 16. Jahrhundert bekannt.
Bräuche rund um den 1. Mai
Rund um das Maibaum aufstellen haben sich auch zahlreiche Bräuche entwickelt. Das bereits erwähnte Maibaumkraxeln wird in vielen Gemeinden im Bezirk Melk organisiert. Neben Nöchling, Pöggstall, Ruprechtshofen, wird auch in vielen anderen Gemeinden der Baumwipfel erklommen. Doch bevor der Maibaum bestiegen werden kann, muss ein weitere Tradition positiv abgeschlossen werden: in der Nacht zum 1. Mai muss mit aller Vorsicht auf den Baum aufgepasst werden. Das bekannte Maibaumstehlen ist in dieser Nacht möglich.. Und wer dabei nicht aufpasst, muss ein Maifest ohne Maibaum feiern. Maidiebe sollte sich in dieser Nacht zudem in Acht nehmen, dass sie den Maisteig-Trupp über den Weg laufen. Vor allem Jugendliche der örtlichen Landjugend zeigen der Bevölkerung mittels Kalkstrich den Weg eines noch nicht öffentlichen Liebespärchens zu zeigen. Wurde früher oft gehäckseltes Stroh oder Sägemehl zum Ziehen der Spur verwendet, so hat sich in heutzutage der Kalk durchgesetzt. Einige Tage später kommen dann immer mehr Geheimnisse rund um den 1. Mai ans Licht: wer hat wen den Maibaum gestohlen, welche neuen Liebespärchen gibt in der Gemeinde und wer hat Tags darauf den Maibaum am schnellsten erklommen. Fragen über Fragen. Tips wird ebenso in den kommenden Tagen diese Geheimnisse auf den Tisch bringen.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden