Willi Heinzl lässt Kinderherzen froh und munter sein
MELK. Seit fast 50 Jahren bringt Wilhelm Heinzl als Nikolaus Kinderaugen zum Leuchten. In den kommenden Tagen wartet wieder viel Arbeit auf den Melker Nikolaus.

Schlüpft Wilhelm Heinzl in seine Bischofsrobe und bringt den langen grauen Nikolausbart im Gesicht an, ist das allseits bekannte Melker „Urgestein“ kaum mehr wiederzuerkennen. Seit fast fünf Jahrzehnten beglückt Wilhelm Heinzl in der Vorweihnachtszeit als Nikolaus die Kinderherzen. In jungen Jahren beschlossen er und seine Schulkameraden der Handelsschule in Waidhofen, am 6. Dezember als Nikolaus und Krampusse verkleidet durch den Ort zu ziehen. Damals war Heinzl noch als Krampus unterwegs. Seitdem ließ ihn diese Tradition nicht mehr los. Aus dem einstigen Krampus wurde in Melk schnell ein stadtbekannter Nikolaus. Immer mehr Familien, Schulen, Kindergärten und Betriebe baten den ehemaligen Geschäftsmann um einen Besuch im Bischofskleid. Seit etwa 30 Jahren tritt Heinzl auch im Auftrag der Stadtgemeinde als Nikolaus auf. „Für mich ist der schönste Moment dann gekommen, wenn in den zunächst oft skeptischen Kindergesichtern ein Leutchen in den Augen aufblitzt“, erzählt der vierfache Großvater über seine Auftritte.
Mit Feingefühl
Erst einmal sei es ihm in all den Jahren passiert, dass ein Kind kein mit Süßigkeiten gefülltes Sackerl von ihm annehmen wollte. „Dieses Kind hat sich dann aber von einem Krampus beschenken lassen“, berichtet Heinzl lächelnd. Erlebt hat der 66-Jährige als Nikolaus schon so manches. In den 1970ern zog er auf einer Kutsche durch die Stadt, in den 1980er-Jahren wurde er bei seinem Rundgang von 55 Krampussen begleitet. „Es braucht viel Feingefühl“, antwortet Heinzl auf die Frage, was denn einen guten Nikolaus ausmacht. „Man darf die Kinder nicht verschrecken und muss auf ihre Psychen Acht geben“, führt er aus. Die Grabstätte des Heiligen Nikolaus hat Heinzl schon besucht. Seine Auftritte bezeichnet er als Brauchtum, das er lebt, weil es ihm Freude bereitet. „Die Kinder bekommen das ganze Jahr über Süßigkeiten. Sie sind nicht das, was zählt, wenn der Nikolaus kommt. Wichtig ist, dass sich die Familie zusammenfindet und gemeinsam Zeit verbringt“, merkt Heinzl an. Am 3. Dezember wird er mit Bart und Bischofsstab am Melker Hauptplatz wieder viele Kinderaugen zum Strahlen bringen.


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