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„1000 vergessene Jahre. Byzanz und der Westen“ auf der Schallaburg

Leserartikel Stefan Hinterdorfer, 23.03.2018 10:57

Die Ausstellung „Byzanz und der Westen. 1000 vergessene Jahre“ ist offiziell eröffnet. Tips war bei der ersten Führung und hat am obligatorischen Festakt teilgenommen.

Foto: SH
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„Eine Entdeckungsreise für Groß und Klein, für Jung und Alt“, sei die Ausstellung auf der Schallaburg, sagte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (VP), die sich als Kulturvermittlerin dieses Landes sieht, bei der Eröffnungs-Feier. Tips hat sich etwas ausführlicher mit der diesjährigen Ausstellung auseinandergesetzt.

Vergangenheit

1000 Jahre sollen es sein, die vergessen wurden und jetzt ins Auge der Besucher gerückt werden sollen. Von der Gründung Konstantinopels 330, das aus Byzanz hervorging und im zwanzigsten Jahrhundert schlussendlich zu Istanbul wurde, bis zur Eroberung durch die Osmanen 1453 und in die anbrechende Renaissance folgt der interessierte Besucher der Geschichte von Byzanz, dessen Name erst in den historistisch-staubigen Geschichtsarchiven des neunzehnten Jahrhunderts entstanden ist. Sahen sich die Byzantiner doch seit jeher als Römer, deren Nachfahren sie von Beginn an sein wollten. Hier beginnt schon der erste von vielen Konflikten, die die Ausstellung ansprechen will. Konflikte des politischen, des kulturellen und nicht zuletzt des religiösen. Diese Konflikte und der Austausch zwischen dem byzantischen Reich und dem „Westen“, dessen Definition auch nur durch Abgrenzung möglich wird, werden anhand von Leihgaben aus verschiedensten Museen erfahrbar gemacht. Das Angebot reicht von Schriftstücken über Alltagsgegenständen bis zu äußerst wertvollen Reliquien. Aber auch der Nachbau einer mit Wasser betriebenen Orgel gehört zu den eindrucksvollen Stücken, die auf der Schallaburg gezeigt werden. Eine Kostprobe findet sich auf der Facebook-Seite von Tips Melk.

Kunst

Begleitet wird die Ausstellung von den Illustrationen des Künstlers Angelo Monne. „Entstanden sind diese Illustrationen in Einzelteilen“, erklärt er. Nach Begriffen, die mit Byzanz in Zusammenhang gebracht wurden, erstellte er entsprechende grafische Ausschnitte. Sei es der Name einer Stadt, ein Ereignis oder ein Gegenstand. Die Einzelteile wurden dann digitalisiert beziehungsweise am Computer neu erstellt, zusammengefügt und schlussendlich animiert. Darin finden sich nicht nur zeitgenössische Darstellungen, sondern bei näherem Hinsehen auch Bezüge zur Gegenwart.

Gegenwart

Diesen Blick in die Gegenwart wagt auch Dominik Heher, einer der beiden Kuratoren. „Ganz maßgeblich hat Byzanz die gesamte europäische Geisteswelt dadurch beeinflusst, dass es das Wissen der griechischen Antike archivierte und schlussendlich vermittelte, beziehungsweise zugänglich machte“, schreibt er im Katalog zur Ausstellung. Und weiter: „hat Europa Byzanz vor allem eines zu verdanken, nämlich die systematische Niederschrift des römischen Rechts im sechsten Jahrhundert.“ Auch wenn der viel strapazierte und in der Geschichtwissenschaft weitgehend vermiedene Ausdruck „Völkerwanderung“, die Wände der Ausstellung ziert, versucht sich die Schau wieder in ihrem seit Jahren erprobten Vermittlungskonzept, das wieder ein Stück weiterentwickelt wurde und ein möglichst breites Publikum ansprechen soll. Eine Mischung aus wissenschaftlich fundierter Aufbereitung und situationsadäquater Vermittlung. So ist es dieses Jahr möglich, direkt aus der Ausstellung heraus Fragen zu stellen, die an Experten des jeweiligen Bereiches weitergeleitet und innerhalb einiger Tage beantwortet werden.

Zukunft

Das Begleitheft zur Ausstellung wagt einen Blick in die Zukunft, indem es dem Zentrum für politische Schönheit − laut Eigendefinition „eine Sturmtruppe zur Errichtung moralischer Schönheit, politischer Poesie und menschlicher Großgesinntheit, das auf Menschlichkeit als Waffe setzt, einen aggressiven Humanismus entfacht und mit den Gesetzen der Wirklichkeit experimentiert“ − auf den letzten beiden Seiten Raum für eine Utopie der Humanität gibt. Einer Brücke, die Afrika mit Europa verbinden soll.

Ende und Anfang

Die anschaulichste Brücke zur Gegenwart der Ausstellung schlägt die Schallaburg selbst. Steht sie doch in ihrer Renaissance-Gestalt direkt am Ende des byzantinischen Reiches und am Anfang vom gegenwärtigen Europa.


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