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Herta Mikesch: Abschied nach 16 bewegten Jahren
MELK. Nach 16 Jahren an der Spitze der Melker Wirtschaftskammer verabschiedet sich Herta Mikesch im großen Tips-Interview. Die ehemalige Nationalratsabgeordnete wird am 9. Juni ihr Amt an Franz Eckl übergeben und zieht Bilanz über eine Zeit mit vielen Herausforderungen.

Tips: Was waren die größten Herausforderungen in Ihrer 16-jährigen Tätigkeit als Wirtschaftskammer-Obfrau in Melk?Herta Mikesch: Die beiden Jahrhunderthochwässer 2002 und 2013 waren sicherlich die schwierigsten Momente. Ich habe geschaut, dass die Unternehmen rasch Unterstützung bekommen und war wochenlang mit den Schadenskommissionen unterwegs. Einer der emotionalsten Momente war, dass 2002 keiner der fast 400 betroffenen Betriebe zugesperrt hat. Tips: Welche großen Veränderungen gab es in den vergangenen 16 Jahren?Mikesch: Wir haben es geschafft, eine sehr gute Infrastruktur aufzubauen. Ich denke da zum Beispiel an den Autobahnanschluss in Loosdorf. Wir sind sehr klein strukturiert im Bezirk und ich habe immer geschaut, dass ich die Unternehmen unterstütze. Ein wichtiges Ziel für mich war es, dass sich die Firmen besser vernetzen und nicht nur an sich selbst, sondern auf einer höheren Ebene denken. Das Stadtmarketing Mank ist eines der Vorzeigeprojekte, die diesem Gedanken entsprungen sind. Außerdem war die technische Entwicklung enorm. Als ich 18 war, haben wir noch mit Fernschreibern gearbeitet. Dann ist das Fax gekommen und schließlich der Computer und das Handyzeitalter. Tips: Sie waren von 2003 bis 2008 auch Nationalratsabgeordnete für die ÖVP. Was war Ihre Motivation für dieses politische Engagement?Mikesch: Ich wollte etwas für die Unternehmen tun und die Problemfelder aus dem Betrieb heraus in die Politik transportieren. Nach dem Wahlsieg 2002 hat Präsidentin Zwazl ein Mandat für „Frau in der Wirtschaft“ gefordert, das ich dann besetzt habe. Ich bin dann nach Wien gekommen und habe gesehen, wie schwierig der Entscheidungsprozess aufgrund der vielen verschiedenen Personengruppen eigentlich ist. Im Nationalrat habe ich versucht, zusätzlich für unsere Region etwas zu bewegen, und zwar direkt dort, wo das Gesetz entsteht. Ich habe immer versucht, Unternehmen, denen es schlecht geht, zu helfen. Familienbetriebe und KMU“s haben mein ganzes Leben geprägt. Tips: An welche Höhepunkte in den vergangenen 16 Jahren erinnern Sie sich besonders gerne zurück?Mikesch: Eines der Highlights war sicherlich der Kammerneubau gemeinsam mit der Bauernkammer im Zentrum von Melk im Jahr 2003. Was mich auch immer sehr beschäftigt hat, waren die Kooperationen, zum Beispiel die Stadtmarketing-Geschichten oder die Arge Nibelungengau. Zehn Gemeinden unter einen Hut zu bringen, die auch teilweise SPÖ-Gemeinden sind, war schon eine große Herausforderung. Die daraus entstandene Sonnwendfeier im Nibelungengau ist eines der Highlights unserer Tourismuswerbung. Tips: Was würden Sie heute anders machen?Mikesch: Mit meinem Wissen von heute würde ich einige Dinge weniger emotional und impulsiv angehen. Ich würde das eine oder andere mehr abwägen, zum Beispiel die Kandidatur als ÖVP-Bezirksparteiobfrau. Ich bin damals aus der Emotion heraus gegen Karl Moser angetreten. Das war viel zu wenig überlegt. Ich wollte damit aufzeigen, dass wir Wirtschaftler in der Bezirkspartei unterrepräsentiert sind und habe mir eine saftige „Watschn“ abgeholt. Tips: Wie ist die Arbeit zwischen den Kammern verlaufen? Manchmal wird es ja zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern sehr untergriffig.Mikesch: Wir hatten immer ein sehr professionelles Verhältnis, das nie auf der persönlichen Ebene ausgetragen wurde. Wir haben oft miteinander telefoniert und ab und zu bin ich auch in die Landeskammer gegangen, um meine Meinung auf Landesebene zu transportieren. Tips: Welche Herausforderungen sehen Sie in den kommenden Jahren auf die Unternehmen zukommen?Mikesch: Die Frage der Lehrlingsausbildung hat sich stark verändert. Zum Teil fehlen viele Jugendliche in Lehrberufen. Mit Aktionen wie „Schüler trifft Unternehmer“ haben wir hier einige tolle Projekte gestartet. Zudem wurden die Auflagen im Bereich Umwelt, Bewilligungen und Überprüfungen deutlich verschärft. Der Aufwand für die Unternehmer und damit auch die Kosten sind stark gestiegen. Tips: Was werden Sie nach dem Rücktritt mit Ihrer freien Zeit machen?Mikesch: Ich werde mein Unternehmen wieder in den Mittelpunkt stellen. Auch das Unternehmenscoaching und die KMU-Chefseminare sorgen natürlich dafür, dass mir nicht langweilig wird. Tips: Gibt es einen Tipp, den Sie Ihrem Nachfolger Franz Eckl mit auf den Weg geben wollen?Mikesch: Nein. Franz Eckl wird seinen Weg finden. Er wird das Richtige tun, was in dieser Position notwendig ist.


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