Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt
tips.at als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen

Unternehmergeist: Junge Destillateure erfüllen sich im ältesten Keller Melks einen Traum

Margareta Pittl, 19.03.2019 18:56

MELK. Fabian Sautner und seine Freundin Tabea Bachinger beweisen Unternehmergeist. Die beiden Twens wollen im Sommer im Herzen Melks eine Schaubrennerei eröffnen. Tips hat Fabian Sautner in den alten Gemäuern seiner künftigen Destillerie getroffen und mit ihm über Gin, Ischgl und eine gewisse Berta gesprochen.

Im alten Keller soll Großes entstehen.
  1 / 2   Im alten Keller soll Großes entstehen.

Das Hobby zum Beruf zu machen, davon träumen viele. Für Fabian Sautner und Tabea Bachinger ist dieser Traum wahr geworden. Die beiden Absolventen der Tourismusschule St. Pölten haben sich vor eineinhalb Jahren mit einer Destillerie selbstständig gemacht. Nun steht der nächste Traum vor der Erfüllung: Eine eigene Schaubrennerei. Ausgesucht haben sie sich dafür einen Ort mit viel Geschichte, nämlich den ältesten Keller der Melker Altstadt. Aus dem 15. Jahrhundert stammen die Gemäuer unter dem ehemaligen Gasthaus „Zum Goldenen Stern“, in die sich Sautner und Bachinger eingemietet haben. Mit Geistigem wollen sie dem rund 90 Quadratmeter großen Keller wieder Leben einhauchen. Noch ist dort Baustelle, ab Sommer soll dann Hochprozentiges produziert und verkauft werden.

Bergheu als Zauberzutat

„Uns ist aufgefallen, dass es in Ischgl an regionalen Spirituosen fehlt“, blickt der 23-Jährige zurück. Warum Ischgl? „Dort habe ich sechs Saisonen lang als Barkeeper gearbeitet und mir eine kleine Destille zugelegt und herumprobiert“, erzählt Sautner von der Geburtsstunde des „Ischgl Gin“. Was nämlich mit einer kleinen Destille und viel Herumexperimentieren während seiner Zeit in Tirol begann, endete schließlich in einer eigenen Gin-Marke, dem „Ischgl Gin“. Dessen Zauberzutat: Ischgler Bergheu. Acht Monate lang habe er an diesem Produkt getüftelt, zuletzt wurde Sautners Gin bei der Ab Hof-Messe in Wieselburg mit einer Goldmedaille prämiert.

Berta ist das Herzstück

Im Vorjahr kaufte sich der Jungunternehmer eine große Destillationsanlage – „dicke Berta“ wird sie liebevoll genannt. Sie ist derzeit noch in Loosdorf und soll nach ihrem Umzug nach Melk das Herzstück der Schaubrennerei werden. Gebrannt wird von Berta aber nicht nur Gin, auch andere Schnäpse, von Marille bis Vogelbeere, fließen durch ihre Rohre. „Wir wollen nicht nur brennen und verkosten, wir wollen auch ein Bewusstsein schaffen. Wir wollen zeigen, welche Arbeit hinter den Produkten steckt. Das wissen viele Leute oft gar nicht“, erklärt der 23-Jährige, der seine Besucher in der Schaubrennerei hinter die Kulissen blicken lassen möchte. Ob dem „Ischgl Gin“ nun auch bald ein „Melk Gin“ folgt? „Ja, wir wollen einen regionalen Gin herstellen, aber er wird nicht 'Melk Gin' heißen“, so Sautner lächelnd. Das Wichtigste bei einem guten Gin sei das Zusammenspiel der Botanicals, also der Gewürze und Zutaten. „Vielleicht gibt es ja ein regionales Gewürz, das in Vergessenheit geraten ist und sich für einen Melker Gin gut eignet. Man wird sehen.“ Apropos Namensgebung: Welchen Namen Sautner seiner Schaubrennerei geben wird, will er noch nicht verraten, nur so viel: „Es wird nichts Langweiliges sein. Es soll etwas Modernes, Einzigartiges werden.“

Brutale Bürokratie

In dem Geschäftslokal in der Melker Altstadt – der Zugang zu Sautners künftiger Brennerei erfolgt übrigens nicht von der Sterngasse, sondern von der Hauptstraße – sieht der 23-Jährige großes Potenzial: „Im Sommer sind viele Menschen unterwegs und das Ambiente hier im Keller ist einfach super. Wir wollen außerdem nicht nur Schnäpse anbieten, auch regionale Spirituosen anderer Hersteller, regionale Weine und Biere wollen wir zu uns holen – es gibt in der Umgebung so viele kleine, gute Brauereien, die man nicht kennt. Zudem soll draußen vor dem Eingang ein kleiner Gastro-Bereich mit Tischen und Sesseln entstehen.“ Bis es aber so weit ist, haben der Jungunternehmer und sein Team noch einiges zu tun. „Wir arbeiten gerade an der Elektrik und dann wird verputzt“, berichtet Sautner von den nächsten Schritten auf der Baustelle. Auch viele administrative Arbeiten warten auf den Destillateur – der bürokratische Aufwand sei brutal, so der 23-Jährige. Die Vorfreude auf die Eröffnung und auf alles, was danach kommt, sei aber riesig. „Der Gedanke, einmal jeden Morgen vor der Tür der fertigen Schaubrennerei zu stehen, den Schlüssel ins Schloss zu stecken, die Tür zu öffnen und in den Tag zu starten, macht mich wirklich happy“, blickt Sautner gerne in nahende Zukunft.

Bauarbeiten nicht nur im Keller

Im ehemaligen Gasthaus „Zum Goldenen Stern“ wird in Kürze übrigens nicht nur im Keller frischer Wind wehen. In den übrigen Räumlichkeiten des Gebäudes lassen die Investoren Peter Mayer und Anton Robert der Icco derzeit neun Ferienapartments auf Selbstversorgerbasis einbauen. Auch sie sollen im Sommer eröffnet werden.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden