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MICHAELNBACH/GRIESKIRCHEN. Mit der Geburt eines Kindes werden die Eltern vor neue Herausforderungen gestellt, das Leben verändert sich. Dazu tauchen im Alltag mit dem Baby viele Fragen auf. Genau hier kommt Martina Anezeder aus Michaelnbach ins Spiel. Die 44-Jährige ist ausgebildete Stillberaterin und diplomierte Kinderkrankenpflegerin im Klinikum Grieskirchen sowie Mutter zweier Töchter. Sie will Frauen mit ihren Säuglingen in den ersten Monaten begleiten und ihnen bei wichtigen Fragen rund ums Elternsein zur Seite stehen. Dafür rief sie ihr Herzens-projekt, die offene Stillgruppe Grieskirchen, ins Leben.

Martina Anezeder und ihre beiden Kinder präsentieren die lange Liste an Inhaltsstoffen der Muttermilch.

Egal ob bereits in der Schwangerschaft, nach der Geburt oder den ersten Lebensmonaten des Kindes - Mütter und Väter sind täglich mit neuen Herausforderungen konfrontiert, wollen „alles richtig“ machen. Das Internet diene oft als Infoquelle. „Es ist schon fast ein Überangebot an Information da“, meint Martina Anezeder. Das würde oft zur Verunsicherung der Eltern beitragen. Deshalb hat sich die Michaelnbacherin entschlossen eine Stillgruppe ins Leben zu rufen, die vor allem mit Ammenmärchen rund ums Stillen aufräumen und den Müttern fundierte Informationen bieten soll, die auch durch Studien belegbar sind. „Die Mamas sollen dabei aber ruhig auf ihr Bauchgefühl hören, wenn es sich nicht gut anfühlt, sollte man es lassen – unabhängig von Empfehlungen“, meint die Michaelnbacherin.

Muttermilch als Schutz

„Zwischen Formula-Ernährung und Muttermilch ist ein großer Unterschied“, meint die Stillberaterin. Stillen sei laut Anezeder die optimale Ernährung. „Wenn aber Stillen aus verschiedenen Gründen nicht möglich ist, ist es für Mutter und Kind genauso möglich eine solche Bindung wie bei stillenden Müttern aufzubauen. Ein stabiles Aufwachsen des Kindes könne erreicht werden. Dennoch hätte Muttermilch laut Anezeder durchaus etwas „Magisches“ an sich: „Ein Kind kommt auf die Welt und hat mit der Muttermilch ein maximales Angebot an Prävention“, erklärt die Michaelnbacherin. In der Muttermilch befinden sich lebende Zellen, die das Kind vor Krankheiten schützen und das Immunsystem aufbauen. Auch dann, wenn das Kind älter wird und schon krabbelt, werden wieder viele Immunglobuline gebildet. Muttermilch ist dem Alter des Kindes immer angepasst und reagiert auch auf Krankheiten der Mutter mit entsprechenden Antikörpern. Laut WHO werde ausschließliches Stillen bis zum sechsten Lebensmonat und anschließendes Teilstillen bis zum zweiten Geburtstag und darüber hinaus empfohlen. Zudem sei Stillen „kein Instinkt und kein Reflex. Es ist ein Lernprozess. Die Stillbeziehung ist nicht von Anfang an perfekt. Mutter und Kind lernen sich immer besser kennen“, sagt Anezeder.

 

Vom Paar zur Familie

Die größte Veränderung, die sich nach der Geburt eines Kindes einstellt, sei laut Anezeder der Übergang vom „Ich“ zur Symbiose mit dem Kind. „Dazu kommen die hormonelle Umstellung, die körperlichen Veränderungen und man hat ein Kind, das zu 100 Prozent von einem abhängig ist“. Natürlich würden Vorstellung und Realität oft auseinander klaffen. „Nicht immer ist alles rosig“, stellt die Stillberaterin klar. Auch für den Vater verändert sich vieles. „Er muss seine Position erst finden. Man geht von der Partnerschaft in eine Familie“.

Bindung durch Interaktion

Wenn die Mutter mit dem Kind interagiert, bedeute dies, dass sie prompt, feinfühlig und adäquat auf die Bedürfnisse des Kindes eingeht. Ein Baby im ersten Lebensjahr alleine in einem Raum schlafen zu lassen, sei laut der Stillberaterin nicht empfehlenswert. „Das Kind merkt, wenn es alleine im Zimmer ist. Es hat Angst. Wenn es schreit, sollte nicht einfach abgewartet werden. Es war ja auch neun Monate im Bauch, ganz eng bei der Mutter und nun soll es alleine in einem Zimmer schlafen. Babys wissen instinktiv, dass es um ihr Überleben geht und haben kein Zeitgefühl. Wenn Bedürfnisse prompt gestillt werden, kann es eine Bindung aufbauen. Wenn sich die Mutter darauf einlässt, ist das eine Investition in die Zukunft“, erklärt die Stillberaterin.

Informationen rund ums Stillen

Die Stillgruppe von Martina Anezeder findet in einem geschützten Rahmen statt, in dem sich die Mütter austauschen und vernetzen können. „Mütter mit gleichaltrigen Kindern können sich zusammenfinden, ich bin Moderatorin und bin da wenn es Fragen gibt. Ich kann diese objektiv beantworten“, erklärt Anezeder. Ihr Wunsch für die Stillgruppe: „Mütter sollen vom Wissen gefesselt werden und sich gut aufgehoben fühlen“.

Stillgruppe

ab Dienstag, 7. März, 9 bis 11 Uhr, alle zwei Wochen, Oberer Stadtplatz 7, Grieskirchen

Weitere Termine: www.familienkarte.at/de/elternbildung.html

Es können Elternbildungsgutscheine eingelöst werden.

Eine Leihbücherei wird unterstützt von der Bücherei Lesefluss am Gries.


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