Die Katholische Jugend muss aus der Burg Altpernstein ausziehen
MICHELDORF. Seit Jahren steht fest, dass die Burg Altpernstein in Micheldorf dringend eine größere Sanierung benötigt. Die Kosten dafür würden mindestens drei Millionen Euro betragen. Diese Investition ist der Diözese Linz zu hoch und sie sucht deshalb einen neuen diözesanen Begegnungsort für die kirchliche Jugendarbeit.

Verkleinerungen der Schlafeinheiten, ein zentrales Heizsystem, Renovierungen von Kapelle und Meditationsraum – der Erneuerungsbedarf der Burg Altpernstein ist groß. Der Betrieb des dort angesiedelten Begegnungszentrums der Katholischen Jugend Oberösterreich (KJ OÖ) war nur eingeschränkt unter der Einhaltung behördlich auferlegter Maßnahmen wie die Sperre des Meditationsraumes und großer Teile der Schlafräume, das Verbot der Befeuerung der Kachelöfen und sogar des Kerzenlichts für Gottesdienste, möglich. Im Frühjahr 2015 reichte der beauftragte Architekt die Unterlagen bei der Bezirkshauptmannschaft Kirchdorf ein.
Drei Millionen Euro übersteigen den Kostenrahmen
Der Investitionsbedarf von mindestens drei Millionen Euro und weitere anstehende Behördenwege veranlassten die Ordinariatskonferenz der Diözese Linz dazu, dieses Projekt nicht weiter zu verfolgen, sondern einen neuen Ort für ein diözesanes Jugendhaus zu suchen. „Im Gespräch ist derzeit der oberösterreichische Zentralraum mit Linz-Land, Wels und Steyr. Es gibt jedoch noch keine konkreten Pläne. Der Ort wird passend für die Jugend asugesucht“, sagt Gerald Frühauf, Abteilungsleiter Burg Altpernstein. Mit einer Planungs- und Umsetzungszeit von drei bis vier Jahren wird gerechnet.
Gemischte Stimmung
Beim Burgteam selbst herrscht einerseits Niedergeschlagenheit, Trauer und Ärger, andererseits auch eine gewisse Erleichterung, dass es nun eine definitive Entscheidung gibt. „Sosehr ich die Burg und die auf ihr zusammenkommenden Menschen in den vergangenen Jahren lieben gelernt habe, sosehr hat sie durch die Einhaltung der behördlich auferlegten Maßnahmen zuletzt gelitten“, sagt Christoph Burgstaller, Leiter der diözesanen Jugendstelle der KJ OÖ, der die Entscheidung der Ordinariatskonferenz nachvollziehen kann: „Und dennoch empfinde ich es noch so unwirklich. Ich spüre eine tiefe Trauer und ich vermute sie bei ganz vielen anderen auch.“ Diese Stimmung spürt auch Burgleiter Gerald Frühauf: „Es tut uns im Herzen weh, dass wir die Burg verlassen müssen, denn sie war viel mehr für uns, als ein Arbeitsplatz.“
Zukunft der Burg Altpernstein
Grundsätzlich gibt es einen gültigen Pachtvertrag mit dem Eigentümer der Liegenschaft, dem Stift Kremsmünster und eine bestehende Bewilligung der Burg Altpernstein als Jugendbeherbergungsstätte. Bis zur Neueröffnung an einem anderen Ort kann das Provisorium im behördlich genehmigten, eingeschränkten Betrieb weitergeführt werden. Derzeit können, laut Burgleiter Gerald Frühauf, maximal 55 Personen in der Burg übernachten. Es werden weiterhin Kurse angeboten und Veranstaltungen wie zum Beispiel die Burg-Sommerwochen abgehalten. Anschließend wird der Pachtvertrag aufgelöst und die Burg an das Stift Kremsmünster zurück gegeben. Die Verhandlungen über das genaue Vorgehen laufen bereits.
Für Abt Ambros Eberhart vom Stift Kremsmünster kam die Entscheidung der Diözese sehr überraschend: „Wir haben jetzt drei bis vier Jahre Zeit, unsere nächsten Schritte zu überlegen und im Gremium zu besprechen. Es wird sich zeigen, ob wir selbst aktiv werden müssen oder ob jemand auf uns zukommt, der Ideen für die Nutzung der Burg hat. Wollen wir die Burg der Öffentlichkeit weiter zugänglich machen, müssen wir auch Sicherheitsvorkehrungen treffen. Diese hängen jedoch von der Art der weiteren Nutzung ab.“
Der Micheldorfer Bürgermeister Ewald Lindinger meint: „Es wundert mich, dass die Diözese auf ein so altes Kulturgut verzichtet. Die Entscheidung kam wie aus heiterem Himmel. Ich bin nicht darüber informiert worden. Das ist ein trauriger Tag für Micheldorf und seine Jugend.“
Burg als Kraftort
Seit rund 70 Jahren besuchten jungen Christen den Kraftort, wo Impulse zur Glaubensentwicklung und Persönlichkeitsbildung möglich waren und viele Kontakte und auch nicht wenige Beziehungen geschlossen wurden. Nun heißt es Abschied nehmen. „Ich hoffe und will mich dafür einbringen, dass uns das Abschiednehmen und der Neubeginn gelingen“, so Christoph Burgstaller.


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