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MOLLN/STEYRLING. Die beiden Strickerinnen Gudrun Russmann und Hermine Novak sorgten mit ihren selbstgemachten Fingerpuppen für strahlende Kinderaugen in einem Kriegsgebiet im Südsudan.

Hermine Novak, Gudrun Russmann und Veronika Kunze (v. l.) mit den Fingerpuppen, Foto: Egelseder
  1 / 15   Hermine Novak, Gudrun Russmann und Veronika Kunze (v. l.) mit den Fingerpuppen, Foto: Egelseder

Den Krieg kurz vergessen und wieder Kind sein – das ermöglichten Gudrun Russmann aus Molln und Hermine Novak aus Steyrling den Kindern des Dorfes Nyeyok im Südsudan. Sie fertigten in nur zwei Monaten 105 Fingerpüppchen mit afrikanischen Gesichtern und schickten diese auf die Reise nach Afrika.

Kinderherzen berühren

Überbringerin der Handwerke war Veronika Kunze aus Hargelsberg (Bezirk Linz-Land). Sie ist seit 2008 mit im Team von MiakWadang (siehe unten). „In Zeiten des Krieges ist es mir ein besonderes Anliegen, dass Kinderherzen lachen können“, sagt Veronika Kunze, die mindestens einmal jährlich in den Südsudan fliegt. Dort herrscht fast ständig Krieg. Die Menschen aus dem Dorf Nyeyok mussten fliehen, weil die Rebellen kamen. Doch die Schule ist nun wieder eröffnet worden. Viele Dorfbewohner kehren zurück und bauen ihre Hütten und Vorgärten wieder auf. „Bildung und damit verbunden die Selbständigkeit der Frauen ist das Wichtigste für diese Menschen“, erzählt Veronika Kunze.

Fingerpüppchen übergeben

„Die Kinder trauten sich nicht sofort zuzugreifen. Sie haben einen großen Respekt vor Geschenken. Ich spielte ihnen eine kurze Geschichte vor und anschließend durfte sich jedes Kind ein Püppchen aussuchen. Die Begeisterung der Kinder war unübersehbar und unüberhörbar“, erzählt Veronika Kunze von der Übergabe. Alle 45 Kinder im Dorf erhielten ein Geschenk. Es sprach sich schnell herum und so eilten auch Kinder aus anderen Dörfern herbei. „Mit den Fingerpüppchen können sie spielen und wieder Kind sein, damit ihre Seele gesund heilen kann“, weiß Kunze: „Die Menschen waren sehr berührt, dass zwei Damen in Oberösterreich diese Püppchen für sie gefertigt haben. Sie sangen ein Danklied und schickten den Segen an die beiden mit.“ Die nächste Reise in den Südsudan ist für Dezember geplant und bis dahin sollen weitere Fingerpüppchen fertig sein.

800 Püppchen gefertigt

Gudrun Russmann hat in den vergangenen fünf Jahren bereits über 800 Püppchen gefertigt und alle verschenkt, „denn sie sollen Freude bringen und die lässt man sich nicht bezahlen.“ Nun steht die Mollnerin kurz vor einer Herzoperation. „Für mich ist es sensationell, dass eine Frau im Alter von 88 Jahren noch stricken kann. Das ist eine gewaltige Leistung“, ist Hermine Novak beeindruckt. Die beiden Damen sind sich einig: „Wir machen weiter, solange wir können.“

Projekt für Kinder in Indien

Auch für Kinder in Indien sammeln Gudrun Russmann und Hermine Novak mit ihrer Handarbeit Spenden. „Mit den freiwilligen Spenden für unsere Püppchen unterstützen wir das Free School Hilfsprojekt für Slum- und Bettelkinder in Indien“, erzählt Hermine Novak.

„Ich hörte von dem Indienprojekt, wo mit gesammelten Spenden armen Kindern aus den Slums ein Schulbesuch ermöglicht wird und sofort war ich bereit, auch dafür Püppchen zu stricken“, berichtet Russmann. Die 88-Jährige bedauerte nur, dass sie alleine an ihren Handarbeiten arbeitete. Doch als sie Hermine Novak aus Steyrling kennenlernte, bekam sie Gesellschaft. Einmal in der Woche stricken die Damen gemeinsam. „Wir ergänzen uns gegenseitig und sind ein gutes Team“, so Hermine Novak. Erhältlich sind die Püppchen unter anderem im Freibad Klaus.

Miakwadang

Die Nichtregierungsorganisation (kurz: NGO) „MiakWadang“ ist ein ganzheitliches und nachhaltiges Entwicklungsprojekt für Dörfer im Bezirk Melut in der oberen Nilprovinz des Südsudans.Ihren Ursprung hat die Initiative in einem fünfjährigen Gesundheitsprojekt des Micheldorfers Herbert Bronnenmayer und seinem Team.


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