Eisenverarbeitung soll als kulturelles Erbe der Region erhalten bleiben
MOLLN. Die Eisenerzeugung und -verarbeitung ist Teil unserer regionalen Identität und hat unsere Kultur geprägt. Diese zu erhalten ist oberstes Ziel des Vereines Eisenstraße OÖ. Tips hat gemeinsam mit Obmann August Pfaffenhuemer den Schaubetrieb von Maultrommelerzeuger Franz Wimmer in Molln besucht.

Man fühlt sich in eine andere Zeit zurückversetzt, wenn man die Werkstatt von Franz Wimmer betritt. Nicht nur mit alten Bildern und Werkzeugen, sondern auch mit seinen lebhaften Erzählungen hält der 78-Jährige die Tradition der Maultrommelerzeugung lebendig. Seit dem 16. Jahrhundert werden in Molln diese Instrumente gefertigt. Früher waren es 33 Betriebe, die neun Millionen Maultrommeln pro Jahr produzierten. Heute gibt es neben dem Betrieb Wimmer-Bades nur noch die Familien Schwarz und Jofen, die Maultrommeln erzeugen.
Lebendiges Handwerk
Der Schaubetrieb Wimmer-Bades wird in der zwölften Generation von Franz Wimmers Tochter Ilse Bades geführt. Jährlich werden 60.000 bis 80.000 Maultrommeln maschinell gefertigt und in der ganzen Welt verkauft. Nur das Justieren der Maultrommel ist nach wie vor Handarbeit. Auf Anfrage wird das gesamte Instrument handgefertigt.
Im Schaubetrieb erleben die Besucher die Herstellung dieser Instrumente und können auch Maultrommeln aus anderen Ländern bestaunen. Täglich von Montag bis Freitag und nach Anmeldung auch am Wochenende zeigt Franz Wimmer sein Handwerk. „Ich verlange keinen Eintritt, sonst hört sich die Ehrenamtlichkeit auf. Viele Dinge kann man ohne dieser nicht mehr verwirklichen“, ist der Mollner überzeugt.
Weitergabe des Wissens in Schaubetrieben
Der Schaubetrieb Wimmer-Bades ist nur einer von vielen in der Eisenwurzen. In der Huf- und Hackenschmiede Lindermayr in Spital am Pyhrn, im Sensenschmiedemuseum Geyerhammer in Scharnstein, im Museumsdorf Trattenbach und in der Nagelschmiede Losenstein darf man den Handwerkern über die Schulter schauen und das Entstehen der Werkstücke hautnah miterleben. „Dort wird das Wissen über unser kulturelles Erbe an unsere Nachfahren weitergegeben“, sagt August Pfaffenhuemer aus Leonstein, Gründungsobmann des heutigen Freilichtmuseums Schmiedleithen und seit 2014 Obmann des Vereines Eisenstraße OÖ.
Kulturelles Erbe der Region
„Das Eisen und seine Geschichte sind ein wesentlicher Bestandteil unserer regionalen Identität, das hat unsere Kultur geprägt“, so Pfaffenhuemer. Rund um den Erzberg wurde jahrhundertelang Eisen gewonnen. Steyr war zur Hochblüte im 16. Jahrhundert der wichtigste Handelsplatz. Von dort kam das Eisen zu den Verarbeitungsbetrieben im Bezirk Kirchdorf. Sensen, Sicheln, Messer und auch die Maultrommeln werden seit damals hier hergestellt. Vieles davon ist heute UNESCO-Weltkulturerbe, dazu zählen beispielsweise die Köhlerei, das Sensenschmieden und die Maultrommelerzeugung. „In unserer Region hat sich ein hochwertiges Kunsthandwerk entwickelt“, weiß der Obmann des Vereines Eisenstraße OÖ.
1990 wurde der Verein mit dem Ziel, das kulturelle Erbe der Region und die musealen Einrichtungen zu erhalten, gegründet. „Wir haben ein lebendiges Brauchtum und Handwerk, das unsere Region geprägt hat. Der Tourismus braucht diese Kultur und die musealen Einrichtungen wiederum brauchen den Tourismus“, erklärt Pfaffenhuemer.
Zukunft der Eisenstraße
Nach der Ausrichtung der Landesausstellung „Land der Hämmer – Heimat Eisenwurzen“ im Jahr 1998 war der finanzielle Spielraum nicht mehr so groß und die Aktivitäten des Vereins mussten stark eingeschränkt werden. „Es stimmt mich jedoch zuversichtlich, dass fast alle damaligen musealen Einrichtungen und Gemeinden auch heute noch beim Verein dabei sind“, so der 63-Jährige, „Ziel ist es, ein Traditionsbewusstsein gepaart mit einer Offenheit für Neues zu schaffen sowie die Region zu einer selbstbewussten Kultur- und Naturregion zu entwickeln. Dazu soll die Eisenstraße beitragen.“
Digitales Informationssystem
Um die wirtschaftlichen, touristischen, kulturellen und geschichtlichen Daten und Fakten rund um die Eisenstraße OÖ zu sammeln und als Wissensdatenbank zugänglich zu machen, wurde ein Leader-Projekt vom Regionalforum Steyr-Kirchdorf in Kooperation mit dem Verein Eisenstraße OÖ gestartet: das Internet-Informationssystem „O.Ö. Eisenstraßen – Wiki“. Projektleiter ist Wolfgang Hack aus Steyr. Kooperationspartner sind die FH O.Ö. und das RIS Kommunal.
Durch die aktive Beteiligung der Bevölkerung soll das regionale Wissen gesammelt und bewahrt werden. Die Beiträge werden noch von Historikern der Region auf ihre Richtigkeit geprüft. Das Informationssystem soll Schulen und Bildungseinrichtungen, Heimat- und Geschichtsforschern, Touristen sowie allen Interessierten zur Verfügung stehen.
Die Vorbereitungen für das Projekt, das zu 80 Prozent EU-gefördert ist, sind abgeschlossen. Es wurde bereits ein Digitalisierungsbüro in Steyr eingerichtet. Der Start ist für September geplant.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden