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MOLLN. Der Mollner Gemeinderat hat beschlossen, dass das ÖGJ-Jugendzentrum Molln in seiner bestehenden Form geschlossen wird. Die FPÖ-Fraktion brachte dazu vor der Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 19. April, einen Dringlichkeitsantrag ein.

Die Demo der Jugendlichen vor der geplanten Schließung im Dezember 2017, Foto: JCUV
  1 / 2   Die Demo der Jugendlichen vor der geplanten Schließung im Dezember 2017, Foto: JCUV

Bereits im vergangenen Dezember wurde in einer Gemeinderatssitzung über die Schließung des ÖGJ-Jugendzentrums abgestimmt. Damals organisierten sich über 50 Jugendliche und machten sich für den Erhalt des Jugendzentrums stark. Der Antrag über die Schließung wurde mit 11:10 Stimmen abgelehnt.

Dringlichkeitsantrag eingebracht

Für die Jugendlichen kam der Dringlichkeitsantrag für die Kündigung des Betreuungsvertrages nun überraschend. Mit den Stimmen von ÖVP, FPÖ und einem Teil der Bürgerliste (BIM) wurde der Antrag angenommen. Die Jugendlichen erfuhren erst am folgenden Tag von der Schließung und waren am Boden zerstört.

Jugendliche fürchten um Freiraum

Beim ÖGJ-Jugendzentrum Molln handelt es sich um eines der erfolgreichsten in der Region, das täglich von einer Vielzahl an Besuchern genutzt wird. Seit dem Bestehen gab es eine Reihe von Workshops für junge Lehrlinge, Informationsabende zum Thema Sucht, Kochabende und vieles mehr. Nun fürchten die Jugendlichen, dass ihr Freiraum in Molln beschnitten wird.

„Keine handfeste Gründe für die Schließung“

Beim Betreiberverein JCUV ist man irritiert, Geschäftsführer Kurt Winter meint: „Nicht mit den Jugendlichen und uns zu reden ist feige und befremdlich. Laut Vertrag hätte es noch bis August Zeit für Gespräche gegeben. Aber mit den Jugendlichen zu sprechen ist wohl bei FPÖ, ÖVP und der Bürgerliste nicht erwünscht, im Geheimen brauchen die Jugendzentrumsgegner den Jugendlichen nicht ins Gesicht zu sehen. Wir haben in Molln viel Geld in das Jugendzentrum gesteckt und viel renoviert. Dass die Gemeinde ganz ohne Gespräche den Vertrag kündigt und uns vor den Kopf stößt, zeigt dass wir hier schlicht aus politischen Gründen nicht erwünscht sind. Denn handfeste Gründe für die Schließung dieses äußerst erfolgreichen Jugendzentrums wurden keine vorgelegt.“

„Jugendlichen konnten nicht ihre Meinung dazu äußern“

Auch für die erst im Februar angetretene Jugendbetreuerin Verena Fichtner ist die Schließung ein schwerer Schlag: „Das JUZ war so gut wie jeden Tag voll, viele der Jugendlichen wissen jetzt nicht, wo sie in Zukunft ihre Freizeit verbringen sollen. Dass man uns einfach schließen will verärgert viele, besonders dass der Antrag dieses mal ohne Vorankündigung gestellt wurde und die Jugendlichen nicht ihre Meinung dazu äußern konnten, bringt viele zum nachdenken.“

Kritik vom ÖGB Kirchdorf

Auch der ÖGB Kirchdorf kritisiert diese Vorgehensweise. „Neben der Überrumpelungstaktik, mit der die Juz-Gegner gearbeitet haben, verurteilen wir das kurzsichtige Sparen auf dem Rücken der Jugendlichen zutiefst“, kritisiert Rudolf Diensthuber, Vorsitzender des ÖGB Kirchdorf. „Irgendwie habe ich ganz stark den Eindruck, dass sich Teile der Mollner Gemeindepolitik vor den Jugendlichen fürchten, nachdem diese bei der letzten Sitzung zahlreich mit einer Protestaktion gegen die Schließung anwesend waren. Die überfallsartige Aufnahme dieses Punktes in die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung zeigt mir ganz deutlich, dass ÖVP/FPÖ darauf aus waren, keine weitere Diskussion oder demokratische Einbindung der Betroffenen zuzulassen, sondern kurzfristig drüberzufahren“, sagt Diensthuber.

„Machtkämpfe auf dem Rücken der Mollner Jugendlichen“

Der ÖGB kritisiert, dass Machtkämpfe auf dem Rücken der Mollner Jugendlichen ausgetragen werden, indem man ihnen ihre Anlaufstelle wegnimmt. „Jugendarbeit und Betreuung sollte den Verantwortlichen Mandataren im Mollner Gemeinderat etwas wert sein, sie sollten Volksvertreter und nicht Zusperrmandatare sein“, stellt Diensthuber klar.

Probleme bereits im Dezember erörtert

Von Überrumpelung könne nicht die Rede sein, meint dazu Bürgermeister Fritz Reinisch (ÖVP): „Die Probleme sind schon bei der Sitzung im Dezember erörtert worden. Vier Monate später haben sich diese Zustände nicht gebessert. Jetzt mussten wir handeln.“ Trotz Rauchverbot wurde im Jugendzentrum geraucht und es habe Beschwerden von Anrainern wegen Verschmutzung gegeben. Die Mülltrennung habe nicht funktioniert.

„Bei der Sitzung im Dezember war auch die Betreuerin da, mehr Kontakt kann man nicht haben“, so Reinisch, der sich „arg kritisiert“ fühlt.

Keine Schließung sondern Kündigung des Betreuungsvertrages

Zudem stellt der Bürgermeister klar: „Wir schließen das Jugendzentrum nicht, sondern haben den Betreuungsvertrag mit der Gewerkschaft gekündigt. Wir übernehmen die Kosten dafür nicht mehr, weil wir sparen müssen. Die Gemeindefinanzierung Neu fällt uns auf den Kopf. Es bleibt der Gewerkschaft über, ob sie das Jugendzentrum weiterhin betreut.“

Angebot für die Jugend

Fritz Reinisch betont, dass in der Gemeinde sehr wohl etwas für die Jugend getan werde: „Wir haben für die Jugend den Funcourt restauriert, eine meisterschaftsfähige Beachvolleyballanlage errichtet und die Sportanlage der Neuen Mittelschule für alle frei zugänglich gemacht.“

Probleme nicht nachvollziehbar

Seitens des JCUV heißt es, man könne die „Probleme“ über die Bürgermeister Reinisch spricht, absolut nicht nachvollziehen. Es herrsche ein striktes Alkohol und Rauchverbot, das auch eingehalten werde, das bestätigen die beiden JUZ-Leiterinnen. „Die haltlosen Anschuldigungen bezüglich Alkohol- oder Drogenprobleme sehen wir als ernsthafte Gefährdung unseres guten Rufes. Wir können besten Gewissens versichern, dass diese Behauptungen jeder Grundlage entbehren“, sagt Rene Gschnaidtner, Zuständiger für die Öffentlichkeitsarbeit des JCUV.

„Bedauerlicher Versuch, den guten Ruf als Jugendzentrenbetreiber, in den Schmutz zu ziehen“

„Bei der Gemeinderatssitzung im Dezember haben wir das erste mal von diesen Vorwürfen erfahren. Dass Herr Reinisch damit nicht an das Jugendzentrum herangetreten ist, ist im übrigen auch im Protokoll der GR-Sitzung vom Dezember vermerkt“, so Gschnaidtner: „Wir gehen daher von haltlosen Schutzbehauptungen aus, die jeder Grundlage entbehren. Wir bedauern diesen Versuch zutiefst, unseren hart erarbeiteten guten Ruf als Jugendzentrenbetreiber, in den Schmutz zu ziehen. Leider hat sich Herr Reinisch noch kein eigenes Bild von der Situation gemacht.“

Gute Gesprächsbasis mit den Nachbarn

Seitens des JCUV betont man auch die stets  gute Gesprächsbasis mit den Nachbarn. „Natürlich kann es ab und zu zu kleineren Ruhestörungen gekommen sein, doch laut der Aussage unserer JUZ-Leiterinnen wurden diese stets unverzüglich unterbunden und im Kontakt mit den Nachbarn wurden diesbezüglich keine Beschwerden erhoben. Von Seiten unserer Jugendbetreuerinnen wurden die Nachbarn als äußerst höflich beschrieben, die nie Probleme mit dem Jugendzentrum geäußert haben. Auch um die Sauberkeit vor dem JUZ hat man sich stets gekümmert, gemeinsam mit den Jugendlichen wurde in regelmäßigen Abständen eine Reinigung des Vorplatzes unternommen“, berichtet Gschnaidtner.


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