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MÜNZKIRCHEN. Eingebettet in die Kultur AG Münzkirchen ist das Kulturprojekt context:sauwald entstanden. Im Tips-Interview erklärt Projektleiter Christoph Wallenstein, worum es dabei geht und was die Besucher von der ersten Veranstaltung „Befriedigung“ erwarten können.

Christoph Wallenstein vom Kulturprojekt context:sauwald (Foto: privat)
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Tips: Wie ist es zur Entstehung von context:sauwald gekommen?

Christoph Wallenstein: Ich bin im Sauwald aufgewachsen und sozialisiert worden. Später habe ich in Wien und Berlin studiert und gearbeitet und sozusagen die Welt außerhalb des Sauwaldes kennengelernt. Als ich vor fünf Jahren mit meiner Familie wieder zurückgekehrt bin, habe ich mich gefragt: Was tu ich jetzt? Wo finde ich meinen Platz hier? Die Begegnung mit Christa Habermann, die jahrzehntelang in Hamburg lebte und auch wieder nach Münzkirchen zurückkehrte, gab schlussendlich den Anstoß, unsere kulturellen Erfahrungen nach Hause zu bringen und vielmehr, diese mit dem heimischen Angebot zu verbinden.

Tips: Können Sie unseren Lesern die Bedeutung des Namens context:sauwald erklären?  

Wallenstein: context im Sinne von Zusammenhang und Zusammenspiel. Das Zusammenspiel zwischen Bildung, Kultur und Gesellschaft soll durch context:sauwald sichtbar und erlebbar werden. Wesentlich ist uns dabei, dass Schnittstellen und Synergien dort entstehen, wo man sie nicht vermuten würde oder eben ganz offensichtlich sind: Bildungseinrichtungen, Betriebe, andere Kulturvereine innerhalb und außerhalb des Sauwaldes. Dieses Zusammenspiel stärkt die Region und bietet Menschen eine Plattform und lässt gleichzeitig über den Rand schauen: die eigenen Bildungs- und Kulturhorizonte können und dürfen erweitert werden. Und der Sauwald bietet dafür die optimale Kulisse: in der Grenzregion sichern der Wald und der Granit bewährte Traditionen und mit der Donau ist dennoch alles im Fluss in Richtung Veränderung.

Tips: Wer steht hinter context:sauwald?

Wallenstein: Organisatorisch eingebettet sind wir in der Kultur AG Münzkirchen. Dennoch sehen wir uns als autonome Kulturarbeiter, die auch mal neue oder andere Wege denken und gehen – auch wenn wir damit irritieren. Getreu nach dem Motto: Geht's nicht so. Geht es anders. Es geht anders.

Tips: Welche Ziele verfolgt ihr?

Wallenstein: context:sauwald versteht sich als Kulturforum mit dem Ziel, innovative Kulturarbeit im ländlichen Raum zu fördern und umzusetzen. Mit Musik, Kunst, Literatur und Diskurs soll der Sauwald neu erlebbar gemacht werden, Impulse gesetzt werden, Inspirationsquelle sein. Einladen möchten wir insbesondere auch Jugendliche, junge Erwachsene und Menschen mit Beeinträchtigungen, ihre Sicht auf die Welt mit uns zu teilen und ihre Ideen und Fähigkeiten einzubringen.

Tips: Eure erste Veranstaltung heißt „Befriedigung“. Worum geht es dabei?

Wallenstein: Im temporären Kulturraum der ehemaligen Möbelhalle Gimplinger dürfen wir nun Kultur anbieten, sodass die Besucher Kunst, Musik und Literatur konsumieren können. Mit Helga Hofer und Len Musik haben wir zwei Künstlerinnen gewonnen, die das Zusammenspiel aus Tradition und Zeitgenössischem repräsentieren. Ich selber werde aus eigenen Texten lesen und werde dabei musikalisch begleitet. Dies alles geschieht aus zweierlei Gründen: ich erlebe dies als zutiefst sinnstiftend und habe Freude daran. So einfach ist das. Und natürlich mündet dies auch in eine tiefe Befriedigung. Ich glaube, dass viele Menschen Befriedigung in ganz unterschiedlichen Bereichen finden. Sei es durch das Betrachten eines Bildes, durch die Umarmung eines Menschen oder durch einen Spaziergang im Wald. Das möchten wir in den Mittelpunkt stellen und wieder ein Bewusstsein dafür schaffen in einer Zeit, die ohnehin geprägt ist von Schnelllebigkeit, Unsicherheit und ja, so kann man es vielleicht auch sagen: Unbefriedigung. So ist eine zentrale Frage: Was befriedigt dich in deinem Leben?

Tips: Wie sieht das Programm von Befriedigung aus?

Wallenstein: Am 18. Oktober um 19 Uhr starten wir mit einer Vernissage der beiden Künstlerinnen und die Besucher können es sich in der Möbelhalle natürlich auch gemütlich machen, verweilen, miteinander in ein Gespräch kommen oder einfach nur schauen. An den darauffolgenden Sonntagen wird die Ausstellung immer zwischen 15 und 17 Uhr geöffnet sein. Abgeschlossen wird die Veranstaltungsreihe am 10. November um 10.30 Uhr mit einer Matinée, mit ausgewählten Texten und Liedern zum Thema Befriedigung. Für uns ist das ganze auch eine Art Experiment: wir schauen was passiert.

Tips: Was kann man in Zukunft von context:sauwald erwarten? Was/welche Veranstaltungen habt ihr in Planung?

Wallenstein: Geplant sind mehrere Initiativen über das Jahr verteilt, welche bereits im letzten Jahr begonnen haben und nun fortgesetzt werden. Unter anderem haben wir „Literatur im Betrieb“ oder den Kinder- und Jugendliteraturpreis „Die Augustine“ unterstützt. Für das nächste Jahr haben wir die Vision, dass sich an drei Tagen jeweils mit den Schwerpunkten Musik, Kunst, Literatur & Diskurs hiesige wie auswärtige Kulturinteressierte und Künstler beteiligen bzw. auftreten. Damit möchte ich alle Interessierte einladen, sich bei uns zu melden mitzudenken und mitzuwirken, wie sich context:sauwald weiterentwickeln kann. Und falls uns jemand auch finanziell unterstützen möchte, sagen wir gerne ja.


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