Naarner Austro-Chinese: „Österreichs Regierung macht das wirklich richtig“

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Mag. Melanie Mai Mag. Melanie Mai, Tips Redaktion, 07.04.2020 11:25 Uhr

NAARN/SHANGHAI. Seine Frau ist aus Wuhan. Der gebürtige Naarner Michael Kaltenberger lebt im Epidemiezentrum der Corona-Krise. Diese haben sie mittlerweile überstanden. Tips hat mit dem 43-Jährigen gesprochen, wie er und seine Familie das Coronavirus und das jetzige langsame Erwachen des Staates miterlebt bzw. miterleben.  

Tips: Wie haben Sie den Virus in China miterlebt?

Kaltenberger: Am Anfang war es für mich nicht nachvollziehbar, aber verständlicher wenn man die Zahlen der Infizierten und den Anstieg in Hubei (Wuhan) gesehen hat. Natürlich kann man alles in Frage stellen, aber ich glaube die Zahlen und das Tempo wie es unter Kontrolle gebracht wurde, zeigen in China, dass es der richtige Weg war. In jenen Ländern wo man schnell reagierte, wie in Österreich, ist es soweit unter Kontrolle. Aber man sollte es nicht unterschätzen.

 Tips: Wie ist das Leben jetzt?

Kaltenberger: Bei uns kehrt langsam wieder Alltag ein. Die Straßen sind morgens wieder verstopft, aber man sieht noch die Folgen und noch einen gewissen Respekt bei den Menschen. Auch wird immer noch Temperatur gemessen (bei mir drei- bis fünfmal am Tag), und Masken müssen noch getragen werden. Parks oder Fitnesscenter sind immer noch geschlossen, aber es wird von Woche zu Woche besser. Die Restaurants sind auch schon geöffnet, aber mit limitierten Öffnungszeiten und großen Abständen zwischen den Tischen.

Tips: Hat Ihre Frau die Situation, auch vielleicht kulturbedingt, anders wahrgenommen als Sie?

Kaltenberger: Meine Frau ist in Wuhan großgeworden und dadurch war die Angst schon sehr groß -  auch um Verwandte und Bekannte. Sie war natürlich täglich mit ihrer Familie sowie Freunden in Kontakt und es war zum Glück auch niemand in unserem Bekanntenkreis krank, aber die Sanktionen vor Ort waren richtig hart. Die Menschen waren für mehr als zwei Monate Zuhause eingesperrt, das Essen wurde vor die Tür geliefert, wer raus ging wurde bestraft. Großen Respekt vor den Leuten dort. Auch wenn man bedenkt, dass die oft in sehr kleinen Wohnungen leben. Hoffe und glaube, dass Österreich mit den gesetzten Maßnhamen am richtigen Weg ist und es nicht soweit kommt wie in China.

Tips: Sie sprechen von Angst. Das war wohl allgemein ein großes Thema?

Kaltenberger: Es war wirklich Angst bei den Chinesen zu spüren. Es wurde und wird auch mit SAS 2003 verglichen welches in Asien viel schlimmer war als in Europa. Auch die Zahl der Infizierten ist zu dieser Zeit sehr schnell gestiegen.

Tips: Nun sind Schutzmasken auch in Österreich Pflicht. Für viele von uns ist das merkwürdig. Wie stehen Sie dazu?

Kaltenberger: Auch wenn wir in Österreich Schutzmasken befremdlich finden und sie oft in Frage gestellt werden - ich hasse sie auch - muss man trotzdem den Worten vom Bundeskanzler Sebastian Kurz recht geben. Denn es war in Asien ein wichtiger Bestandteil zur Eindämmung. Und wie Kurz sagt: Man sollte die Maske nicht nur zum Selbstschutz tragen, die Maske sollte hauptsächlich zum Schutz der Anderen dienen. Denn durch die lange Inkubationszeit und dadurch dass man oft schwache bis fast keine Symptome verspürt, kann man andere trotzdem anstecken.

Tips: Sie arbeiten bei Engel. Wie wurde die Situation im Werk gehandhabt?

Kaltenberger:  Ich bin nun seit elf Jahren in China und für den Service (After Sales) bei Engel verantwortlich. Das heißt ich habe meine Service-Techniker in ganz China verteilt, welche unsere Maschine aufstellen und reparieren. Die Schwierigkeit und auch Herausforderung sind die in den verschiedensten Provinzen und Städten verhängten Maßnahmen. Peking ist sehr streng. Jeder der jetzt noch einreist, muss zwei Wochen in Quarantäne - auch bei Inlandsreisen. Aber es wird von Tag zu Tag besser.

Tips: Das Werk in China wurde im Vergleich früh geöffnet. Was musste beachtet werden?

Kaltenberger: Wir waren eine der wenigen Firmen, die seit dem 10. Februar in Shanghai und am 13. Februar in Changzhou (Jiangsu Provinzen) wieder arbeiten. Um die Erlaubnis zur Werköffnung zu bekommen, wurden strenge Auflagen und auch spezielle Genehmigungen von der Stadt Shanghai verlangt. Wie etwa Temperaturkontrollen, Maskenplicht, eine Kantine mit limiterten Plätzen und ein Sprechverbot während des Essens. Vom Management aus Europa wurde klar die Botschaft vermittelt, nichts zu riskieren und alle notwendigen Maßnahmen zu setzen, um eine sichere Produktion sicherzustellen. Wir mussten nachweisen. dass kein Arbeiter von der Krisenregion kommt oder wenn, dass er eine Quarantäne Zeit von mindestens zwei Wochen hatte. Jeden Tag werden die Büros, Meetingräume mehrmals desinfiziert.

Tips: Wie kam es dazu, dass Sie nach China auswanderten?

Kaltenberger: Ich habe beim Engel gelernt, und verschiedenste Aufgaben mit den Jahren durchgemacht. Mit der Eröffnung unseres Werkes in China sah ich eine gute Möglichkeit mich neuen Herausforderungen zu stellen, ohne das Unternehmen verlassen zu müssen. Bin jetzt seit 31 Jahren im Unternehmen und muss sagen, dass ich es bis dato noch nicht bereut habe. Es macht mich stolz, für ein traditionelles österreichische Unternehmen zu arbeiten, speziell wenn ich zurück an so manch schwierige Zeit denke, zum Beispiel an das Hochwasser 2002, wo ganz Schwertberg und auch Engel unterging, oder an die letzte Wirtschaftskrise 2009, auch diese wurde sehr gut bewältigt. Das Familienunternehmen gibt mir auch in diesen schwierigen Zeiten ein Gefühl der Sicherheit und Motivation.

Tips: Was fehlt Ihnen aus Österreich am meisten und was lieben Sie an China?

Kaltenberger: Der blaue Himmel. Das wurde mir aber erst bewusst als, ich das erste Mal mit meiner Frau in Österreich war. Sie hat mich darauf hingewiesen, dass es nirgends einen so schönen, intensiv blauen Himmel gibt wie in Österreich und sie hat recht. Auch vermisse ich den Wald, wo ich in meiner Kindheit viel mit meinem Großvater zum Holzarbeiten war. In China, speziell in Shanghai, gefällt mir die Schnelllebigkeit und die vielen Möglichkeiten, sei es beim Essen oder auch wenn man mal was Neues ausprobieren will, es ist fast alles in Griffweite.

Tips: Und zum Schluss: Sind Sie des Öfteren auf Heimatbesuch?

Kaltenberger: Ich und meine Kinder genießen es immer, wenn wir in die Donau oder in die Aist springen können. Es ist meine Heimat und wenn ich von Reinhard Fendrich „I am from Austria“ höre, bekomme ich feuchte Augen. Aber die geplanten Heimatbesuche werden sich heuer nicht ausgehen, da die Flüge bereits zweimal storniert wurden.      

 

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Kommentare

  1. Naarner
    Naarner07.04.2020 14:15 Uhr

    43-31=12 - Ich wusste gar nicht das vor 31 Jahren Kinderarbeit in Österreich noch Gang und Gäbe war. ????

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