Ein normales Leben dank persönlicher Assistenz
NEUKIRCHEN. Der 20-jährige Neukirchner Marco Nagl ist Spastiker und an den Rollstuhl gebunden. Dennoch kann er dank seiner persönlichen Assistentin ein selbstbestimmtes Leben führen. Marco wünscht sich, dass mehr Betroffene im Bezirk diese Möglichkeit für sich entdecken.

Seit seiner Geburt ist der 20-jährige Marco Nagl Spastiker. Sein Sehvermögen beschränkt sich nur noch auf zehn Prozent und er ist an den Elektro-Rollstuhl gebunden. Doch für ihn ist das kein Grund, Trübsal zu blasen: „Andere Leute mit Beeinträchtigung sind schlechter gestellt als ich, denn sie müssen oft in Einrichtungen gehen und können nicht daheim bleiben.“ Marco hingegen kann auch weiterhin mit seiner Mutter Gudrun Nagl in ihrem kleinen Bauernsacherl in Neukirchen wohnen und am normalen Leben teilhaben, denn er hat eine persönliche Assistentin, die ihn unterstützt.
Assistentin ersetzt Arme und Beine - aber nicht den Kopf
Petra Hecher aus Schwand hilft Marco bei allen Dingen, die er selbst nicht kann. Sie ist seine Arme und Beine – aber nicht sein Kopf, wie er betont. Denn was er wann und wie machen möchte, entscheidet immer noch er selbst. Dadurch kann Marco trotz Beeinträchtigung ein selbstbestimmtes Leben führen – ohne auf seine Mutter angewiesen zu sein.
Fünf Jahre lebte er in Linz und lernte dort Freunde kennen, die ebenfalls beeinträchtigt sind. Dank der persönlichen Assistenten können sie viel gemeinsam unternehmen und Interessen und Hobbies ausleben, wie eben andere junge Menschen in diesem Alter auch.
Angebot im Bezirk kaum bekannt
Obwohl er in Neukirchen gut integriert ist, er hier viele Bekannte hat und ihn seine Freunde aus Linz hin und wieder besuchen, vermisst er den Kontakt zu Gleichgesinnten. Hier im Bezirk Braunau ist das Angebot der persönlichen Assistenz kaum bekannt, bedauert er, daher gibt es nur sehr wenige Menschen, die es nützen.
Mitleid nicht erwünscht
Dementsprechend schwierig ist es auch, geeignete Assistenten zu finden. Viele glauben, sie müssten Mitleid mit dem armen Rollstuhlfahrer haben, erklärt Gudrun Nagl, dabei ist das das Letzte, was er möchte. Mit Petra Hecher hat Marco vor vier Jahren einen Glücksgriff gelandet. Hier stimmte die Chemie. Sie absolvierte einen viertägigen Grundkurs und unterstützt nun Marco für rund 20 bis 30 Stunden in der Woche. Gleichzeitig entlastet sie damit seine Mutter. „Nicht nur für die Betroffenen selbst, auch für Angehörige hat das Angebot der persönlichen Assistenz Vorteile“, erklärt sie. „Es muss jedoch klar sein, dass die Assistenz nur für den Betroffenen da ist und nicht für die ganze Familie.“
Hecher ist in ihrer Funktion als freie Dienstnehmerin tätig, abgerechnet wird direkt mit dem Land Oberösterreich. Es gibt jedoch auch Möglichkeiten über eine Anstellung bei einem Trägerverein. Wer Interesse an dem Job hat oder selbst eine persönliche Assistenz sucht, den berät Marco gerne unter kottingauerbach@gmail.com


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