Falke Rosalie: Zuerst Bruchpilotin, dann Langstreckensensation
NEUSTIFT. Im Sommer vergangenen Jahres fand Helena Koskova, Mitarbeiterin in der Rannariedler Schlossverwaltung, auf der Zufahrt zum Anwesen einen verletzten, noch nicht flügge gewordenen Turmfalken. Was sie dabei noch nicht wusste: Der Falke sollte schon bald für Staunen sorgen.

Rosalie, so taufte sie den Falken, durfte zuerst kurzzeitig häusliche Pflege im Schloss Rannariedl genießen, ehe sie schließlich in die Greifvogel- und Eulenschutzstation OAW des Naturschutzbundes Oberösterreich nach Ebelsberg gebracht wurde.
Artgleiche Ammentieren fütterten Rosalie und übernahmen die Erziehung. Außerdem bekam sie einen Aluring mit einer Nummer, anhand der sie eindeutig identifizierbar war. Ende letzten Sommers wurde Rosalie in die Freiheit entlassen. 80 Tage später, im Oktober 2019, leutete in der Greifvogelstation das Telefon.
1818 Kilometer langer Flug
Italienische Vogelpfleger hatten Rosalie in Libyen gefunden; leicht verletzt aber ansonsten wohlauf. Der Falke war in gut zwei Monaten von Ebelsberg aus 1818 Kilometer über das Mittelmeer bis nach Nordafrika geflogen.
Untypische Meisterleistung
„Eigentlich untypisch“, erklärt der Naturschutzbund, „denn allgemein betrachtet sind Turmfalken teils Standvögel, teils Kurz- oder Langstreckenzieher. Während die nord- und osteuropäischen Populationen durchwegs lange Strecken ziehen und in Südeuropa oder in Nord- bzw. Westafrika überwintern, bleiben die mitteleuropäischen Turmfalken teilweise auch den Winter über im Brutgebiet.“ Rosalie hat das scheinbar keiner gesagt.


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