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BEZIRK URFAHR-UMGEBUNG. Tips sprach mit dem Landtagsabgeordneten Josef Rathgeb über das Thema Landflucht. Der Bürgermeister von Oberneukirchen spricht über die Auswirkungen und Gründe von Abwanderung und wie man Abwanderung stoppen kann.

Josef Rathgeb, Landtagsabgeordneter und Bürgermeister von Oberneukirchen Foto: Andreas Hamedinger

Tips: Wie wirkt sich die Abwanderung in manchen Gemeinden auf den Bezirk Urfahr-Umgebung aus?

Rathgeb: Der ländliche Raum rinnt aus, viele Gemeinden auch in unserem Bezirk stehen vor großen Herausforderungen. Gewachsene Kleinstrukturen in unseren Orten und Dörfern sind gefährdet. Die auseinandergehende Schere zwischen Stadt und Land betrifft alle Lebensbereiche massiv. Weniger Bevölkerung bedeutet weniger Geld, Strukturprobleme und auch Abfluss von Bildung (“brain drain“) und damit weniger Zukunftspotenzial am Land. Viele junge, gut ausgebildete Menschen bleiben mangels Infrastruktur und qualifizierter Arbeitsplätze oft in den Städten.

Tips: Was braucht es, um die Abwanderung zu stoppen?

Rathgeb: Politik heißt helfen. Wir brauchen daher ein Impulspaket zur Stärkung des ländlichen Raumes und der kommunalen Selbstverwaltung. Wichtige Ansätze wie die Breitbandinitiative des Landes laufen bereits oder sind im Regierungsprogramm beziehungsweise im Masterplan des Lebensministeriums enthalten. Zum Beispiel gibt es auch schon innovative Projekte zur Ortskernbelebung, Leerstands-Management, Primärversorgungszentren, gemeindeübergreifende Kooperationen, wie beim interkommunalen Betriebsbaugebiet in Bad Leonfelden, Anreize für neue Arbeitsplätze und Ausbildungsangebote oder der rasche Ausbau der Infrastruktur mit schnellem Internet in der Fläche. Auch sind von 68 Bundesdienststellen derzeit 65 in Wien angesiedelt. Davon könnten, wie angekündigt, zehn Prozent und damit 3500 Jobs in der öffentlichen Verwaltung in die Länder verlagert werden.

Tips: Welche Gründe gibt es für die Abwanderung ihrer Ansicht nach?

Rathgeb: Hauptgründe sind fehlende infrastrukturelle Angebote und qualifizierte Arbeitsplätze, lange Verkehrswege in die Ballungszentren. Unsere Gemeinden wirtschaften sparsam und verantwortungsvoll. Sie müssen aber ohne Kostenersatz ständig neue Aufgaben und Belastungen übernehmen, wie zuletzt beim Pflegeregress. Das gehört dringend und vollständig repariert. Wir brauchen einen fairen Finanzausgleich und eine Verwaltungsreform mit einer Aufgaben- und Kompetenzentflechtung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden.

Tips: Oberneukirchen gehört zu den Gemeinden mit Zuwanderung. Was sind ihrer Meinung nach die Gründe dafür?

Rathgeb: Der ländliche Raum ist Heimat für die Menschen. Heimat entsteht in den Gemeinden, sie sind unser Rückgrat. Es ist daher eine zentrale Zukunftsherausforderung, den generellen Abwanderungstrend zu stoppen und diese Abwärtsspirale umzudrehen. Uns in Oberneukirchen hilft dabei die hohe Zufriedenheit mit der Lebensqualität und dem bunten Angebot von jung bis alt, unsere Gemeindestruktur mit guten Unternehmern, Nahversorgern und Vereinen sowie das vielfältige ehrenamtliche Engagement.

Tips: Gibt es in der Gemeinde Oberneukirchen Projekte zum Thema Digitalisierung?

Rathgeb: Die Digitalisierung bringt auch in den Kommunen radikale Veränderungen und Herausforderungen, aber auch neue Chancen. Schaut man sich bundesweit die Entwicklung an, so wurde seit 1960 die Anzahl der Gemeinden von knapp 4000 auf nunmehr 2100 fast halbiert. Durch die Digitalisierung wird die Bedeutung von Verwaltungsgrenzen weiter abnehmen und werden Gemeinden verstärkt zusammenwachsen. In Oberneukirchen wurde bereits im Mai 2015 der erste kostenlose Gemeinde-Hotspot mit der Energie AG in Betrieb genommen und der Ausbau der Breitbandinfrastruktur bei den Schulen gestartet. Der rasche weitere Ausbau dieser Schlüsseltechnologie ist ein wichtiges Schwerpunktprojekt in unserer Gemeinde.

Abwanderung im Bezirk Urfahr-Umgebung:

In den Jahren 2010 bis 2016 (Quelle: Statistik Austria) wurde im Bezirk Urfahr-Umgebung in sechs Gemeinden eine Abwanderung verzeichnet. Am stärksten betroffen waren (kumulierte Wanderungssalden) Goldwörth (minus 122), Zwettl an der Rodl (minus 43), Vorderweißenbach (minus 29), Schenkenfelden (minus 27), Lichtenberg (minus 17) und Reichenthal (minus 2).


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