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Bezirksbauernkammer-Obmann Andreas Ehrenhuber: "Wir müssen den Konsumenten den Beruf Landwirt wieder neu erklären"

Susanne Winter, MA, 24.09.2019 20:03

OBERSCHLIERBACH. Seit knapp einer Woche ist Andreas Ehrenhuber aus Oberschlierbach Obmann der Bezirksbauernkammer Kirchdorf. Mit Tips sprach der 46-Jährige über seine Berufung als Bauer, die Entscheidung für die neue Funktion und die Zukunft der Landwirtschaft.

Andreas Ehrenhuber führt mit seiner Frau Barbara einen Milchviehzuchtbetrieb. Foto: Winter
  1 / 8   Andreas Ehrenhuber führt mit seiner Frau Barbara einen Milchviehzuchtbetrieb. Foto: Winter

Tips:Warum haben Sie sich für diese Funktion entschieden?

Andreas Ehrenhuber: Als ich gefragt wurde, war das zwar eine große Ehre, aber zuerst konnte ich es mir nicht vorstellen – im Gegensatz zu meiner Frau Barbara. Das war gut zu wissen, denn will man so etwas in Angriff nehmen, braucht man die Unterstützung der Familie. Bei einer Vorwahl aller Bauernbundfunktionäre nannten über 70 Prozent meinen Namen. Bei so einem großen Vertrauenszuspruch konnte ich nicht mehr Nein sagen. In den vergangenen Jahren hatten wir einen Kammerobmann aus dem Ackerbereich und es war der Wunsch, dass es nun jemand aus dem Grünlandbereich wird.

Tips:Was bedeutet Landwirtschaft für Sie?

Ehrenhuber: Das ist meine Berufung, meine Leidenschaft. Das war für mich als kleiner Bub schon so. In den Stall zu gehen, war für mich wichtiger als in die Schule. Ich wollte immer Bauer werden, für mich hat es nie etwas anderes gegeben. Es ist für mich der schönste Beruf, den es gibt.

Tips:Durch welche Stärken zeichnet sich die Landwirtschaft im Bezirk Kirchdorf aus?

Ehrenhuber: Wir sind sehr breit aufgestellt und haben eine riesengroße Vielfalt an Betriebssparten – das ist einzigartig in Oberösterreich. Das ist auch der Beweis dafür, dass wir sehr viele kreative und innovative Landwirte haben, die sich Gedanken über die Zukunft machen.

Tips:Vor welchen Herausforderungen stehen die Landwirte?

Ehrenhuber: Landwirtschaft ist ein gewaltiges Spannungsfeld. Wir kämpfen mit Problemen wie Engerlinge, Borkenkäfer und Trockenheit. Ein weiteres großes Thema ist die Digitalisierung und damit einhergehend der flächendeckende Breitbandausbau im Bezirk – alle Betriebe sollen Zugang zu schnellem Internet bekommen.

Tips:Wofür wollen Sie sich einsetzen?

Ehrenhuber: Landwirte sollen ein Einkommen erwirtschaften, mit dem sie ihren Betrieb erhalten können. Die Wertschöpfung muss wieder passen. Ich bin ein Verfechter der kleinstrukturierten Landwirtschaft. Dort können die Landwirte kreativer sein und sich einfacher Nischen suchen. Die Rahmenbedingungen gehen leider in die Richtung, dass nur große Betriebe überleben können. Doch gerade die kleinstrukturierte Landwirtschaft macht unseren Bezirk aus und sorgt dafür, dass die Landschaft gepflegt ist. Das kommt wiederum dem Tourismus zugute.

Tips:Womit haben es die Landwirte besonders schwer?

Ehrenhuber: Landwirte werden oft als Sozialempfänger dargestellt, also dass wir von den Förderungen leben. Aber das sind Ausgleichszahlungen, auf die wir angewiesen sind – ganz speziell im Berggebiet. Wenn wir das nicht bekommen würden, gäbe es viele Betriebe nicht mehr, weil sie die Kosten nicht decken könnten. Mit der Einheitswerterhöhung haben sich für viele die quartalsmäßig zu bezahlenden Beträge – für Versicherungen, Pensionsvorsorge, Abgaben für den Betrieb und so weiter – durch die Flächenzupachtungen oder Bestandeserhöhungen der vergangenen Jahre um ein Vielfaches erhöht. Das ist derzeit ein sehr emotionales Thema, weil auch Existenzen auf dem Spiel stehen.

Tips:Tierwohl“ gewinnt immer mehr an Bedeutung. Wie geht es den Landwirten damit?

Ehrenhuber: Wir sind immer bestrebt, dass es unseren Tieren gut geht. Dass sich die Tiere im ganzen Sommer auf den Almen frei bewegen dürfen, ist auch gut. Schwierig wird es, wenn den Wanderern etwas passiert und dafür der Landwirt verantwortlich gemacht wird. Zudem ist zu bedenken, dass es den Tieren bei 40 Grad auf der Alm nicht so gut gefällt. Da geht es ihnen im Stall sicher besser. Große Unsicherheit herrscht auch bezüglich des Handelsabkommens Mercosur. Dieses würde ermöglichen, dass das Rindfleisch von Südamerika bei uns verkauft wird. Dort sind die Produktionsbedingungen jedoch schlechter als in Österreich. Wir haben sehr hohe Qualitätsstandards, die uns jedoch nicht finanziell abgegolten werden.

Tips:Immer mehr Landwirte stellen auf eine biologische Bewirtschaftung um. Was halten Sie davon?

Ehrenhuber: Ob Bio oder konventionell – das soll nicht der entscheidende Punkt sein. Die konventionellen Produkte sind um nichts schlechter. Der Biomarkt ist so voll, dass wir unsere Milch schon nach Deutschland verkaufen, weil wir in Österreich keinen Absatz dafür haben. Wichtiger ist die Regionalität. Wir müssen auf die heimischen Produkte setzen. Es kann nicht sein, dass während der Apfelsaison in Österreich die ungarischen Äpfel im Supermarkt liegen. Deshalb müssen wir mit den Konsumenten ins Gespräch kommen und ihnen den Beruf Landwirt wieder neu erklären. Wir sind Partner auf Augenhöhe, wir brauchen den Konsumenten und der Konsument braucht uns. Wir Landwirte sollen zu dem stehen, was wir tun und überzeugter auftreten.

Zur Person

Andreas Ehrenhuber ist verheiratet und hat mit seiner Frau Barbara drei Söhne. Sie bewirtschaften 25 Hektar Eigengrund und 25 Hektar zugepachtete Fläche. Die Familie führt einen Milchviehzuchtbetrieb mit 30 Milchkühen und 60 Kälbern. Ehrenhuber ist Obmann-Stellvertreter der Weidegenossenschaft Schlierbach Oberschlierbach sowie im Ausschuss des RZVOÖ und OÖ Almvereins.

Sprechtag

jeden Dienstag, 8.30 bis 11 Uhr im Holzhaus E1NS in Adlwang


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Daniela
Daniela
02.10.2019 16:32

Bio-Produkte schlechtgeredet

"Die konventionellen Produkte sind um nichts schlechter." Mit dieser Aussage führt Herr Ehrenhuber die ganze Bio-Branche ad absurdum!!! Konventionelle Produkte, die in Böden wachsen, die mit Kunstdünger gedüngt werden, sollen um nichts schlechter sein, als Bio-Produkte?? Die Bauernkammer sollte sich in Zukunft gut überlegen, wen sie da als Obmann bestellt!