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OBERTRAUN. Gletscher sind die Fieberthermometer unseres Planeten, reagieren als Frühwarnsystem besonders dramatisch auf die Erderhitzung und schmelzen immer rascher ab. Schmelzen die Gletscher, sind die Konsequenzen umfassend, sehr weittragend und treffen z.B. Hochwasserschutz, Trinkwasserversorgung, Wasserkraft, Bewässerung, aber auch Freizeit und Wirtschaft. 

Foto: Klaus Reingruber
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Im Jahr 2006 haben Energie AG und das oberösterreichische Klimaschutzressort die gemeinsame Forschungstätigkeit von Blue Sky Wetteranalysen und dem Institut für Gebirgsforschung (Akademie der Wissenschaften) gestartet und vermessen die vier Dachstein-Gletscher seither Jahr für Jahr. Am Dachstein zeigen die Messergebnisse auch für die Periode 2018/19 wieder ein dramatisches Bild: Ein auch für den Dachstein äußerst schneereicher Winter konnte zwar schlimmeres verhindern, trotzdem steht am Ende der Abrechnung wieder ein dickes Minus vor der Bilanz. Die spezifische Massenbilanz des Massenhaushaltsjahres 2018/19 beträgt -554 mm Wasseräquivalent. Dies entspricht einem mittleren Eisdickenverlust von rund 0,6 Metern. 

Klaus Reingruber, Meteorologe Blue Sky Wetteranalysen: „Sowohl bei der Bilanz als auch bei den Flächen- und Längenmessungen setzt sich der Trend fort. Die vier Dachsteingletscher schmelzen weiter im Rekordtempo ab. Die Gletscher konnten einerseits vom schneereichen Winter profitieren, andererseits gab es vorher noch einen außergewöhnlich warmen und trockenen Herbst 2018, der den Eisflächen ordentlich an die Substanz ging. Die Ablationsperiode (Eisabschmelzung) war 2019 aufgrund der Schneelage etwas kürzer, Juni, Juli und August dann aber deutlich zu warm und so kam es speziell in den unteren Bereichen wieder zu einem starken Rückgang des Eises. Die Werte der Massenbilanz sind moderat, wenn auch negativ, bei der Längenmessungen gibt es auf allen vier Gletschern Rekorde bei den Rückgangsraten.“

Nicht nur am Dachstein auch weltweit gehen die Gletscher dramatisch zurück: Im Zuge der derzeit stattfindenden 25. UN-Klimakonferenz in Madrid machen führende Wissenschafter/innen auf die durch die Klimakrise verursachte Schmelze der Gletscher weltweit aufmerksam. Die derzeitige Geschwindigkeit des Abschmelzens sei „beispiellos“, die Auswirkungen auf die Wasserversorgung und den Meeresspiegel groß.

Klimaschutz-Landesrat Rudi Anschober: „Die Erderhitzung hat verheerende Auswirkungen: die Gletscherschmelze schreitet am Dachstein und weltweit dramatisch voran. Wenn sich der Trend fortsetzt, werden die Gletscher in den Alpen bald verschwinden. Daher braucht es jetzt konsequenten Klimaschutz! Der noch völlig unzureichende Nationale Energie- und Klimaplan Österreichs, der bis Jahresende der EU-Kommission übermittelt wird, muss jetzt noch umfassend nachbessert werden, damit Österreich endlich seinen Beitrag leistet und die Klimaziele erreicht! Wir sind die erste Generation, die die dramatisch Folgen der möglichen Klimakrise erlebt und wir sind die letzte Generation, die wirksam gegensteuern kann.“

Detailbericht Massenbilanz Hallstätter Gletscher

Das Massenhaushaltsjahr 2018/19 (01.10.2018 bis 30.09.2019) reiht sich in der 13-jährigen Messreihe an der vierten Stelle der am wenigsten negativen Massenbilanzen ein. Nach einem relativ niederschlagsarmen Herbst kam es im Dezember und Januar zu sehr ergiebigen Niederschlägen, alleine im Jänner summierten sich bis zu drei Meter Neuschnee. Dieser Schnee wurde sogleich durch starken Wind verfrachtet, was zu einer sehr variablen Verteilung der Schneehöhen am Gletscher führte.

Am Ende des Winters summierte sich bei den Messpunkten zwischen sieben und acht Meter Schnee, was selbst für den Dachstein überdurchschnittlich ist. Allerdings fanden sich auch Flächen mit einer sehr geringmächtigen Schneedecke wie zum Beispiel auf der westlichen Zunge. Der durchwachsene Mai führte zu einer weiteren Schneeakkumulation, was die Ausaperung in den folgenden Monaten verzögerte. Es kam bis zur Herbstbegehung Ende September zu zwei kurzen Unterbrechungen der Eisschmelze durch Neuschnee Mitte August und im September. Die spezifische Massenbilanz des Massenhaushaltsjahres 2018/198 beträgt -554 mm Wasseräquivalent. Dies entspricht einem mittleren Eisdickenverlust von rund 0,6 Meter gemittelt über die gesamte Gletscherfläche.


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